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Gab also noch gute Grüße an die Versöhnten auf und wandert' raschen Fußes au»,dem Dorfe die Straße entlang.
Gegen Mittag langte ich im hochragenden Stifte ReicherSberg an und sah im Kreuz-gang die alten Ritter auf den Steindenkmalen und im Klostergarten den sehr freundlichgrüßenden Prälaten, der mit dem jungen Dechant Konrad spazieren ging.
Dann zog ich wieder weiter und kam nach Schärding , wo ich mein letztes GläschenWein trank« Und ob der auch um vieles saurer war, weil ich den Preis dran sparte,so schmeckte er mir doch nicht minder, als der „schnalzende- in Kirchdorf, well ich nunnimmer fürchtete, daß der falsche Advokat entlarvt werden und damit mein gut gelungenesWerk in'S Wasser fallen könne.
Verblieb mir aber noch immer ein Gefühl der Aengstlichkeit im Busen, und gingich d'rum in Kurzem über die Brücke nach „Neuhaus- hinüber.
Erst als ich wieder bayerischen Boden unter den Füßen spürte, war auch mein'letztes Bangen fort, und mit dem Hut nach Oesterreich grüßend, sang ich mit lauterStimme:
Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
Den schickt er in die weite Welt.
Himmelsschal» im Monat Mai«
— >. Merkur L kommt nach Sonnenuntergang am nordwestlichen Himmel imStier zum Vorschein und ist am besten gegen Mitte des Monats zu beobachten. Am
1. findet man ihn 4" nördlich vom Saturn.
Venus y steht am 2. in Sonnenferne zwischen Fische und Widder und ist nurkurz« Zeit in der Morgendämmerung sichtbar.
Mars im Sternbilde der Fische und des Widders geht Morgens 3 Uhr inOsten auf und erreicht zwischen 10 und 9 Uhr Vormittags seine größte TageShöhe. Am4. steht er 4° südlich vom Mond, am 10. gegen 1" südlich von der Venus.
Jupiter geht gegen 11 Uhr Vormittags durch den Meridian und verschwindetin den Zwillingen 11 Uhr Nachts. Am 19. passirt er die Erdbahn und steht 4" nörd-lich vom Mond am 9.
Von seinen Trabanten werden sichtbar verfinstert: der erste am 8.; der zweite am
2. und 9.; der dritte am 6. und 13.
Saturn H kommt mit der Sonne in Conjunktion und geht mit ihr auf und unter«
Miseellen.
(»Fafcht unglaublich-!) Kurz nach dem 70er Krieg bramarbasirte einjunger preußischer Offizier, welcher nach Stuttgart commandirt war im Kreise württem-bergischer Kameraden mit seinen Kriegsthaten. Mit unverfälschter schwäbischer Derbheiterlaubte sich hierauf ein württembergischer Marssohn die Bemerkung: „Aber Herr Kamerad»feie se net so saumäßig verloge,- woraufhin der Norddeutsche ein Pistolenduell für un-umgänglich nöthig erklärte Indeß wurde der Zwist dadurch beigelegt» daß ein ältererwürttembergischer Kapitain den hitzigen Preußen mit den klassischen Worten: „BeruhigeSe sich, Herr Kamerad, saumäßig verloge heißt soviel als wie bei Ihn« fascht un-glaublichl-
(V e r sch na p pt.) Wirth (zum Weinreisenden): „Warum verkaufen Sie dennIhren rothen Landwein theurer, als den weißen?" — Weinreisender: „Ja, glaubenSie denn, wir kriegen die Färb' geschenkt? l-
(Traurige Erfahrungen.) Schulinspektor: Ich finde, daß die Mädchendieser Classe durchwegs Besseres leisten als die Knaben« Lehrer: In der That sind hierdie Knaben das schwächere Geschlecht.
Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg . — Druck und Verlag desLiterarischen Instituts von Dr. Max Huttler.