Ausgabe 
(25.4.1883) 33
 
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Nr. 33.

1883.

zur

Äugslmrger Pojheitimg."

Mittwoch, 25. April

Des Försters Enkelkind.

Original-Novelle von Mary Dobson.

(Fortsetzung.)

Ludwig von Bodenmald hatte seinem Vater den ersten gewissenhaft abgefaßtenBericht geschickt, und erhielt nach einiger Zeit von ihm eine Antwort, die erste Nachrichtaus Neapel , welche also lautete:

Mein lieber Sohn!

Wir sind glücklich angelangt, wie Du wohl denken kannst, denn das Gegentheilhättest Du durch die Zeitungen erfahren, die ja nur zu gern nach Neuigkeit spüren undauch meinen Namen, verbunden mit irgend einem Neiseunfall bereitwillig in ihre Spaltenaufgenommen hätten. Da ich kein Freund von Schreibereien bin, und nur die Geschäfts-brief« besorge, die übrigen aber Deiner Mutter überlasse, so will ich Dir nur mittheilen,daß wir noch im Hotel sind und so lange bleiben werden, bis wir eine anständig ein-gerichtete Villa gefunden.

In Deiner Mutter und meinem Befinden ist noch keinerlei Aenderung eingetreten;Deinem Bruder ist von einem Spezialarzt die größte Vorsicht anempfohlen, doch hat eruns die Versicherung gegeben, daß keinerlei Gefahr für ihn vorhanden sei, eine Erklärung,die mir große Beruhigung gewährte. Daß unser Hotel den Blick auf den immer ge-rühmten Golf von Neapel hat, brauche ich Dir wohl nicht zu sagen, und denke ich auch,daß wir uns nach und nach an diesen Aufenthalt gewöhnen werden, zumal wir hierwenigstens zwei Jahre bleiben sollen.

Deinen Bericht habe ich geprüft und finde, daß Du für die Erneuerung des Hauseszu viel Geld ausgegeben, wenn Du es auch von Deinen Ersparnissen bezahlt hast. Dasist für Dich vollständig überflüssig und rathe ich Dir, sparsam zu sein, und an die einenden Landwirth stets schwer treffenden unfruchtbaren Jahre zu denken, die auch Dir nichtausbleiben werden. In einem solchen Falle bin ich außer Stande Dir zu helfen,da wir hier bedeutende Summen gebrauchen, und besonders der Gesundheit DeinesBruders wegen nichts gespart werden darf.

Der Brief ist, wie ich sehe, länger geworden, als ich gedacht, obgleich ich Dir ge-sagt, daß ich nur ungern schreibe. Deine Mutter und Dein Bruder wiffen nichts davon,sie haben eine Spazierfahrt unternommen, an der ich meiner Gichtschmerzen wegen michnicht betheiligen konnte. An Bergmann schreibe ich, da ich zu Hause bleiben muß, eben-falls; es hat mich sehr gefreut, daß der letzte Holzverkauf so günstig ausgefallen ist.Schicke mir Deinen nächsten Brief erst im nächsten Jahr» bis dahin wird sich auf demBuchenhof kaum etwas von Wichtigkeit ereignen. Es grüßt Dich Dein Vater

Friedrich v. Bodenwald.

Diesen Brief überlas der junge Mann mehrere Male, seine Züge nahmen dabeieinen traurigen Ausdruck an, und halblaut sagte er:

«Keine Frage nach meinem Befinden und Ergehen, keine Bemerkung über meine