Unterstaktung8ökatt
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„Äugsburger Postzeituilg."
Rr. 38.
Samstag, 12. Mai
1883 .
Pfingsten.
Mit ihrem Sternenglanz entflieht die Nacht.
Es wehen kühl die jungen Morgenlüste,
Und sie durchwollt das Meer der süßen Düste,Im Blüthenreich zum Fest des Tags erwacht.Die Sonne schwebet durch des Ausgangs Thor,In ihrem Licht erglüh'» die Tempelzinnen,
Und sreud-erröthend steigt aus NebelflorJerusalem, die Feier zu beginnen.
Durch alle Thore strömt das Volk herein,
Im Festgemaiid, mit reichgesüllteu Händen,Dem Gott der Saat die Erstlingsfrncht zu spendenVon seiner Felder fröhlichem Gedeih'n.
Und Alles eilt und fliegt zur Stadt hinaus. —Wie Meeresflutheii schwillt der Opsrer Menge;Sie ordnet sich — und zu Jehoven's HausWallt hin der Zug mit fröhlichem Gepränge.
Die Priester steh'» im festlichen Talar,
Vorn Volk empfangend die geweihten Brode,Und Opserthiere nah'n, bekränzt zum Tode,Das Haupt gesenkt und zitternd, dem Altar. —Die Flamme kündend wirbelt hoch der Rauch;Sie schlägt empor — das Heiligthum erglühet.Der Priester Mund entweht Grbeteshauch,
Und Alles legt die Hand aus's Herz und knieet.
In Freundeshaus, dem prächt'gen Tempel fern,Vom heimathlichen Volke, wie verloren,Verweilt die Schaar, die Christus sich erkoren,Einmüthiglich versammelt in dem Herrn.Verhangnißvoll umwebt sie Gottes Rath,
Den Tag zu weih'n mit hohen Wunderdingen;Im Morgenglanze winkt des Meisters Saat,Auch ihre Erstlingsfrucht dem Fest zu bringen.
Gedankenvolle Still' ist im Gemach,
Der Jünger Geist dem Meister nachgezogen:Nur je und dann, der tiefsten Brust entflogen,Durchbebt die Luft der Sehnsucht leises Ach! —Doch schöner, denn des Mundes Rede, sprichtMit zartem und bedeutungsvollem RegenDer Sinnenden bewegtes AngesichtVoin Gottessohn und seiner Liebe Segen.
Und sieh'! da zuckt aus blauer Lust ein Strahl.Des Hauses Beste bebt vom dumpfen Brausen.Es wirbelt sich empor, wie Sturmcssausen,
Und blendeiid Licht erfüllt den hohen Saal.Doch von der Windsbraut hin und her durch»schnaubt . ..
Muß bald der helle Wunderglanz sich theilen;Dann wird es still — und über jedem HauptSieht man ein Flämmcheu liebeglühend weilen.
Wie von verborgner Gluten DonnerstoßDer heilige Tiberias erbebet,
Und Well' aus Well' empor zum Lichte hebet,Was ewig barg der dunkelu Wasser Schooß:So bebt der Jünger Herz dem WetterschlagUnd den bedeutungsvollen Wunderzeichen,
Und was in tiefer Brust noch schlummernd lag,Ringt sich empor — und alle Nächte weichen.
Da sieht ihr Aug', was »och kein Auge sah,
Des Menschensohiis vollkommne GottesnäheUnd fernes Planes Weite, Tief' und HöheUnd seiner Schöpfung Leben fern und nah.Hernieder strahlt auf sie des Meisters Glanz,Und sie erschau'» des eignen Geistes Würde,Das Hirtenamt, des Sieges StcrnenkrauzNach ihres Werkes wohlgetragner Bürde.
Ihr Herz entbrennt von heißer Liebesglut,Versöhnend Erd' und Himmel zu umfangen;Eutfloh'n ist ein Kiudertraum, ihr Bangen»
Die Brust erfüllt mit frohem Glaubensmuth.Und zu dem Glauben strömt auch wunderbarVon oben her die heil'ge Kraft der Zungen:Da wird das Wort vom Tröster ihnen klar,Von höhrer Andacht ihr Gemüth durchdrungen.
Des Wunders Sage wälzt sich fort und sortBis zu Jerusalems eutsernlsten Hütten,
Ulid Alles staunt und kommt mit schnellenSchritten,
Um selbst zu schau'» an den geweihten Ort.Das Haus, das bald ein Heer von Fragern füllt,Durchtönt der Sprachen wild verworr'nrsRausche»;
Ein Wink der Jünger» — und es ist gestillt,Und rings umher ein odemlojes Lauschen.