314 —
die, wie die Dienerschaft gehört, bald laut und heftig, bald ruhiger geführt worden, undderen Ergebniß am folgenden Morgen der Verwalter mit nicht geringer Ueberraschungerfuhr, als er, der jetzt beide Güter zu verwalten hatte, den Landkammerrath in geschäft-lichen Angelegenheiten aufsuchte. Beide hatten lange und viel zu berathen und zu be-sprechen, und erst in der Dämmerung begab er sich nach dem Buchenhof, dem Trauer-hause, wo, wie er wußte, seine Frau war. Es ivar wiederum ein schöner Winterabend;die Kälte hatte zugenommen; eine dichte Schnseschicht deckte die Erde, und der Voll-mond verbreitete ein so Helles Licht, daß der Verwaltrr schon aus der Ferne das Herren-haus erblickte.
Es war säst wie an jenem Abend, wo die nun als Leiche daliegende junge G»ts-herrin ihn zurückerwartet, und statt seiner seine Todesnachricht erhielt, doch beachtete diesBergmann nicht, seine Gedanken wurden von dem in Anspruch genommen, was er mit-zutheilen hatte, und kaum wußte, wie er es den Freunden mittheilen sollte.
Diese saßen wie an jenem verhüngnivollen Abend seiner wartend im Wohnzimmer,doch erzählte diesmal Frau Albrecht der kleinen Anna, welche ihr schon ihre Zuneigungzugewandt, die ihr neuen Geschichten, diese dagegen hatten eben mit Frau Bergmanndas ihnen zunächst liegende, die Beerdigung ihres Kindes, besprochen, die auf dem Fried-hofe nahe der Kirche stattfinden sollte, woselbst Frau Kohrings Eltern — ihr Vater warder frühere Förster von Bodenwald gewesen — rührten, und dazu wollten sie am fol-genden Morgen die nöthigen Schritte thun.
Von der durch das Gespräch hervorgerufenen traurigen Aufregung fast überwältigt,erhob sich Kohring, um einen Gang in's Freie zu unternehmen. Da hörte er den Wagen,der den Verwalter bringen mußte, und er ging hinaus, diesen zu empfangen.
Gleich darauf trat er mit diesem ein, und als er die Frauen und auch die kleineAnna begrüßt, berichtete er von dein Geschäftlichen, was er mit dem Landkammerrathgeordnet und abgemacht, erzählte, daß er und seine Gattin sehr leidend seien, und wollteeben zu seinem Auftrag übergehen, als der Förster heftig sagte:
„Das Gewissen mag sich wohl in ihnen regen, denn sie wissen nur zu gut, daß siean allem Unglück Schuld sind!"
„Kohring!" sagte begütigend seine Gattin, wenngleich sie seine Ansicht theilte.
„Sie sollen und werden dies noch einmal selbst von mir hören, entstehe auch dar-aus was da wolle", fuhr dieser mit zunehmender Erregung fort.
„Wenn Du so sprichst, Kohring", unterbrach ihn der Verwalter in ruhigem Ton,„dann wage ich kaum den Auftrag des Landkammerraths auszurichten, den er lange mitmir besprochen —"
„Was könnte das sein?" fragte der Förster. „Ich wüßte nicht was das, undnoch dazu in diesem Augenblick, sein könnte, denn eine Dienstsache wird es nicht betreffen!"
„Es bezieht sich auf Deine verstorbene Tochter", erwiderte Bergmann. „Der Land-kammerrath läßt Dir und Deiner Frau den Vorschlag machen, sie in der Familiengruftneben ihrem Mann beizusetzen!"
„Wie?" rief Kohring, während auch die Frauen überrascht auf den Verwalterblickten. „Das mag er uns vorschlagen lassen, nachdem er noch vor Kurzem ihre Ehr zutrennen versucht, und dadurch Beider Tod verschuldet?"
„Ich habe Dir seine Worte wiederholt —"
„So bringe ihm die Antwort, daß ich nimmer darauf eingehen würde, und meineFrau und ich die Sache längst beschlossen!"
„Laß uns sie dennoch noch einmal besprechen, Kohring", entgegnrte Bergmann soruhig wie vorher, „denn ich kann seinen Vorschlag nur billigen. Er hatte die Heirathseines Sohnes mit Euerer Tochter bewilligt, Anna hat Jahre lang als Frau von Boden-wald gelebt, ivas wird man also sagen, wenn Ihr sie in Eurem Familienbegräbnißbeerdigen läßt?"
„Weißt Du, warum er uns das Anerbieten machen läßt?" unterbrach ihn der