Ausgabe 
(12.5.1883) 38
 
Einzelbild herunterladen

300

thut es das nicht mehr. Du mußt auf den Umgang mit Deinesgleichen verzichten, undhast dafür den täglichen Verkehr mit Knechten und Tagelöhnern"

Der junge Mann blickte ruhig auf seine Mutter und antwortete in entschiedenemund ernstem Ton:

Einem solchen Verkehr kann sich kein Landwirth entziehen, und sind sämmtlicheLeute auf dem Buchenhof brave, rechtliche Menschen. Den weiteren Umgang mit Meines-gleichen muß ich augenblicklich meiner Gesundheit wegen meiden, im Hause aber bei meinerFrau und Tochter"

Deiner Frau und Tochter", wiederholte jetzt langsam der Landkammerrath,ja,dieser wegen wollten wir schon lange mit Dir reden, und ist augenblicklich dazu diegeeignetste Zeit"

Was könnte das sein?" fragte in gemessenem Ton der junge Mann, und blickteernst, fast streng auf seine Eltern, denn seiner Gattin Sorge und Befürchtungen tratenvor seine Seele.

Ludwig, verkenne uns nicht in dnn, was ich jetzt sagen werde und sagen muß,seit wir Dich als Mann kennen gelernt", fuhr in überredendem Ton sein Vater fort,während Ludwigs Erregung mit jedem Augenblick zunahm, wenngleich er entschlossen war,seinen Eltern ruhig zuzuhören.Als Du vor einigen Jahren Anna Kohring heirathenwolltest, habe ich allerdings meine Zustimmung dazu gegeben, allein dies seitdem tausend-mal bereut

Ich hätte Anna auch ohne Deine Zustimmung geheirathet, Vater", unterbrach derjunge Mann mit einem festen entschiedenen Blick.

Der Landkammerrath sah diesen Blick, der ihm nur zu deutlich sagte, daß sein Sohndie Wahrheit gesprochen. Dieser fuhr fort:

Doch wollten Kohrings ihrer noch damals unmündigen Tochter nicht ihre Ein-willigung geben!".

Daran erkenne ich ihre Anhänglichkeit und Treue an uns"

Lassen wir das, Vater, und sage mir, weshalb Du bereut, daß Anna meine Fraugeworden, und ich, der ich seit meiner Kindheit in meiner Familie weder Glück nochFreude gekannt, ein glücklicher Mann, Gatte und Vater geworden bin?"

Seine Eltern sahen sich betroffen an, die Mahnung an ihre beiderseitige Schuldreizte aber den Landkammerrath, der so lange seine Ruhe bewahrt, und mit lautererStimme, als er bisher gesprochen, antwortete:

Solltest Du, ein Bodenwald, das nicht einsehen?"

Nein!"

Nun, so muß ich Dich daran erinnern, daß seit Hugo's und seiner beiden SöhneTod Du und Karl die einzigen Erben unseres Namens seid, Karl hat noch keinen Sohn"

Es können deren noch hinreichend aus seiner Ehe erwachsen, um unsern altenNamen fortzupflanzen, wie auch meine Frau mich noch mit mehreren Söhnen beschenkenkann"

Du meinst doch nicht etwa Anna Kohring?" fragte seine Mutter in gering-schätzendem Ton.

Gewiß, Mutter, denn meines Wissens nach, besitze ich nur eine Frau!" erwiderteihr Sohn, seine funkelnden Augen auf sie richtend.

Die Söhne aus Deiner jetzigen Ehe könnten unsern alten Namen nicht fort-pflanzen -"

Sie ist eine gesetzliche-"

Die Du jedoch aufgeben mußt!" fuhr der Landkammerrath heftig auf.Ich willfür die Försterstochter und ihr Kind hinreichend sorgen; sie kann in einer andern Gegendoder in einem anderen Lande-"

Vater, was wagst Du mir zu sagen?" entgegnete sein Sohn.