abschnitt. — Ich begleite ihn zur Ausgangsthüre, nicht aus Höflichkeit, fanden um michzu überzeugen, daß er wirklich gehe. O meine Illusionen!!"
(Prinzeß Ludwig Ferdinand.) Aus Anlaß der Vermählung der Spanischen Jnfantin Donna Paz theilt ein Pariser Blatt die folgende wie es behauptet, völligauthentische Anekdote mit. Im April des vorigen Jahres machte die Jnfantin in Be-gleitung ihrer Schwester Jsabella eine Reise nach Granada . Paläste, Museen, Kirchen,die Alhambra , kurz alle Sehenswürdigkeiten der historisch merkwürdigen Stadt wurdenvon den beiden Prinzessinnen der Reihe nach in Augenschein genommen. Zum Schlußkamen sie in das Kolleg von Sacra Monte, wo sich eine Krypta mit den Gebeinen desheiligen Cecilo befindet. In dieser Krypta sind außerdem zwei Steine angebracht, diejeder Besucher kennt: der eine ist bekannt unter dem Namen des „Heiraths "-Steins,während der andere einen Namen führt, der das Gegentheil, also etwa „Trennungs-"„Scheidungs-"Stein bedeutet. Der Abbö, der die beiden hohen Besucherinen herum-führte und ihnen als Cicerone diente, zeigte denselben auch die beiden Steine und be-merkte, daß nach der Legende ein jedes Mädchen, welches den „Heiraths"-Stein berühre,binnen Jahresfrist vermählt sein würde. Die Jnfantinnen lachten. „So berühre ihndoch!" sagte Jsabella zu Ihrer Schwester und Donna Paz berührte den Stein lächelnd.Das geschah am 3. April 1882. Genau nach Ablauf eines Jahres aber, nämlich am2. April 1883, wurde Donna Paz in Madrid mit dein Prinzen Ludwig von Bayernvermählt.
(Wie man in Schwaben zänkische Eheleute „einigte".) In ober-schwäbischen Gebieten war es in der „guten alten Zeit" nicht selten, daß zänkische Ehe-gatten, welche ihren Nachbarn ein Aergerniß gaben, gemeinschaftlich in den Thurm gesperrtwurden. Obendrein mußten sie sich mit einem Messer, einer Gabel, einem Stuhle undwas, wie die Schwaben sagen, „das Fürnahmst" war, einer Bettstelle begnügen! Daswar ein probates Mittel! Gar häufig sah man Mann und Frau unmittelbar aus demThurm in's Wirthshaus gehen, und hörte, wie sie bei einer Flasche Wein oder einemGlase Bier die besten Vorsätze aussprache». Auch in Memmingen kam es vor zwei-hundert Jahren gar häufig vor, daß in argem Unfrieden mit einander lebende Ehegattenverurtheilt wurden, mit einem Löffel zu essen. Das Nathhausarchiv enthält ein Docu-ment, in dem es heißt: „^.niio 1624, den 13. Juli» hat man zwei Eheleute, so übelmit einander gelebt, in das Blockhaus gethan und mit einem Löffel essen lassen." Daswar nicht dumm; „essen," so calculirten die Schwaben , „wollen und müssen die Beiden;da sie aber nur eine Gabel und ein Messer und einen Stuhl hatten, mußten sie sichvereinbaren."
(Schwäbische Höflichkeit.) „Herr Präsident, i bitt' um's Wort!" — „DerHerr Schlankele hat's Wort!" — „Drum hab' i no vor ere Viertelstund' mein Dos'zum Schnupfe rumgange lasse und kann se jetzt nemme finde. I möcht' daher no dieHerre bitte, daß se nachsehe sollet, ob keiner mein Dos' in sein Sack g'steckt hat, in derMeinung, er steck' se in de meinig!"
(Grab schrift auf einen Zänker.)
Krakehl, der große Zänker.
Er ruht in diesem Grab.
Lies still die Worte Wanderer,
Sonst streitet er's Dir ab.
(Ein Berliner Tischlermeister) bot seinem widerspenstigen LehrburschenOhrfeigen mit folgenden Worten an: „Wenn du weißnäßige Kröte nu nich den Ogen-blick det Maul hälft, so werfe ick dir einen Fünfdahlerschein in die Viehsionomie, deffdu acht Tage daran zu wechseln haben sollst!"
(Bedenkliche Aehnlichkeit.) Hören Sie mal, das Bild meiner Frau siehtscheußlich aus. — Maler: Ja, aber Sie müssen zugeben» daß es ungemein ähnlich ist.
Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg . — Druck und Verlas desLiterarischen Instituts von Dr. Max Huttler.