hab' kriegt! und weil ich den Soldaten umsomchr kennt hab', vom Pratenusfeehaus aus,'wo ich mit meiner Lissi war und wo er alle Sonntag bei der Militär - Negiinentsmusiblasen thut, der elendiche Kerl, der! — Richter: Sie dürfen hier Niemanden beleidigen.Erzählen Sie weiter. — Angekl.: Alsdann wie mir das den Stich gegeben hat, den!ich mir: Adjes Lisi! Ich gehe jetzt in den Tod! Und am Sonntag nach dem Essenhab' ich auch wollen in den Tod geh'n und will durch die Schwimmschul-Alle hinunterzum Kommunialbad. Derweil kommt am Praterstern ein Bekannter von mir, der SpenglerJosef Deng, der auch heut' als Zeuge da ist, der sagt: Wohin denn? Sag ich: Lebewohl, ich geh' ins Wasser! Sagt er: Das kannst später auch thun, und zieht michin ein' Tramwaywaggon hinein. Na, denk ich mir, jetzt sind so noch zu viel Leut aufder Gassen; wenn ich schon aus Liebe in den blassen Tod gehe, will ich ungestört seindabei. Ich bin nachher willenlos mit dem Deng nach Hernals g'fahren wo er ein Weinzahlt hat. Ich hab' mich angetrunken, aber meine List hab' ich nie verschmerzen könnenund nachher sind wir erst zum Stalchner gangen. (Heiterkeit.) Da hab' ich noch einPaar Viertel getrunken und dann hab' ich mich erinnert, das; ich heute noch in denblaffen Tod in die Donau gehen muß wegen der Lisi und da bin ich fort. Was weitergeschehen ist, weiß ich nicht — Richter: Nun, es ist durch die Aussage der Wachtleute undZeugen erwiesen, daß Sie auf der Gasse brüllten: Meine Lisi, die is putsch und als Sieder Wachtmann Dolezal zur Ruhe verwies, versetzten Sie ihm einen Faustschlag auf die Brust,worauf sie arretirt wurden. — Angekl.: Ich bitte, ich bin gewiß ein Mensch, der nieeine Fliege an der Wand beleidigt, aber wenn man aus gekränkter Liebe in den blassenTod geh'n will und der Sicherheitswachmann halt Einen auf, so was soll doch nichtsein in einer freien Nechtsstadt. Außerdem kann ich mich gar nicht mehr erinnern ausdas. — Der Richter konstatirt, daß bei dem Angeklagten nach seiner Arretirung ein Briefan seine Geliebte vorgefunden wurde. Derselbe lautet sowohl wörtlich als orthographischdem Original getreu: „Theure Lisi! Es dränkt mich daß Schicksal, das ich heute Abendsin den blassen Todt gehe, weil Du mir deine Liebe entwendet hast! Wann Du dieseZailen erheldst, bin ich nimmer unter den Lebendichen, sondern bereits in des TodtesSchalen anwesend! Oh, theure Lisi! meine Liebe zu dir war zu überhäuft in der großenMohrengasse! Besonders gestern Abends, wie ich dich mit dem Korporal von der Musichgehen geseh'n hab', der gerad so dick und ungebüldert ist, wie das Pomparton, was erblast, weil er ein nicht einmal dangt, wann man ihm griest. Der Lümmel, wann er Dirlieber ist, Lisi, so behald ihm und heirade! Ich aber gehe heute Abends jedenfalls inden blassen Tobt! — Oh, theure Lisi, warum hast Du mir daß angethan, das ich jetztum acht Jahre friher dem kühlen Grabe beiwohnen muß in den Wällen und Fludtener regulirten Donau beim Kohmunialbad trunten? Lebe wol, lebe wol, Ungetreue schlängeund denke an jedem 22. an Deinen unaussprechlichen unglücklichen Athanasius Zwerler."— Richter: Sie haben in diesem Vriese die Absicht kundgegeben, sich das Leben zunehmen? Warum haben Sie dies nicht ausgeführt? — Angekl.: Ich bitte, die Liebe istheute noch wegen der Lisi so überwältigt in meinem Busen, aber wie ich zu mir selbstgekommen bin, hab' ich auf dem Wachtzimmer g'schlafen und der Herr Inspektor hat nurein Glas Wasser geben, weil ich Durst gehabt hab'. Sonst weiß ich gar nichts. — Nachder Aussage der Zeugen war der Angeklagte allerdings so arg bekneipt, daß die Sacheweit mehr einem gewöhnlichen Wein- als einem Liebssrausch ähnlich sah. Der'Richtersprach deshalb den Angeklagten von der ihm zur Last gelegte» strafbaren Handlung freiund verurtheilte ihn blos wegen Volltrunkenheit zu einer vierundzwanzigstündigen Arrest-strafe. — Der Angeklagte bemerkte hieraus: Oh, die Liebe! Bis in den schwarzen Arresthat sie mich gesetzesreinen Menschen getrieben! — Richter: Trösten Sie sich» IhreStrafe ist keine entehrende und ein paar Stunden Arrest sind noch immer bester als derTod in der Donau .
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