Nr. 34.
1883.
zur
„Äugst!urger PostMuug."
Samstag. 28. April
Des Jörsters Enkelkind.
Original-Novelle von Mary Dobson.(Fortsetzung.)
VI.
Ein harter Winter, namentlich fühlbar in den Berggegenden» die durch den tief-liegenden Schnee längere Zeit von allein äußeren Verkehr fast abgeschnitten gewesen, warvergangen. Dem Ende Februar eingetretenen Thauwetter war die Märzsonne zu Hülfegekommen, und diese, sowie ein scharfer Nordostwind hatte nach und nach die Land-straßen mit ihren Nebenwegen wieder brauchbar gemacht. Dies war auch in der näherenund weiteren Umgebung von Schloß Bodenwald und dem Buchenhof der Fall gewesen,wo es oft tagclanger Arbeit bedurfte, um die haushohen Schneemassen zu durchbrechen,die ihnen der Sturm zugeführt.
Ungeachtet des Winters, des Schnees und der Kälte aber war die Zeit unter ge-wohnter Arbeit, die keinen Aufschub litt, vergangen. In Bodenwald hatte die Ver-walter« und die Försterfamilie sich des besten Wohlseins zu erfreuen gehabt, doch wardies leider mit dem jungen Gutsherrn des Buchenhofes nicht der Fall gewesen, den eineheftige Erkältung gezwungen, während dreier Monate das Haus zu hüten. Bergmann -und Kohring waren, soweit eS das Wetter und die Wege gestatteten, fast täglich u ihmhinübergefahren oder geritten, um ihm in der Leitung der Gutsangelegenheiten beizustehen;deren Gattinnen halten ihn ebenfalls besucht, und Frau Bergmann war sogar, als seinHusten einen schlimmeren Charakter angenommen, mehrere Wochen bei ihm auf demBuchenhof geblieben, um ihn, wie in seinen Kinderjahren zu pflegen, und ihm in demgroßen, stillen Hause Gesellschaft zu leisten.
Während dieser Zeit hatte sie bemerkt, daß neben seinem körperlichen Leiden, er infortwährender Gemüthsverstunmung und Aufregung war, die außer den traurigen Familien-verhältnissen noch einen anderen Grund haben konnten, denn sie, wie ihr Gatte hattenihres ehemaligen Schützlings Neigung zu seiner sonstigen Spielgefährtin längst durch-schaut und wußten auch nur zu gut, warum deren Eltern ihr einziges Kind von sichgegeben. —
WaS nun Anna Kohring anbetraf, so war Ludwig von Bodenwald ihretwegengänzlich beruhigt, da ihr Vater und auch Bergmann, welche sie gelegentlich besucht, stetsdie günstigsten Nachrichten von ihr mitgebracht. Sie selbst aber war seinetwegen stets ingroßer Sorge; man hatte ihr seine Kränklichkeit während des Winters nicht verheimlichenkönnen, und wenngleich sie erfahren, daß er genesen war und das Haus wieder verlassendurfte, so verschwand damit ihre Angst um ihn nicht, und sie sehnte den Augenblick herbei,wo sie nach Bodenwald zurückkehren und auch ihn wiedersehen würde.
Von dem Landkammerrath waren zu Zeiten Briefe an seinen Sohn, wie an Berg-mann angelangt. Die des Letzteren handelten meistens nur von Geschäfts-Angelegen-