Ausgabe 
(12.5.1883) 38
 
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worden, zur Maien-, zur heiligen Pfingstzeit, wenn auch etliche Blüthen und Knospendem warnenden Reif zum Opfer fielen. Und Alles jubelte dem Freudenfeste zu, demFest der Rosen und des Maien!

»An ihren bunten Liedern klettert i Da sind, soweit die Blicke gleiten,

Die Lerche selig in die Lust, I Altäre schlich ausgebaut;

Ein Jubclchor von Sängern schmettert > Und all' die tausend Herzen läuten

Im Walde voller Blüth' und Dust. > Zur Liebesscier dringend laut.

Der Lenz hat Rosen angezündet,

An Lichtern von Smaragd im Don:

Und jede Seele schwillt und mündet

Hinüber in den Opferstrom." Llara Leiekner.

Mis-sH-ir.

(Ein gutes Geschäft.) Zwei Wallachen treten in einen Trödlerladen«-Guten Morgen!" sagt der eine;ich brauche fünf Gulden, leihe mir sie und ich willDir fünf Gulden Interessen zahlen, überdies meinen Rock hier zum Pfande lassen.Jst's gefällig?" Der Trödler besinnt sich ein wenig, endlich antwortet er, indem ereine Fünfguldennote aus der Tasche zieht:Gut, Bojar, Du sollst Dein Verlangenhaben, ziehe Deinen Rock aus." Der Bojar thut es; der Trödler ninimt den Rock.Sieh," fängt nun dieser an,ich borge Dir aus diesen Rock fünf Gulden für eben soviel Gulden Interessen. Da es nun Sitte ist, die Interessen gleich abzuziehen, so behalteich die fünf Gulden und den Rock und Du schuldest mir noch fünf Gulden, worüber Dumir einen Wechsel ausstellen wirst." Verblüfft schaut der Wallache drein und sichan seinen Begleiter wendend, sagt er:Jetzt habe ich keinen Rock, kein Geld und derKerl hat doch Recht."

> (Der Bedarf einer Weltdame.) Ein Pariser Blatt richtete vorige Wochean seine Leserinnen die Interpellation, wieviel eine anständige elegante Pariserin fürihre Toilette braucht. Hier die erste Antwort, die der Zeitung aus honetten Kreisenzukommt. Die Einsenderin setzt das Vorhandensein eines vollständigen Toilettenfondsan Kleidern und Schmucksachen voraus. Unter diesem Vorbehalte braucht die zurgroßenWelt" gehörende Pariserin für Schneiderin 12,000 Fr., Putzmacherin 3000 Fr., Leib-wäsche 4000 Fr., Schuhmacher 1500 Fr., Handschuhe, Strümpfe, Bänder, Cravattenund sonstige Kleinigkeiten 6000 Fr., Alltagsspitzen 3000 Fr«, Parfümerien und Coiffeur4600 Fr., Regen- und Sonnenschirme 500 Fr. Zu diesem Total von 34,500 Frankskommen noch ungefähr 600 Fr. monatlich für Wäscherei, Fr. 300 monatlich für Putzund Färbung von Seide, Strümpfe rc. und 200 Fr. monatlich für Reparaturen, imGanzen also 47,700 Fr.

(Die trauernde Wittwe.) Eine Dame, die vor drei Tagen ihren geliebtenGatten verloren, kommt weinend und jammernd zu ihrer Mutter.O, Mutter," ruftsie, die Augen verzweifelnd zum Himmel aufschlagend,mein halbes Leben gäbe ichdasür, wenn ich die nächsten acht Tage erst hinter mir hätte!"Aber warum denn,mein Kind?" Die trauernde Wittwe sieht thränenden Auges auf das Bild des ver-storbenen Gatten und antwortete wehmüthig:Weil ich dann nicht mehr daran denke!"

(Mißverständniß.) Der Landesherr besuchte einen Ort, in dem eine großeFeuersbrunst stattgefunden hatte, und sagte zu dem ihn begrüßenden Ortsvorstand:Ichhabe mit Bedauern gehört, daß Sie kürzlich einen größeren Brand gehabt haben." Der-selbe erwiderte unter dem Drucke eines schlechten Gewissens:Ew. Durchlaucht, es warnicht schlimm, wir waren nur etwas zu lustig."

(Schnell gefaßt.) Madame:Wie kannst Du Dich unterstehen in der Küchezu lesen?" Köchin:Aber, Madame, da steht es ja d'rauf, Unterhaltungen amhäuslichen Heerd.

Tür die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg . Druck und Verlag des

Literarischen Instituts von Dr. Max Huttler.