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unter unverkennbaren Zeichen der zunehmenden Schwäche ihr Ende herbeiführen mußte.Dem Förster gingen endlich die Augen auf, und der Zustand seiner treuen, wahrhaft vonihm geliebte Lebensgefährtin versetzte ihn in die schmerzlichste Aufregung. Er klagte sichan, nicht früh genug für sie gesorgt, sie nicht einstweilen von Bodenwald fortgeführt zuhaben. Es war dies Alles aber Zu spät. Zwar leise, doch mit sicherem Schritt nahetsder Todesengel seinem Opfer, das ihm längst verfallen war, und als an einem schönenMaiabend, die untergehende Sonne ihre letzten Strahlen durch die weitgeöffneten Fensterin ihr Zimmer warf, sagte sie, in einem Krankenstuhl vor diesem ruhend, zu ihrer Nichteund Frau Bergmann, welche bei ihr waren:
„Ruft Kohring — bringt Anna — ich fühle, daß ich schwächer werde! —"
(Fortsetzung folgt.)
G s l d k ö r «e x.
Last Dich biegen, aber nur nicht knicken.
Goethe.
Endlich legt sich jedes Sturmes Wuth,
Tag wird es durch die dickste Nacht, und kommt
Die Zeit, so reifen auch die spätsten Fruchte. Schiller.
Thörichter Jüngling, der Jngendgluth für Liebe nimmt, und wehe dem armen Mädchen, dasseinen Kranz in solche Strohflammen wirft! Kotz ebne.
Der Tod ist das Pünktchen der letzten Phrase unseres Lebens, der Deckel auf dem Topf, indem eZ sonst so kochte und brauste. Bcnzel-Stern au.
Die gütige Natur nimmt der gelähmten Zunge des Bedrängten die Krankengeschichte seinesgepeinigten Busens ab und erzählt sie uns mit einer Thräne. Jean Panl.
Eine Lüge engagirt meistens schon zu der nächsten.
Rahel.
Tcr verhinderte Selbstmord.
(Aus den Wiener Gcrichtssälen.)
„Rufen Sie jetzt den AthanasiuS Zwerler!" befahl der Bezirksrichier dem Amtsdisner.Zwischen der nur halbgeöffneten Flügelthür schiebt sich ein schmächtiger Mensch herein,der es offenbar als unbescheiden erachten würde, seinetwegen die Thüre ganz zu öffnen.Der junge Mann ist auffallend blaß; er ist Tischlsrgehilfe von Beruf und kann, seinerwiederholten Versicherung nach, keine Fliege an der Wand beleidigen. Richter: Sieheißen AthanasiuS Zwerler, sind aus Plattling in Bayern gebürtig, unbescholten undTischlergehilfe. Ist das richtig? — Angekl.: Zu dienen, Euer Gnaden, nur die Liebe— Richter: Lassen wir das jetzt. Sie sind wegen Exzesses und wegen der Uebertretungder thätlichen Wachebrleidigung angeklagt. Erzählen Sie den Vorfall vom 22. April. —Angekl.: Hoher Herr Richter! Wer nie sein Brod mit Thränen gegessen hat, der weißgar nicht, was die Liebe ist, wegen derer ich heute vor diesem geehrten Nichterstuhlestehe. — Richter: Nun, wegen Liebe wurde noch nie Jemand angeklagt; Sie sollen ganzeinfach erzählen, wie Sie dazu kamen, an dem benannten Tags einen Exzeß zu verübenund die Wachleute zu insultiren. — Angekl.: Oh, ich bitte, Herr Amtmann, ohne meineLiebs wäre so etwas nie geschehen; aber die war zu überhäuft! Ich war bis zu jenemSonntag stets ein ruhiger Staatsbürger. — Richter: Erzählen Sie doch das Begebniß.
Angekl.: Vor zwei Monaten — so weit muß ich ausholen — hab'ich die Lisi kenneng lernt, die in der großen Mohrengassen eine Köchin war. Au: Samstag um 7 Uhrhab' ich zur Lisi geh'» wollen, weil sie immer um die Zeit fürs Nachtmahl für ihreHerr'nleut' Alles z'sammeuholt; wie ich so in die große Mohrengasse komm' und denk':jetzt wirst deine Lisi seh'n, da kommt sie richtig, eing'hängt in ein Soldaten! Herr Amt-mann, wer nie geliebt, der kennt so was gar nie nicht. Der Stich, den ich in's Herz