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„Nicht Du hast es gethan, sondern der Brief, der füglich bis morgen hätte aus-bleiben können", antwortete im leichtere» Ton der Förster. „Sei indeß meines Geburts-tages wegen unbekümmert, wir wollen ihn im nächsten Jahr um so fröhlicher begehen."
„Ja, im nächsten Jahr l" wiederholte Anna langsam und mit leisem Nachdruck, hingsich an den Arm ihres Vaters, und kehrte mit ihm in's Wohnzimmer zurück. —
(Fortsetzung folgt.)
GoldkSrner.
Die ernste Strafe schlich der Sünde nach; sie wollteIhr Schwert schon zieh'n da trat die Reue vor sie hin,Die Strafe wich; eh' mag die Sünde frei entflieh'n,
Sprach sie, als daß mein Schwert die Reue treffen sollte. Pfe fsel.
Schöner ist kein Lächeln als das, welches mit der noch nicht versiegten Thräne im Auge kämpft;höher und dauernder ist keine Sehnsucht, als die nie zu befriedigende; reiner und wahrer genießtNiemand als der freiwillig Entbehrende; und so mag und wird das Kreuz mit Rosen umschlungen
E. v. Feuchtersleben.
das tiefste Symbol unseres Lebens bleiben.
Das schwere Herz wird nicht durch Worte leicht.
Schiller.Georg Keil.
Frag um den Weg nicht viel.Sonst kommst Du spät an's Ziel.
Durch den Nachgeschmack des vergangenen und den Vorgeschmack des zukünftigen Leidens über-füllen wir den Kelch des Augenblickes. Jean Paul .
Ja der Menschheit schönste Zierde ist ein freier, franker Mann,
Der die Wahrheit, feinen Glauben, »»erschüttert sagen kann,
Der der glatten, bunten Schlange Schmeichelei den Krieg erklärt,
Weil sie am ErkeniitnißbaumcBlatt und Blüth' und Frucht zerstört. A. Grün.
Der Vater straft sein Kind, und fühlet selbst den Streich;
Die Härt' ist ein Verdienst, wo Dir das Herz ist weich. Rückert.
Wohl zu besänftigen ist die Leidenschaft. Doch Ueberzeugung,
Grub sie Verstand in's Gemüth, bleibt unvertilgbar der Zeit. v. Halem.
Da- Panorama der Schlacht von Weißenvurg tm Elsaß .
München ist um ein unvergleichliches Kunstwerk reicher. Professor Louis Braun ,her Schöpfer des Panoramas der Schlacht von Sedan in Frankfurt a. M. und zahl««sicher Schlachten» und Genre-Bilder, hat sein Rundgemälde der Schlacht von Weißen-burg vollendet. Er bedurfte, um die Riesenaufgabe zu bewältigen, nur der unglaublichkurzen Frist von fünf Monaten, und hat sie in einer Weise künstlerisch gelöst, die in ihrerArt wohl einzig dasteht.
Es war am 4. August 1870, als die deutsche Heeresführung die allgemeine Offensivemit dem Vormärsche der dritten Armee (1. und 2. bayerisches Armeecorps, 5. und 11.preußisches ArmeecorpS, württembergische und badische Division) unter dem KronprinzenFriedrich Wilhelm von Preußen gegen die.Lauter, den damaligen Grenz-Fluß zwischenBayern und Frankreich , begann, die bayBffche Division Bothmer als Avantgarde vorauf.Ihr war die Aufgabe gestellt, die dicht an der Grenze liegende französische Stadt Weißen-burg zu nehmen, welche noch aus alter Zeit mit Graben und Wall umgeben und vondem französischen DivisionS-General Douay besetzt war. Auf den Höhen südlich der Stadthatte derselbe ein Zeltlager aufgeschlagen und eine Abtheilung Infanterie und Artillerie(Mitrailleusen-Batterie) auf den nahen Geisberg geworfen, der mit seinem, von einerhohen Mauer umgebenen massiven Schlöffe den Schlüssel der ganze» Stellung bildete.Obwohl die Franzosen am frühen Morgen ein Detachement zur Necognoscirung überdie Grenze geschickt hatten, waren sie gegen >^9 Uhr doch sorglos mit dem Abkochenbeschäftigt, als die ersten bayerischen Granaten unter ihnen einschlugen.
Als die Bayern unter Oberst Mühlbauer (5. Jnf.-Negt.) gegen Weißenburg vor-gingen, fanden sie die Zugbrücken der drei Thore der Stadt aufgezogen und die Wällt