„Schwöre richt, Ludwig«, unterbrach sie ihn, sich innig an ihn schmiegend, „dennich glaube Deinem Wort und Deiner Versicherung! — So viel aber ist gewiß, ich würdedie Trennung von Dir nicht ertragen, ich glaube selbst um unseres theuren Kindes willenvermöchte ich es nicht, und bald würde dies Herz brechen, das nur Dich so unaussprech»lich geliebt!«
Ihres Gatten Liebeswort, wie die ernsten Vorstellungen ihrer Eltern und Berg«mann's schienen sie nach und nach zu beruhigen und zu überzeugen, daß sie sich und si«alle mit Befürchtungen quäle, wozu nie ein Grund vorhanden sein könne und würde.Dankbar für die Bemühungen, ihr die Sorge ihres Herzens zu nehmen, versuchte sie zulächeln, allein es gelang ihr nicht, sie brach nochmals in Thränen aus und verließ eiligstdas Zimmer. Bestürzt blickten die Ihrigen und Bergmann's ihr nach und ihr Gattewollte ihr folgen, doch hielt der Förster ihn zurück und sagte:
„Laß mich gehen, Ludwig, und versuchen, ihr die krankhaften Vorstellungen aus-zureden, die sich nicht in ihrem Kopf und Herzen festsetzen dürfen", und das Zimmerebenfalls verlassend, folgte er seiner Tochter.
Er fand sie in ihrem Schlafzimmer, wo sie weinend am Fenster stand. IhrenVater erblickend, warf sie sich an seine Brust, umklammerte ihn mit beiden Armen undschluchzt«:
„Vater, ich kann mich nicht so schnell von diesen schrecklichen Gedanken losmachen,von denen ich nicht weiß, wie sie über mich gekommen sind!«
„Sie sind aber eben so ungerechtfertigt wie sündlich, mein Kind, und Du kränkstDeinen guten Mann tief damit«, antwortete Kohring mit ernstem Nachdruck. „Du bistmit der Bewilligung des Landkammerraths Ludwig von Bodenwald's Frau, wirst alssolche genannt und anerkannt. Euer Kind führt seinen Namen, glaubst Du, daß solcheBande sich so schnell und leicht lösen lassen, und dies dem Landkammerrath ohne Grundund Eure gegenseitige Zustimmung möglich wäre? — Nein, Kind, die bestehenden Gesetzegelten, und müssen ohne Ausrahme der Person, von Jedermann gehalten werden, waSwürde wohl sonst aus der staatlichen Einrichtung, die doch die Grundlage der Ordnungund Ruhe des Landes ist?«
Anna antwortete nicht sogleich, dann aber sagte sie mit unsicherer Stimme:
„Du magst Recht haben, Vater, wie ihr Alle gewiß Recht habt, aber auch ich täuschemich so ganz nicht, was Euch der Brief beweisen kann. Versprich mir daher, jetzt wowir hier allein sind, und uns nur Gott hört, daß, wenn je meine Befürchtungen demganzen Umfange nach eintreffen sollten-«
„Anna!"
Sie ließ sich nicht stören, sondern fuhr fort:
„Wenn einmal das Unglück über uns hereinbrechen, und mein Kind, mein IheureS,geliebtes Kind, allein in der Welt dastehen sollte, Du es zu Dir nehmen, es nie auSDeinen Händen geben willst — —"
„Falls es Dich beruhigt, will ich Dir geloben, Anna, daß, wenn einmal die Noth-wendigkeit eintreten sollte, ich Dein Kind zu mir nehmen, ihm Vater und Mutter sein,und seine Rechte vertreten will«, antwortete feierlich der Förster, wohl einsehend, daß eSrichtiger sei, seiner Tochter zu willfahren, als sie durch Widerspruch noch weiter aufzu-regen. „Genügt Dir das?"
„Ja, Vater, erwiderte Anna mit einem Seufzer der Erleichterung, und blickte ge-faßter zu ihm auf. „Mag nun geschehen was da wolle, ich bin meines Kindes wegenberuhigt —«
„Und nicht Deines und Ludwigs wegen, Anna?« fragte sanft der Förster, seineHand auf das schöne Haupt seines Kindes legend, das an seiner Brust ruhet«.
„Unser Glück ruht in Gottes Hand, Vater«, entgegncte leise die junge Frau» „mögeer es uns zu einem gnädigen werden lassen! — Verzeihe aber, daß ich auf diese WeiseDemen Geburtstag, auf den^wir uns Alle so sehr gefreut, gestört. —