„Ich wiederhole Dir, daß es mein fester Wille ist! — Ich werde die nöthigen
Schritte, Deine Ehe zu lösen, thun, und mit meinem Einfluß-"
In maßlosem Erstaunen hörte Ludwig seinem Vater zu. Sein Blick begann heftigzu rollen, und er fühlte das laute Pochen seiner Schläfe und seines Herzens. Vonseinem Arzt vor jeder heftigen Aufregung gewarnt, suchte er sich zu beherrschen undschwieg einen Moment. Sein Vater aber, der seinen jüngsten Sohn nicht kannte, glaubte,daß wie immer, sein Wille gesiezt habe, und fuhr in erhobenem, befehlendem Tone fort:
„Du wirst für den Augenblick nicht nach dem Buchenhof zurückkehre», den Bergmann bis auf Weiteres vermalten kann. Unterdcß wende ich mich an das Konsistorium."
„Vater", rief jetzt der Sohn, dessen Vernunft seine Aufregung und seinen Zornnicht mehr zu beherrschen vermochte, unterlaß alle Deine Bemühungen, denn ich, einBodenmald erkläre, ja, schwöre Dir — —"
„Schwöre nicht!" riefen einstimmig seine Eltern, und sein Vater fügte hinzu:„Denn Du wirst Deinen Schwur nicht halten können —"
„Ich werde ihn dennoch halten und schwöre, daß nur mit meinem Leben ich michvon meinem Weibe und Kinde trennen werde!"
„Entarteter Bube! man sieht, daß Du nicht in meiner Zucht erwachsen bist!" riefaußer sich vor Wuth sein Vater aus. Diese Worte aber raubten Ludwig alle Besinnung.Er sprang von seinem Sessel auf, und was geschehen wäre, ist schwer zu sagen. Imnächsten Moment aber stieß seine Mutter einen lauten Schrei aus, denn ein rother Strahlstürzte aus seinem Munde und kraftlos erbleichend, stützte er sich gegen den Tisch. Indiesem Augenblick ward die Thür aufgerissen, Förster Kohring trat in's Zimmer, undden schon fast bewußtlosen jungen Mann in seinen Armen auffangend, trug er ihn aufdas nahe Sopha. (Fortsetzung folgt.)
Was uns der Mai und das Pfingstfeft erzählen.
Der Mai war gekommen — ja:
„Er war gekommen
In Sturm und Regen!"
aber nun war er da!
Mai, Mail — Wie wiegt doch diese kurze Silbe ein ganzes, langes Gedicht auf!-- Die Maiensehnsucht ist wie das Heimweh, und welcher Mensch möchte oder könntedieses Sehnens entbehren? Wohl hat jede Jahreszeit, jeder Monat eigemthümliche Reize,der Mai aber ist der Freund aller Menschen, er pocht an unsere Thüren, an unsereHerzen, ein Schritt hinaus aus dem dumpfigen Treiben der Städte, und aufathmet derMensch wie verjüngt, wie neugeboren. — Die kleinen Blattspitzen lugen so naseweishervor, wie verhätschelte Kinder, die uns so lange necken, bis wir selber heiter iverden,die Blüthen kommen heraus, — ein Jahr nach dem andern, und doch jedes Jahr neueZaubergewalt übend auf das arme Menschenherz. — Der Mensch müßte sehr unglück-lich oder sehr elend sein, der keine Freude mehr haben könnte an dem lieblichen Schmuckdes sich entwickelnden Jahres, — o Maienzeit, du Brautzeit des Jahres! — Ab streifenwir den Winter, die Frühjahrssonne macht ihr liebfreundlichstes Gesicht, und im Zwitschernjedes Vogels, im Pfeifen jedes Bahnzugs liegt für den Menschen mit seiner Zugvogel-natur eine eindringliche Mahnung: „Hinaus! Hinaus!" und den jubelnden Lockruf:„Wunderseliger Mensch, welcher der Stadt entfloh!"
Auch des MaimonatS alljährliche Attribute halte» den feierlichen Ein- und Umzugein wie alle Mal: der Maitrank und die Maiblumen und die Maikäfer, und nun nahtdes Maies Krone'und des Sommers Herold sich: Pfingsten, das liebliche Fest der Freuds!
Seine Boten hat es längst geschickt, den Weg ihm zu bereiten: die Schwalben, vondenen ein alter Spruch sagt:
„An Maria VerkündigungKommen die Schalben wiederum",