Ausgabe 
(25.4.1883) 33
 
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Gesundheit mein Vater denkt nur an seinen ältesten Sohn, dessen Leben ihm ein sokostbares ist, daß kein Geld dafür gespart werden darf! Ich bin ihm nichts, wie dasimmer gewesen, und seiner Meinung nach hätte ich nicht einmal dies Haus nach meinemGutdünken, und noch dazu mit den Mitteln errichten sollen, die ich lange dazu gesammelt l

Ich sparen für die Zeit der Noth, in der mein Vater mir nicht beistehen willund kann, weil meines Bruders Gesundheit so große Ausgaben erfordert! Nie, niewerde ich ihn, und Karl gleichgestellt werden, nie wird mein Vater an eine Freude, anein Lebensglück für mich denken, und gewiß wird meine Mutter der Ansicht sein, daß ichunter Arbeit und Mühe als Einsiedler meine Tags auf dem Buchenhof verleben soll!"

Da aber haben sie sich verrechnet", fügte er heftig hinzu,denn, wenn ich hierbleibe, so ist es nur mit Anna, als meiner Frau, und wollen meine Eltern unsere Ver-bindung nicht zugeben, so erlebe» sie, daß ihr Sohn, ein Bodenwald, sich einen Platzals Verwalter sucht, und Niemand wird anstehen, mir einen solchen zu übertragen!

Ich mochte aber wissen", fuhr der junge Mann fort,was mein Vater Bergmanngeschrieben, und will noch heute nach Bodenwald fahren. Auch will ich zu Kohringsgehe», denn, da Anna während dös Winters bei ihren Verwandten in der Stadt bleibensoll, werde ich sie vorher kaum noch oft sehen!"

Frühzeitig am Nachmittag führte er diesen Plan aus, verließ am Förstsrhause seinenWagen, und schickte ihn mit der Meldung, daß er folgen werde, nach dem Gutshos. Erfand Anna allein, und als sie grüßend ihm in der Hausflur entgegentrat, sagten ihmihre geratheten Augen, daß sie geweint hatte. Ihr in das Zimmer folgend wo sie vor-her mit einer Handarbeit beschäftigt gewesen, sagte er schnell und besorgt:

Anna, Du hast geweint! Sage mir Alles, was geschehen ist, denn hast Du mirnicht das Recht gegeben, Deinen Kummer und Schmerz als den meinigen anzusehen?"

Ja, Ludwig, das habe ich, und werde es Dir nie wieder aus freien Stückennehmen", erwiderte des Försters Tochter, die seit der Zeit, wo ihrer zuerst Erwähnunggeschehen, sich zu einer blühenden Jungfrau entfaltet, deren Haltung und Züge man denenergischen Charakter ihres Vaters ansah.Es hat sich hier in diesen Tagen etwasereignet, an dessen Möglichkeit ich nicht gedacht"

Was ist es, Anna? sprich schnell!" und des jungen Mannes Stimme klang sobefehlend, wie die ihres Vaters.

Der Bentzer von Königssee hat bei meinen Eltern um meine Hand angehalten"

Negensburg? Der könnte dem Alter nach Dein Vater sein, und denkt daran,Dich zu heirathen?" fuhr der junge Gutsherr auf.

Ich bitte Dich, Ludwig, höre mich ruhg an"

Anna, wenn ich denke, Du könntest ihn mir vorziehen, weil vielleicht Deine Elternes wünschten, denen die Partie annehmbar erscheinen könnte"

Sei unbesorgt, Ludwig", entgegnete das junge Mädchen, ihm in die erregtenZüge blickend,ich habe meinen Eltern erklärt, nur einen Mann heirathen zu wollen,den ich liebe, und da Herr Negensburg mir gänzlich gleichgültig sei, könne ich mich nichtentschließen, ihm anzugehören!"

Dank, Anna, Dank, daß Du mir Dein gegebenes Versprechen hülst", erwiderteder junge Gutsherr sie an seine Brust schließend. Nach einigen Sekunden fügte er hinzu:Und was haben Deine Eltern erwidert?"

Meine Eltern, die in gegenseitiger Liebe so glücklich sind, werden mich nie zu einerVerbindung überreden, die meiner Meinung widerspricht. Sie haben dies auch HerrnNegensburg gesagt, und ihn gebeten, jeden Gedanken an meinen Besitz aufzugeben."

Aber Geliebte", konnte Ludwig sich nicht enthalten zu sagen,wenn die Sache aufeine so glückliche Weise beseitigt ist, wie konnte sie da noch Deine Thränen veranlassen?"

Sie ist der Grund", entgegnete Anna mit unverkennbarer Bewegung,daß ichschon nächste Woche zu meiner Tante gehe, und da ich Dich so lange nicht gesehen, und