Ausgabe 
(21.4.1883) 32
 
Einzelbild herunterladen

Schuld wollte ich von diesem Recht nicht Gebrauch machen! Doch nun, Frau Försterinleben Sie wohl! Ich will von hier zum Herrn Pastor gehen -- und er reichte ihrdie Hand, die sie ergriff und mit bewegter Stimme erwiderte:

Leben sie wohl, Junker Ludwig, und möge Gottes Schutz und Segen mit Ihnensein!"

Ich danke Ihnen für Ihre Wünsche", entgegnete ebenfalls bewegt der junge

Mann, und sich an Anna wendend, gab er auch ihr seine Hand und sagte:

Lebe wohl, Anna"

Lebe wohl, Ludwig", erwiderte sie, ihre Rechte in die seinige legend« Er drückte

diese Hand, die ihm gehörte, fest in der seinen, blickte der Geliebten noch einmal in die

thränengesüllten Augen rief mit kaum vernehmbarer Stimme der Försterin nochmalsLebewohl zu, verließ hastig das Zimmer und eilte, so schnell er vermochte dem Prediger-hause zu.

V.

Wie bereits erwähnt, lag der Buchenhof anderthalb Meilen von Bodenwald ent-fernt, und war gleich diesem von Bergen umgeben, die links und rechts zurücktraten, unddadurch die Ausdehnung des Gutes gestatteten. Das Herrenhaus mit dem Garten» denWirthschastsgebäuden und Tagelöhnerwohnungen, war nach der nahegelegenen Landstraßezu, von einem kleinen Theil des ansehnlichen Buchenwaldes umgeben, der sich jenseitsderselben erstreckte und für den Besitzer einen bedeutenden Werth repräsentirte.

Durch diese Waldstrecke führte ein breiter, wohlerhaltener Weg zum Gutshof, andessen äußerstem Ende sich das Wohnhaus befand, zu beide» Seiten von den übrigenBaulichkeiten begrenzt. Ersteres war ein größeres, zweckmäßiges Gebäude, das jedochkeinen Vergleich mit Schloß Bodenwald aushielt, und seit langen Jahren verschiedenenInspektoren und deren Familien zum Aufenthalt gedient hatte. Jetzt aber wurdenmancherlei Veränderungen in demselben vorgenommen, Handwerker und Arbeiter allerArt waren darin thätig denn Ludwig von Bodenwald, nachdem er ein Jahr und mehrereMonate als Unterinspektor gewirkt, hatte die selbständige Verwaltung des Gutes über»nommen. Der Verwalter Baumgart hatte sich in der nahegelegenen Provinz angekauft,und war bereits mit seiner Familie dorthin übergesiedelt.

Der junge Herr vom Buchenhof, wie allgemein der jüngste Sohn des Landkammer-raths genannt ward, war während des Aufenthalts daselbst größer an Gestalt und diesekräftiger geworden, was ihm ei.i männliches Aussehen verlieh. Seine Gesundheit schiensich befestigt zu haben, wenngleich seine schwache Brust sich bei jeder Anstrengung geltendmachte.

Er freute sich der neuen Thätigkeit, und mehr noch der Selbständigkeit, und warüberzeugt, das Gut mit dem schon angelangten Inspektor zur Zufriedenheit seines Vaterszu verwalten. Laut Uebereinkunst hatt« er diesem von Allen, was daselbst geschah,Rechenschaft abzulegen, und »rußte er dies schriftlich thun, da vor kurzer Zeit zuAnfang Oktober der Landkammerrath mit seiner Gattin und seinem Sohn Hugo zulängerem Aufenthalt nach Italien abgereist war, was auf den dringenden Wunsch derAerzte geschehen, und die Gesundheit der Genannten erforderlich gemacht.

Denn was anfänglich Niemand geglaubt, und glauben wollte, der sonst so rüstige,kräftige und noch immer stattliche Landkammerrath, hatte Krankheitshalber seine vor-läufige Entlassung aus dem Staatsdienst genommen, und der Fürst, wenn auch nur sehrungern, sie ihm bewilligen müssen.

Die Krankheit aber schrieb sich von einer heftigen Erkältung her, die er sich ausJagd zugezogen, jedoch so wenig berücksichtigt hatt:, daß sie ein schweres rheumatischesFieber zur Folge gehabt, von welchem er nach Monate» genesen, das aber empfindlicheGliederschmerzen, und besonders eine ihn ängstigende Augenschwäche hinterlasse». BeiderLeiden wegen hatte er schon, jedoch vergeblich, mehrere Kuren gebraucht und waren die