Ausgabe 
(25.4.1883) 33
 
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Ehemaliger Kleiderluxus.

* Man schmäht so sehr über den Aufwand der mordernen Moden, und doch war diesehemals weit ärger! Namentlich scheint das 16. Jahrhundert Hervorragendes an Luxusgeleistet zu haben, wie die folgenden Beispiele beweisen mögen. Die Königin Elisabethvon Spanien, eine Tochter der berüchtigten Katharina von Medicis , und Gemahlin KönigPhilipp II.» trug nie ein Kleid zweimal ihr Schneider brachte ihr täglich ein neues,im Preise von 9001200 M., und wurde dabei in etlichen Jahren zum reichen Mann. Auch die Königin Elisabeth von England, ebenfalls zur Gattin Philipp II. aus-ersehen, besaß eine außerordentliche Vorliebe für Luxus in der Kleidung, und pflegte sichdeshalb stets in die kostbarsten Anzüge, nach den Moden aller Länder von Europa an-gefertigt, zu kleiden, oft verziert mit Gold und Edelsteinen von unschätzbarem Werthe.Sie besaß 3000 verschiedene Gewänder, darunter z. B. Eines von weißer Seide, ganzund gar mit Perlen in der Größe von Lohnen besetzt. Auch ihre Juwelenbüchse warmit allen erdenklichen Schmuckgegenständen versehen, außerdem aber mit vielerlei Kopf-putz, als Haarnetzen mit goldenen Knöpfen und mit Perlen u. s. w., und mit vielenPerrücken. Dieser Luxus, der von der Königin ausging, theilte sich dem ganzen Hofemit. Der berühmte Hofmann und Weltumsegler, Sir Walter Raleigh , warf einmal seinenPrachtvollen Plüschmantel in den Schmutz, nur um der Königin einen etwas bequemerenWeg dadurch zu verschaffen. Er wurde portraitirt in einem Wams von weißem Atlas,besäet mit echten Perlen, und noch im Tower, während seiner späteren 19jährigen Ge-fangenschaft, ging er in Sammet und kostbarem Stoffe gekleidet. Und er war nicht dereinzige Mann seiner Zeit, welchersein Gut am Leibe trug", wie es in einer Predigtvon damals, welche sehr gegen jenen Mode-Luxus eifert, heißt! Ebenfalls ein Zeitgenosse:6k okkroi äv In Volvo , der 1573 wogen einer Schrift, die er verfaßt, gehangen und dannverbrannt wurde, besaß nicht weniger als für jeden Tag im Jahr ein anderes Hemd,und zwar schickte er alle diese Hemden stets extra nach einer Stadt in Flandern zurWäsche!

Dagegen kommt der Kleiderluxus von heute wohl doch kaum auf! L. R.

Mtseellen.

Ein Leser derKöln . Volksztg." theilt derselben folgendes Histörchen aus einem vonAmerika an ihn gesandten Briefe mit:Der Grocerist (Krämer) John Dohlen in New-Uork , wurde jüngst von einem jungen Manne ersucht, eine 10-Dollar-Note zu wechseln.Dohlen leistete dem Wunsche Folge und zog dabei eine Rolle Banknoten aus der innernTasche seiner Weste. Der junge Mann dankte für die Gefälligkeit und empfahl sich.Etwa zehn Minuten später kamen zwei wohlgekleidete junge Leute in den Laden.Wirhaben eine sonderbare Wette gemacht," hob einer derselben an,mein Freund behauptet,daß sein Hut eine größere Qantität Molasses halten könne, als meiner. Füllen Siemeinen Hut mit Molasses und messen.es ab; ich bezahle dafür!" Dohlen, der alleinim Laden war, lachte, ging nach der Syruppfanne und füllte den Hut bis zum Rande.Der Fremde nahm denCylinder, der, nebenbei gesagt, sehr weit war, und stülpte ihndem Erocer (Krämer) auf den Kopf. Der Hut sank dem Manne bis auf die Ohrenwährend der Syrup ihm über die Augen lief. Im nächsten Moment hatten die Kerledein Manne 274 Dollars in Papiergeld gestohlen, und ehe er den Hut vom Kopfe ziehenkonnte, waren sie verschwunden." Ein süßer Hut!

(Auf der Leipziger Promenade.)Bitte, bleiben Se bedeckt. HerrAdvegate, Ihre Freindlichkeet kost't mich doch ooch Widder änne Mark uff d'r neienRechnung!"

(Immer ächt.) Pfarrer zu einem Tproler:Ist es dein freier ungezwungenerWillen, in das Sakrament der Ehe einzugehen, so sage ja." Tproler:Sei wohl."

Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg . Druck und Verlag desLiterarischen Instituts von Dr. Max Huttlcr.