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^ Schützenkönig. Mit Blumen bekränzt und mit einer silbernen Kette mit Wappenschilderngeschmückt, ward er in festlichem Zuge nach seiner Wohnung geleitet, und neben manchenVorrechten ward ihm auch bei festlichen Gelegenheiten der Schmuck jener Halskette undder Ehrenplatz neben den Herren des Rathes gestattet.
Es wird wohl nicht uninteressant sein, den Bericht eines alten Schriftstellers, LukaSDavio, darüber zu vernehmen, der sich wie folgt ausspricht: „Nachdem er (MeisterWinrich) wohl erfahren, daß mit Armbrustschießen — weil zu der Zeit die Handröhrenicht in Brauch — zu erwehren und abzuhalten die Feinde von den Mauern der Städte/ sehr nutz- und fürtrefflichen", ließ er vor allen Städten einen Schießbaum setzen undeinen Vogel von Holz gemacht, ungefähr in der Größe einer Henne» die ihre Flügel aus-breitet, aufstecken. Dabei verordnete er Geschenke, die denen gegeben wurden, „so dieFlügel oder sonst ein merklich Stück am Kopf oder Schwanz abgeschossen. Der aber denVogel ganz oder vollbereit zerstucket, das letzte Stuck «beschoß, der sollte das ganz Jahrüber der Schützenkönig sein und geheißen werden, denn dann ein sonderlich und besserGeschenk, denn den andern, nämlich ein gut stark Armbrust verordnet und gegeben ward.Auch ward diesem ein silberner, überguldeter Vogel mit einer silberne» Ketten, der ander vorigen Könige Wapfen hing, um den Hals bis an die Brust schwebende gehenkt.(Daher hieß der Schützenkönig auch „Wappenkönig.") Dazu hatte er auch die Ehre vorandern, daß er an Feiertagen allewege zunähest dem Rath und Gerichtspersonen, denVogel am Halse tragend, vor jedem anderen gemeinen Mann in der Prozession oderUmbgang fürherging. Ueber das hatte er in etlichen Städten in seinem Jahr der Herr-lichkeit oder Freiheit, daß, wenn er in den gemeinen Garten oder sonst wohin in dieZeche ging, da einer oder mehr der Schützen-Brüderschaft vorhanden, mußten der oderdie, so gegenwärtig waren, in der Zeche ihren König freihalten. Dadurch brachte erden gemeinen Mann dahin, daß unter ihnen viel guter Schützen, die Stadt in Nöthenzu erwehren, erfunden wurden. Und obwohl die Armbrust fast nicht mehr in Brauch,sondern an ihre Statt die Büchsen, Haken und Handröhre aufkommen, dennoch der Vogel-schoß mit Armbrust jährlich wird gehalten. Und damit sich die Bürger desto fleißiger imSchießen üben möchten, gab er Rath, daß sie in den Zwingern ihrer Städte Schieß«gärten und Wände von Lehm zurichteten, dahin die Bürger sich zu erlustigen begebenmöchten, und umb Kleinode, die von zusammengelegtem Gelde durch die Schützen erkauftoder von der Herrschaft aufgesetzt waren — danebst dann sonderliche Wetten einliefen —schießen sollten; alles dazu dienende — wie auch itzo mit Feuerbüchsen Haken und Hand-röhren beschicht, — daß die junge Mannschaft desto geübter werde und im Fall derNoth sich und die Stadt wider tue Feinde schützen könne."
Der gemeinschaftliche Versammlungsort der Bürger wurde die Schießbude, auch derHof genannt. Uebriaens mußte jedes Mitglied eine eigene Armbrust und bei jedemSchießen den vorgeschriebenen Anzug — die Gartsn-Kögel — haben und durfte diesen^ auch vor Ablauf eines Jahres von keinem Nichtmitgliede tragen lasten.
A. Löhn - Siegel.
Mise-ll-n.
(In Auerbach's Keller) in Leipzig finden sich folgende humoristische Verse:
Wenn auch kein Rheinwein,
Wenn der Wein nur rein;
Wenn auch kein Mainwein,
Wenn der Wein nur mein;
Wenn auch kein Steinwein,
Wenn nur kein Weinstein;
So saß ich ',nal am Rheinfall,
Da kam mir der Einfall,
Wäre der Rheinfall ein Weinfall,
Das wäre mein Fall.