Ausgabe 
(21.4.1883) 32
 
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Äugsburger Postzeitung.-

Nr. 32. Samstag, 21. April 1883.

Des Försters Enkelkind.

Original-Novelle von Mary Dobson.

(Fortsetzung.)

Der Landkamir errath schwieg zu dieser Erklärung seines Sohnes, der ihm in einemneuen, nicht geahnten Licht erschien, und blickte immer verwunderter auf die Titel der vonihm begehrten Bücher, welche fast sämmtlich wissenschaftlichen Inhalts, und von demPastor mit großer Sorgfalt ausgewählt wäre», die er aber kaum dem Namen nach kannte»Endlich sagte er nach längerer Pause:

»Ich sehe zwar nicht ein, wozu Dir alle diese Werke dienen sollen, doch finde iches für einen jungen Mann Deines Standes angemessen und richtig, namentlich wenn erauf dem Lande lebt, seine freie Zeit, wie Du vorhast zu benutzen, und will ich dem Hof«buchhändlcr Dein Vcrzeichniß schicke», damit er Dir das Gewünschte durch den Botennach dem Buchenhof sendet. Einmal mit ihm in Verbindung, wird es für die Folgerichtig sein, wenn Du Dich selbst an ihn wendest l Und nun wüßte ich für heutenichts weiter zu erwähnen. Schicke mir Bergmann und Kohring, mit denen ich über dieneue Tannenpflanzung bei den Steinbrüchen reden wollte, und treffe alle erforderlichenVorbereitungen. Wir werden diesen Nachmittag um 3 Uhr fahren; ich möchte nicht zuspät auf dem Buchenhof ankommen, wo ich mancherlei Angelegenheiten zu besorgen habe."

Ludwig von Bodenwald verließ seinen Vater, der ans Fenster trat und ihm nach»blickend sagte:

Es ist mehr aus ihm geworden, als ich gedacht sollte er den Geist und Ver«stand besitzen, den Kohring rühmt? Dann wäre es ja ein doppelter Jammer, daß erhinkt und ein Krüppel ist, was man allerdings vergißt, wenn man ihm in's Angesichtblickt und ihn reden hört! Die Bücher will ich ihm sobald wie möglich schicken, undfreue mich, daß mein Sohn, dessen Dasein mir bisher nur Kummer bereitet, an Bildungwenigstens seinen Standesgenossen nicht nachsteht!"

Als Ludwig, die von seinem Vater begehrten Männer zu ihm geschickt, begab er sichnach dem Försterhause, um, wenn möglich, noch einmal mit Anna zu sprechen und einst-weilen von ihr und ihrer Mutter Abschied zu nehmen.

Die Försterin war in's nächste Dorf zu einer Kranken gegangen, doch konnte siejeden Augenblick wiederkommen, Anna aber war, wie stets am Morgen in der Haus-haltung beschäftigt und ernster als sonst, als sie ihn begrüßte.

Ihre Augen und Züge erheiterten sich auch nicht, als er sagte:

Anna, ich komme, Dir und Deiner Mutter Lebewohl zu sagen"

Ich kann es mir denken", entgegnete sie mit gepreßter Stimme.

Und Dir noch einmal zu wiederholen, daß ich Dich als meine Braut betrachte,wie Du fest darauf bauen kannst, daß ich, sobald ich allein auf dem Buchenhof wohne,Dich von Deinen Eltern als meine Frau begehre!"

Ludwig", erwiderte Anna in ruhigem fast traurigem Ton,Du hast sicherlich