„Meine Eltern aber werden kaum ihre Zustimmung zu einer Verbindung geben,die die Deinigen nicht billigen —"
„Anna, theure Anna, quäle Dich und mich jetzt nicht mit solchen Gedanken, sondernvertraue mir und laß mich gewähren", erwiderte, das jugendliche Haupt mit dem reichengoldblonden Haar, und den blitzenden, blonden Augen hoch aufrichtend, Ludwig von Boden-wald. „Vorderhand darf natürlich Niemand unsere Verlobung erfahren, das mußt Dumir versprechen." —
„Ich verspreche es Dir, Ludwig, wenngleich ich bisher nie ein Geheimniß vor meinenEltern gehabt", antwortete seine Braut, deren sonst so heitere Gesichtszüge einen ernsten,nachdenklichen Ausdruck hatten.
„Sie werden es Dir später gewiß verzeihen", entgegnete ihr Verlobter mit ruhigerEntschiedenheit. „Wenn ich erst den Buchenhof zur Zufriedenheit meines Vaters alleinverwaltet, und ihm dadurch beweisen kann, daß ich nöthigenfalls im Stande bin, Deinenund meinen Unterhalt zu erwerben, will ich Dich als Frau von Deinen Eltern begehren,und die Erlaubniß der meinigen zu unserer Verbindung fordern!"
„Es sei» wie Dm sagst, Ludwig", erwiderte Anna, welcher die ruhige Sicherheitihres Verlobten zwar Muth einflößte, indeß noch immer nicht ohne Bedenken war.„Meine Eltern werden von mir noch nicht erfahren, was sich soeben in dieser Baumhüttezugetragen." —
„Und alles Uebrige überlasse mir, theure Anna, Du wirst schon sehen, daß ich meinePläne wie meinen Willen auszuführen vermag. Doch nun muß ich nach Hause eilen,damit nicht Bergmann's auf mich warten, oder vielleicht gar zu Vermuthungen kommen,Auch geht es nach dem Essen wieder in's Feld, wo noch viel Arbeit zu besorgen ist, weilich zum Empfang meiner Eltern diesen Abend frühzeitig im Schlosse sein muß!"
Nach einer innigen Umarmung verließ Ludwig von Bodenwald seine Braut undging so schnell es seine Gebrechen zuließen dem Verwalterhause zu. Anna aber blickteihm mit dem Ausdruck zärtlicher Liebe in den dunklen Augen nach und sagte ernst undsinnend:
„Ob wir Recht gethan, ich weiß es nicht, doch konnte ich nicht anders, denn meinHerz gehört ihm und wird ihm immer gehören, und nur ich kann den armen Ver-stoßenen, den Niemand von den Seinen liebt, glücklich machen, denn für mich sind alleseine Schwächen und körperlichen Mängel nicht vorhanden!" und langsam den Weg nachdem Försterhause einschlagend, gelobte sie sich streng über ihr und Ludwigs Geheimnißzu wachen, damit Niemand es binnen der folgenden zwei Jahre ahne. —
(Fortsetzung folgt.)
««ldk-vner.
Ueber Wetter- und Herren-LaunenRunzle niemals die Augenbraunen;
Und bei den Grillen der hübschen Frauen
Mußt Du immer vergnüglich schauen. Goethe.
Der Schnupfen der Seele, den man wohl viel zu gelinde üble Laune nennt, verbreitet sich überAlles, was der Angesteckte berührt, begleitet ihn zu seinen Geschälten, hinkt neben ihn auf seinen Spa-ziergängen und verlöscht die lauterste Flamme der geheiligte» Freundschaft. Arbeite und bewege DichW werden Seele und Körper sich einander so begegnen, als pichten sie die ehemalige Freundschaswieder zu erneuern, die ein geringes Mißverständlich unterbrochen hat.
Thümmel.
Wird Deine Jugend gemartert und beraubt, so blüht sie Dir im Alter nach, ivie der Rasen-stück, dem im Frühling die Blätter ausgerissen werden, im Winter Rosen trägt. So hoffe, Erdensohn.
Hast Du etwas Gutes gethan, so vergiß es und thue etwas Besseres.
Ein Jeder sucht ein All zu sein,Und Jeder ist im Grunde nichts.
Lavater.
Platen.