Ausgabe 
(28.4.1883) 34
 
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Anna, ich muß Dich einige Augenblicke ungestört sprechen"

Es wird uns hier Niemand belauschen noch unterbrechen, Ludwig. Was aberhast Du mir zu sage»"

Ich will Dich fragen, ob ich mich auf Dein mir gegebenes Versprechen verlassenkann-"

Ludwig!" antwortete vorwurfsvoll seine Braut.

Verzeihe, Anna, vergib! Allein wir haben uns seit Deiner Rückkehr noch nichtgesprochen Du könntest während Deines Aufenthalts in der Stadt"

Still, still, Ludwig", unterbrach Anna ihn schnell,und rege mich und Dich nichtunnöthig auf! Nimm aber die Versicherung, daß seit vergangenem Herbst ich michals Deine verlobte Braut betrachtet habe-" *

Dank, Anna, Dank", sprach Ludwig von Bodenwald mit unterdrückter Stimme.Sobald Deine Mutter hergestellt ist, werde ich bei Deinen Eltern um Deine Hand an-halten, und die Einwilligung der meinigen zu unserer Verbindung schon zu erlangenwissen!"

Hoffst Du nicht zu viel, Ludwig?" nach den Heirathen, die Deine Brüdergeschloffen-"

Wir werden sehen, was sie sagen, ich bin auf Alles vorbereitet, und ist's nichtauf dem Buchenhof, Anna, so werde ich für unser stilles Glück schon eine andere Stättefinden!"

Nach diesen Worten erhob er sich schnell und fügte lebhaft hinzu:

Anna, ich will zu Deinem Vater und dann zu Bergmann's gehen, da ich heutenicht zu spät fahren möchte. Sage Deiner Mutter meine besten Wünsche zu ihrer baldigenGenesung, und möchtest Du vor jeder Krankheit bewahrt bleiben!"

Sie nahm in wenigen Worten Abschied, und während Ludwig von Bodenwald derBaumschule zuschritt, begab Anna sich zu ihrer Mutter zurück.

Vll.

Und glauben Sie wirklich, Junker Ludwig, daß Ihre Eltern zu solchen Plänen,die Sie und meine Tochter so lange verfolgt, ihre Zustimmung geben werden?" fragteder Förster den jungen Gutsherrn vom Buchenhof, als einen Monat später, denn dieGenesung der Försterin war nicht so schnell, wie man g-'glaubt, erfolgt, sie durch denSchloßgarten gingen. Letzterer hatte Anna's Eltern seine Werbung um ihre Tochtervorgetragen, und diese schritt in einiger Entfernung von ihnen mit ihrer Mutter durchdie stillen Wege und Alleen, die jetzt selten ei» Menschenfuß betrat, und wies voll freudigerZuversicht, auf ihren Verlobten, als Frau Kohring ihr jede Hoffnung auf eine solcheVerbindung zu nehmen suchte.

Geben Sie und Ihre Frau unS nur erst Ihre Einwilligung, Kohring, so will ichnoch heute den Versuch machen, sie zu erlangen", entgegnete mit erhobenem Haupt undleuchtenden Augen der junge Mann, froh, endlich sein und seiner Braut Geheimniß derenEltern anvertraut zu haben, ohne dabei auf eigentlichen Widerstand gestoßen zu sein.

Und wenn sie sie verweigern-" .

Darauf bin ich vorbereitet, doch lasse ich mich dadurch nicht abschrecken, sondernwerde meine Sache bis auf's Aeußerste verfolgen!"

Ihr Vater wird mit Enterbung drohen"

Das kann er nicht, Kohring, und Sie wissen so gut wie ich, daß er die altenFamiliengesetze einhalten muß» Er kann mir höchstens den Aufenthalt auf dem Buchen-hof verweigern"

Das wird er kaum thun, denn er ist mit Ihrer Verwaltung sehr zufrieden"

Und geschieht es dennoch, so nehme ich, sein kränklicher, hinkender Sohn, eineVerwalterstelle an, und daß ich das thue, dafür bürgt ihm die Thatsache , daß von seinenSöhnen ich vielleicht der einzige echte Bodenwald bin!"

Förster Kohring wußte nur zu gut, daß dies auch der Landkammerrath dachte, und