Ausgabe 
(5.5.1883) 36
 
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mit weißen, bauschigen, lange» Röcken, rosafarbenen Hosen und einem grünen Kranz umdie blonden Locken. Die Köpfe der Schimmel schmücken weiß-rothe Federbüsche, gesatteltsind nur jene des KaplanS und des heiligen Ritters, dieser mit dem altdeutschen Sattel:die Engel sitzen auf rothen Schabrake».

In der bereits angegebenen Ordnung setzt sich der Zug unter den Fanfarender Trompeter im Schritte in Bewegung und begibt sich auf der alten, vielleicht vonden Römern erbauten Salzburger Straße nach Weisham, von da nach St. Georgen,ein ungemein malerisches Bild bietend» wie er durch das frische, glänzende Gründer Fluren die Höhe der Uferterrasse sich hinaufwindet, während im fernen Hintergründedie schimmernden Vergeshaupter emporragen. Sobald der Zug St. Georgennaht, kommt ihm der dortige Pfarrhcrr mit dem Sanctissimum entgegen, ihn begleitendie Männer der Georgi-Bruderschaft in weißen, rothverschnürten Talaren mit rothenSchulterkrägen, Pilgerstäbe in den Händen und die fliegende rothe Kirchenfahne mit sichführend. Auf freier Straße macht der Zug Halt und unter dem Donner der Böllerertheilt ihm der Pfarrer den Segen, worauf dieser sich mit den Georgi-Brüdern an dieSpitze setzt, am Eingänge des Ortes, an der Stelle einer uralten Linde beim Schul-hause stehen bleibt und den ganzen Zug an sich vorüberdefiliren läßt, indem er jedeneinzelnen Reiter mit Weihwasser besprengt und dadurch Roß und Mann auf Jahresfristgegen Schaden feit. Hieraus folgt Hochamt, Predigt und Litanei, die Reiter steigen ab,um dem Gottesdienste beizuwohnen und darauf zu Fuß heimzukehren, die Rosse aberwerden von anderen Leuten sofort nach Hause geritten. Schmauß und Zechen bildenden Schluß des Festes, auch mancher Pferdehandel geht vor sich.

So verläuft das Fest gegenwärtig; verschiedene charakteristische Züge, die noch Alt-meister Steub schaute, kamen im Laufe der Jahrzehnte in Wegfall. Gleich unserenCürassiereu, die den Panzer ablegten schirmt sich auch St. Georg mit keiner ritterlichenRüstung mehr» sein Schwert zerfiel, vom Rost zerfressen, in Trümmer und ist durch keinanderes ersetzt, an die Stelle des echten alten Helmes trat eine moderne Nachahmung.Die meiste und bedauerlichste Einbuße jedoch erlitt das Fest dadurch, daß die alte Lindenächst der Kirche in St. Georgen umgehauen wurde.

Mise-ll-n.

(Die Vater heirathsfähiger Töchter) werden in ihren Hoffnungen oft bitlergetäuscht. Ein solcher Märtyrer schreibt demD. Mtgs. Bl>":Ich besuchte mit meinerTochter Eva in diesem Karneval mehrere Bälle, und da lernte Eva einen jungen Mann kennen,der durch ein elegantes Exterieur und tadellose, gewandte Manieren auffiel. Seine Karteenthielt nur die WorteFriedrich Müller« Generalsekretär. Unter einemGeneral-sekretär " stellt man sich doch Etwas vor; nun machte er mir außerdem den Eindruck einesMenschen, der vor einer ehelichen Verbindung nicht zurückschreckt; wir näherten uns, eSschien, daß er auch an mir nicht nur an Eva Gefallen fand, und da ich auch beidem Mädchen ein gewisses lymphatisches Interesse zu entdecke» glaubte, war ich zu ge-heimen Hoffnungen berechtigt, die dem Vater eines fast 23jährigen Mädchens nicht übelgedeutet werden können. Mein Herr Müller machte Visite, er kommt ein zweites Malund beginnt im Beisein meiner Tochter die nur die ersten Worte hörte und dannindignirt und verlegen das Zimmer verließ:Mein Herr, das Glück der Ihrig«!, welchesIhnen gewiß nicht gleichgiltig sein wird, sollte Sie bestimmen, einem Antrag näher zutreten, den ich Ihnen hiermit unterbreite" Dabei griff er an seine linke Seite, abernicht um die Gegend seines Herzens anzudeuten, sondern um ein dickes Portefeuille heraus-zuziehen, welches mit Schriften rc. gefüllt war dann fuhr er fort:Ich bin nämlichGeneralsekretär der Amerikanischen Vsrsichrrungs-GesellschaftOhio, " unsere Bedingungensind die coulantesten; wir versichern für Leben und Todesfall ..." Sie können sichdenken, daß ich diese Auseinandersetzungen, welche mich über den Zweck seiner Annäherungmit einem Male hinreichend belehrten, bei dem ersten Komma, welches er sich gestattete,