Ausgabe 
(21.4.1883) 32
 
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diesen Morgen schon eine Unterredung mit Deinem Vater gehabt, ist Dir da nicht dieUeberzeugung gekommen, daß er sich unserer Verbindung stets widersetzen wird?"

Sie einen Moment überrascht anblickend, erwiderte er dann in heftigerem Ton:

Anna, soll das heißen, daß ich auf Dein Gelübde nicht mehr zu bauen habe?"

Ludwig", erwiderte sie mit unsicherer Stimme,Du weißt, daß ich Dir Worthalte, denn ich liebe Dich und mein Herz wird Dir immer angehören. Wenn ich aberdenke, daß Du meinetwegen Deiner Familie entsagen mußt, vielleicht auf immer vonihr getrennt sein wirst"

Bin ich nicht seit meiner Kindheit von ihr getrennt gewesen?" antwortete er ihrebenso zornig, wie erbittert.Haben nicht meine Eltern mich fern von sich aufwachsen

und erziehe» lassen, und mich nie ihrer Liebe und Sorge gewürdigt? Hat heute wohl

mein Vater mich aufgefordert, meinen Bruder zu besuchen, für dessen Genesung undGesundheit alles nur Erdenkliche geschehen soll und muß, während wenn ich bisher krankund leidend war, der Arzt nur mit Mühe das für mich Erforderliche erlangen konnte? Ich hätte sterben können, ohne daß meine Familie sich um mich gekümmert, kann nochsterben unb weder Vater noch Mutter werden kommen, um meinem letzten Athemzugezu lauschen, um mit liebender Hand mir die Augen zuzudrücken!"

Ludwig, Du wirst nicht sterben!" rief leidenschaftlich Anna, ihn zugleich mit beidenArmen umschlingend.Du wirst leben, für mich, die ich Dich so innig liebe, für mich,die, wenn ich erst Dein Weib bin, für Dich sorgen und über Dich wachen kann!"

Theure, geliebte Anna!" flüsterte der Junker von Bodenwald, sie zärtlich küssend,

Beruhige Dich, ich werde leben, den» ich will leben und in der stillen Abgeschiedenheitdes Buchenhoses werden wir uns unseres Glückes freuen! Aber verzeihe, wenn ichDich aufgeregt, heute, wo wir ruhig von einander gehen müssen, damit wir nicht unserGeheimniß verrathen. Laß uns, bis Deine Mutter kommt, von anderen Dingen sprechen,ich will Dir die Unterredung mit meinem Vater wiederholen", und er begann ihr zuerzählen, was dieser für ihn bestimmt, ivard aber bald durch den Eintritt der Förstern:unterbrochen.

Diese bemerkte nur noch geringe Spuren der Aufregung in den Zügen der einstigenSpielgenossen und fand diese die Veranlassung von Ludwigs Besuch errathend, erklärlich.Einen heiteren Ton erzwingend, obgleich es auch sie schmerzlich berührte, ihn von derStätte scheiden zu sehen, wo sie ihn seit seiner Kindheit gekannt, sagte sie, nachdem siesich begrüßt:

Nun, Junker Ludwig, gedenkt der Vater noch heute nach dem Buchenhof zufahren?"

»Ja, Frau Förstern,, und ich wollte von Ihnen und Anna Abschied nehmen!"

Sie werden bald genug wieder nach Bodenwald kommen"

Gewiß! Schon in den nächsten Woche» können Sie darauf rechnen, mich hierzu sehen!"

Und wir und Frau Bergmann werden Sie eines Tages überraschen, um uns zuüberzeugen wie Sie sich eingerichtet haben, und zu ei fahren, wie es Ihnen an Ihremneuen Wohnort ergeht und gefällt!"

ES wird und muß mir dort gefallen, da ich der Bestimmung meines Vaters zu-folge mein Leben daselbst verbringen soll", entgegnete mit Nachdruck und einem Anflugvon Bitterkeit der junge Mann.

Darüber läßt sich von Menschen kaum etwas bestimmen", sagte sanft die Försterin,denn für uns Alle liegt die Zukunft in höherer Hand. Der Buchenhof aber wird Ihnen,sobald Sie dies nur selbst wollen, ein lieber Aufenthalt werden"

Ja, das wird er und das soll er!" rief lebhaft der junge Mann.

Als der junge Herr den überraschten Blick der Försterin gewahrte, fügte er schnellhinzu:Bin ich dort erst alleiniger Herr, was bald genug sein kann, so habe ich auchda- Recht, Alles nach meinem Wunsch und Willen einzurichten, und da wäre es meine