Unter^aktungsökatl
jm
^Äugsburger Postzeituug.-
Nr. 39.
Mittwoch, 16 . Mai
L883.
Des Uörsters Enkelkind.
Original-Novelle von Mary Dobson.
(Fortsetzung.)
Der Förster hatte vor der Thür das laute Gespräch vernommen, welches theil«weise auch der alte Diener erlauscht, und mit einem Blick das furchtbare Unglück über-sehend, sah er zugleich, daß er hier handeln mußte, denn der Landkammerrath wie seineGattin schienen aller Thatkraft beraubt.
Heftig an der Klingel ziehend, befahl er den hereinstürzenden Dienern, Aerzte z»holen und kaltes Wasser zu bringen. Die aufregende Scene aber und der schrecklicheAnblick waren zu viel für die Nerven der Landkammerräthin gewesen, und ihr Gattesah, daß sie in ihren Sessel bewußtlos zurücksank. Kaum im Stande sich zu erheben,verließ er jedoch seinen Platz, um ihr Beistand zu leisten und Hülfe herbei zu rufen,was er auch mit lauter Stimme, und laut klingelnd that. Dieses Letzteren wegen warfihm der Förster einen vernichtenden Blick zu, und sagte mit unterdrücktem Ton:
„Schweigen Sie, Herr Landkammerrath, die Leute werden sogleich kommen. IhreFrau lebt und wird sich bald erholen, ich habe es hier mit einem Sterbenden zu thun.Stören Sie dessen letzte Augenblicke nicht I"
„Jetzt trat die Kammerfrau mit mehreren Mädchen herein, die dem Förster Hülfeleisteten, und auch Frau von Bodenwald in das anliegende Zimmer brachten, und ihrerOhnmacht zu entreißen versuchten. Die Bemühungen des Försters und des alten Ein-feld waren vergebens; Ludwig von Bodenwald schlug die Augen nicht auf, und kaumvermochten sie ihm etwas kaltes Wasser einzuflößen, sie konnten nur theilweise das Blutbeseitigen, das über ihn herabgeflossen war.
Bald erschien der erste Arzt, der anzutreffen gewesen, und auf den Fall vorbereitet,wandte er die mitgebrachten Mittel an, das nur noch langsam fließende Blut zu stillen.
Noch damit beschäftigt, langte auch der Medizinalrath an, und beide Männer botenihre Kunst und ihr Wissen auf, das schnell schwindende Leben des Erkrankten zu erhalten,und seine Kräfte zu beleben. Durch die heftige Aufregung war eines der wichtigstenBlutgefäße der Lunge gesprungen, und ahnungslos für ihn und unmerkbar für seineUmgebung war bereits sein Tod erfolgt.
Der Förster war nicht von der Seite seines Schwiegersohnes gewichen, und alsdie Aerzte nochmals seine Pulse und den Herzschlag untersucht, und den Tod des drittenSohnes des Landkammerraths bestätigt hatten, trat dieser ein, um sich, nachdem seineGemahlin die Besinnung wieder erlangt, nach seinem Sohn zu erkundigen. Der Medizinal-rath theilte ihm die Todesnachricht mit, bei der er wankte und in sein Zimmer geführtwerden mußte, ohne, wie Kohring bemerkt, einen Blick auf die Leiche seines Sohnesgeworfen zu haben, deren Züge noch die letzte heftige und zornige Erregung zeigten, diedem jungen Mann so verhängnißvoll geworden. In tiefem Schmerz neigte sich derFörster über diesen und küßte seine schon erkaltende Stirn, auf die zwei schwere Thränen