Ausgabe 
(19.5.1883) 40
 
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Nr. M.

1883 .

zur

Äilgsbnrger PostMung/-

Samstag, 19. Mai

Des Försters Enkelkind.

Original-Novelle von Mary Dobsom(Fortsetzung.)

XI.

Die Beisetzung des jungen Gutsherrn von Buchenhof hatte am sechsten Tage nachseinem plötzlichen Tode, im Beisein seines Bruders» des nunmehrigen einzigen Sohnesdes Landkammerraths, unter Betheiligung seiner Bekannten, aller Bewohner von Buchen»Hof und Bodenwald, und vieler, nahegelegenen Güter stattgefunden, und am Abenddesselben Tages war seine noch vor einer Woche so blühendschöne und glückliche Gattinnach schwerer Krankheit, ohne auch nur einen Augenblick das Bewußtsein wieder erlangtzu haben, ihm in die Ewigkeit gefolgt.

In tiefem, lautlosem Schmerz umstanden die schwergetroffenen Eltern und Berg«mann's das Sterbebett, auf dem sie soeben sanft entschlafen war, und leise drückte FrauKohring ihrem Kinde die Augen zu, die im fast unmerklichen Todeskampf sich geöffnethatten. Dann sank sie, in schmerzliches Weinen ausbrechend, an die Brust ihres Gatten,während sich Bergmannes in das anstoßende Zimmer begaben, wo die kleine Waise voneiner Nichte des Försters, die ihren Verwandte» zur Hülfe gekommen war, gehütet ward.Sie erblickend, sprang sie von Frau Albrechts diese war eine junge und kinderlose Wittwe Schooß und lief ihnen entgegen, und während Frau Bergmann sie auf ihre Arme nahmund unter Thränen liebkoste und küßte, theilte der Verwalter Ersterer mit, was sich soebenereignet, worauf diese sich zu ihrem Onkel und ihrer Tante in's Sterbezimmer begab.

Auf die vielen Fragen des Kindes nach dem Vater hatten endlich die Großelteruihr stets geantwortet, daß er todt, auf immer von ihr gegangen und im Himmel sei, undsie ihn nie wiedersehen könne. Sie hatte über diese Antwort, die sie nach Kinderiveiseverstanden, bitterlich geweint, dann aber sich über die Abwesenheit seines Vatqxs zu be-ruhigen begonnen und nach der Mutter gefragt, von deren Krankheit sie wußte. Auchjetzt that sie dies, und begehrte zu ihr geführt zu werden, und als Frau Bergmann ihrsagte, daß auch ihre Mutter sie verlassen habe, sie sie nicht wiedersehen könne, und dieKleine in lautes Weinen ausbrach, trat gerade der Förster ein.

Von Frau Bergmann's Schooß gleitend, eilte das Kind dem.Großvater entgegen,und wiederholte ihm schluchzend, was diese ihm gesagt. Er schloß sie unter Thränenan seine Brust, und erwiderte mit unsicherer Stimme:

«Ja, mein armes Kind, Deine Eltern sind von Dir gegangen allein wir Alle sindDir geblieben! Von diesem Augenblick an aber gehörst Du mir, und wie ich DeinerMutter gelobt, werde ich Dich nicht von mir lassen!"

Voll aufrichtiger Theilnahme hatten Herr und Frau von Bodenwald den so schnellenTod der Gattin ihres verstorbenen Sohnes vernommen, den ihnen am Morgen nachdemselben der Medizinalrath, und Kohring und seine Gattin ihnen einige Stunden späterdurch einen Boten angezeigt hatten. Sie halten darauf eine längere Unterredung gehabt/