2S2
Glücklich, und beruhigt in ihrem Herzen verging Anna der Abend und die nächsteZeit, die, da ein leichter Frost eingetreten, ihren Gatten oft fern von ihr in den herr-lichen Waldungen hielt, wo er mit seinem Schwiegervater beschäftigt war, denn die Zeitder Holzverkäufe war für beide Güter gekommen. Einige Wochen vor Weihnachten er-hielt er von seinem Vater die Aufforderung mit Kohring und Bergmann zur Stadt zukommen, doch war er zu Anna's stiller Freude nicht im Stande, diese Fahrt zu unter-nehmen, denn kaum wissend wie, hatte er sich eine Erkältung zugezogen, und der stetsso gefürchtet« Husten hatte sich in leichtem Grade eingestellt.
(Fortsetzung folgt.)
Ave Maria!
Wie soll ich Dich grüßen?Ich weiß keinen Namen,So schönen, so süßenAls: Ave Maria!
Ave Maria.
Ave Maria!
Laßt freudig mich singen,Am Morgen, am AbendDen Engelsgruß bringenDir: Ave Maria!
Ave Maria!
Die ewige LiebeHat selbst ihn ersonnen,Daß ewig er bliebeDies: Ave Maria!
Ave Maria!
So sing ich auf Erden, —
Im Himmel auch einsten!
Ein Sänger laß werdenMich: Ave Maria!
mb.
Aus dem Tagebuche eines Schulgehilfeu.
Von I. Mayerhofer.
Das ist jetzt Jahre her: da hatt' ich als bayerischer Schulgehilfe im schönen MonatJuli und August die Ferien.
Mein vorgesetzter Lehrer hatte sechs kleine Mädchen, und jedes Mädchen hatt' einBrüderchen. — Da kam's dem Magister eben recht, daß alljährlich zwei Monate Vakanzeinfielen.
Da pflegten nämlich wir „Gehülfen" unsere Löffel nicht in des Lehrers Familien-Schüssel zu stecken und machten die ganze Zeit über keinen Versuch, aus dem HaufenKraut darin ein Stückchen Fleisch herauszuangeln.
Meine Collegen im Revier verflogen wie die Schwalben auf „Maria Geburt" zuEltern heim und zu Verwandten. — Mir aber waren beide, Vater und Mutter, todt,und hatt' ich auch Verwandte, so waren die gar arm, so daß ich nicht zu ihnen gehenkonnte. Da dacht' ich mir:
Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
Den schickt er in die weite Welt, —
erhob mein bischen Sold, schwang frohgemuth mein Ränzlein auf die Schulter und wan-derte in's offne Land hinein.
Auf solcher Fahrt gelangt' ich eines Tages an das große Wasser, das der Jnnheißt, und darüber lag das schöne Oesterreich.
Ehrwürdig grüßten Braunau's geschwärzte Thürme und Mauern herüber, freund-lich blickte ein Kloster vom Berge nieder und mir ivar's, als schaue die Sonne vielwärmer und lieblicher auf das Land da drüben hinterm schwarz-gelben Grenzpfahl.
Da faßt es mich im Herzen und ich dachte:
Jetzt hast du dich durch all' das matte Bier im „Wald " und „Gäu" hindurchgeplempelt, daß dir's im Magen kalt und sauer ist, — nun trinkst dich einmal auf derWein-Seite durch alle christlich-billigen Sorten Seiner kaiserlichen Majestät durch undden ganzen Weg retour bis gen Paffau hin, auf daß dir's wieder bester wird.
Und schritt über die lange Holzbrücke zwischen den „Grenzern" durch, am heiligenJohannes von Nepoinuk vorbei und durch den tiefen Thorbogen in die Stadt hinein.