Ausgabe 
(28.4.1883) 34
 
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einsehend, daß alle seine Einwände vergeblich sein würben, beschloß er, sie noch einmalbei seiner Tochter zu versuchen. Er stand mit seinem Begleiter still, ergriff, als sie heran-kam, ihren Arm, führte sie davon und überließ es diesem, sich seiner Gattin anzuschließen.

Anna", begann er, als sie außer Hörweite waren,ist es Dein fester Entschluß,Ludwig als Frau anzugehören?"

Ich kann nicht anders, Vater", entgegnete sie kaum hörbar, ohne ihn würde meinLeben freudlos und traurig sein"

Es kann aber auch freudlos und traurig in seinem Besitz werden! Denke anseine Familie"

Die wird uns immer fern bleiben!"Hat sie doch Ludwig seit seiner Kindheitverstoßen und ihn auch jetzt an keinem Familienfeste theilnehmen lassen. Seine Brüderhaben es nicht einmal der Mühe werth gehalten, ihm ihre Verlobung anzuzeigen!"

^ Diese Thatsache ließ allerdings keinen Widerspruch zu, dennoch sagte der Förster!

Denke an seine schwächliche Gesundheit seinen gebrechlichen Körper"

Ich werde ihn wie einen Augapfel hüten, und in meiner stete» Sorge und Pflegewird er sich immer mehr kräftigen."

Und wenn er Deinetwegen den Buchenhof, wo er sich so heimisch fühlt, verlassenmuß?"

Dann, Vater, dann muß meine Liebe ihm einen andern Aufenthalt theuer machen",entgegnete Anna, durch Thränen zu ihm aufblickend.

Ihr Vater schloß sie gerührt an seine Brust und sagte mit bewegter Stimme:

Möge alles zum Guten enden, mein einziges, theueres Kind! Ich will nurDein Glück, und würde es mit jedem Opfer erkaufen!"

Anna schmiegte sich fest an ihren Vater, sie gingen noch eine Strecke weiter, dannstand abermals Förster Kohring still, bis seine Gattin mit ihrem Begleiter herangekommen,er legte ihre Hand in seinen Arm und führte sie schweigend davon, während Ludwigund Anna ihnen ebenso schweigend folgten. Nach einer Weile sagte er in ernstem, fastbekümmerten Ton:

Es ist also gekommen, wie wir gefürchtet, Frau, und meine Vorstellungen vermögenüber Beide nichts"

Auch ich habe das Meinige gethan", erwiderte Frau Kohring,um sie zu über-reden, diese Verbindung aufzugeben, die der Landkammerratb nie gestatten wird, alleinBeide wollen nicht daran denken und sehen darin allein ihr Glück."

(Fortsetzung folgt.)

G-ldkSrner.

Denn so geschieht^,

Daß, was wir haben, wir nach Werth nicht achten»

So lange wir's genießen; ist's verloren,

Dann überschätzen wir ven Preis; ja dannErkennen wir den Werth, den uns Besitz

Mißachten ließ. Shakespeare .

Tadeln ist leicht, erschaffen so schwer; ihr Tadler des Schwachen,

Habt ihr das Treffliche denn auch zu belohnen das Herz? Goethe.

Ach, die Liebe beweget das Leben,

Daß sich die graulichen Farben erheben.

Reizend betrügt sie die glücklichen Jahre,

Die gefällige Tochter des Schaums;

In das Gemeine und Traurigmahre

Webt sie die Bilder des goldenen Träumst Schiller .

Der Mensch nimmt viel leichter als man glaubt das Widersprechen und Zurechtweisen auf, nurkern Hemgcs verträgt er, und wäre es em gegründetes. Die Herzen sind Blumen: deni leise fallendenThau bleiben sie offen, aber vor dem Platzregen verschließen sie sich. tzean Paul.