Ausgabe 
(25.4.1883) 33
 
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Lage, welche Signor Rosa der horazischeu Villa gibt. Daß die Farm an den Bach grenzte,beweist die Epistel des Horaz an seinen Verwalter, lud. I, op. 14:

Opus pigeo rivus, 8i esoillit imber,

Llulta molo ckoeonüno aprioo paroore prato."

Was die Quelle Lanäugiu betrifft, so habe ich sie nicht als seinen Gegenstandangesehen, um die Lage der Farm festzustellen, da man doch streitet, ob sie bei derselbenoder in Venusia, dein Heimathsorte des Dichters war. Diesbezüglich möchte ich übrigenseinfach fragen, warum Horaz in so herrlichen Worten eine Quelle in Venusia besingensollte, welchen Ort er höchst wahrscheinlich, seit er nach Nom gekommen, nie mehr besuchthatte? Setzt nicht seine Beschreibung und das gelobte Opfer eines Ziegenböckleins, dasihr Wasser röthen sollte, eine tägliche Bekanntschaft mit dieser Quelle voraus und eineAnhänglichkeit, wie sie ein Dichter für eine klare Quelle in der Nähe seines Lieb«lingsspaziergangesempfinden mußte?" Und warum sollte die Quelle Bandusia nichtdieselbe sein wie »k'ons ötinm rivo änrs uoinen iäoncni^", die offenbar ein Wässerchensein mußte, das durch sein Besitzthum floß und sich in die Digentia ergoß und ihr sovielWasser zuführte, daß man dem Bache füglich ihren Namen hätte geben können? Aufdem Boden, den man mit aller Wahrscheinlichkeit als die Lage der Farm ansehen kann,zeigte uns der Eigenthümer im Weinberge etwas über dem Wegs die Reste eines Ge-bäudes, woselbst er etwas Erde mit einer Schaufel wegnahm, wonach ein Mosaikbodenzum Vorschein kam. Darauf lege ich zwar nicht viel Gewicht, denn Horazens Villa wareine bescheidene, so daß man nicht erwarten kann, daß von ihr, sowie von den Hüttender Arbeiter viel hat übrig bleiben können; auch möchte ich die Lage der Villa selbernicht genau sixiren. Allein die Lage des Gütchens ist deutlich abgegrenzt und paßt injeder Weise zu Horazens Gemälde, dem geschützten Winkel, dem Flüßche» Digentia vorseiner Thüre, in dessen kühlen Wellen er sich erfrischen konnte; der Morgensonne, diedie Hügel zur Rechten vergoldete und der Abendsonne, die deren rechte Seite erwärmte.An einem solchen Abende, wie wir einen genossen, ist es nicht schwer, sich den Horazvorzustellen, wie er außer seinem Thore an den Ufern des Baches herumschlendert undnach seinen Freunden in der Abendsonne späht, die auf der Straße von Tibur daher-kommen und von ihm eingeladen sind, dienootös ooLuno^ Osuiu" zu genießen.

G o l d r s r n s r.

Größe, wen» sie mit dem Glück zerfällt,

Zerfällt mit Mensche» auch. Shakespeare .

Wer dem Publikum dient, ist ein armes Thier;

Er quält sich ab, Niemand dankt ihm dafür. Goethe.

Freundschaft ist die Blüthe eines Augenblickes nnd die Frucht der Zeit.

Es ist nicht genug, Herr über viele Leidenschaften geworden zu sein! nein, Alle muß mau siebesiegt haben; eine einzige, die zurück bleibt verunreinigt die Seele des Weisen, wie ein einziger TropfenBlut den Becher voll kristallhellen Wassers. Kohebne.

Gegen srechcu LugDen listigen Betrug,

Den stolzen UebermnthUnd die Pertolgnngswnth

Wird Geduld

Zur Mitschuld. Jak. V-nedey.

Reichthum macht das Herz schneller hart als kochendes Wasser ein Ei. Borne.

Mit dem Rechte soll der Mensch nicht dingen:

Es gibt nur einen hellen Punkt des Rechts,

Und ringsum liegt die Finsterniß der Sünde.

R a u p a ch.