Ausgabe 
(19.5.1883) 40
 
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Förster. «Er will dadurch verhindern, daß sein Name auf einem Leichenstein zwischendenen seiner Untergebenen steht! Das ist seinem Stolz zuwider, und lieber soll Anna'SSarg an Ludwig's Seite stehen, der doch in der Reihe seiner Söhne den letzten Platz

einnimmt!" . . ^

Er niag diesen Gedanken gehabt haben, ich will Dir dann nicht widersprechen,allein nach meiner Ansicht gehört die Frau an die Seite ihres Mannes, im Leben, sowieim Tod-"

Wenn das sein kann, und wo das sein kann."

Allerdings, doch hier kann das sein, und würde nur Dein Wille sie trennen.Schon Deiner Enkelin wegen darfst Du das nicht thu»-"

Meiner Enkelin wegen?"

Ja, Kohring; soll sie denn einmal, wenn sie so alt ist, daß sie die Sache begreifenkann, die Grabstätte ihres Vaters in der alten Familiengruft, die ihrer Mutter auf demKirchhof von Bodenwald suchen? Was würde sie über solche Trennung ihrer Elternnach dem Tode denken, welche Fragen an Euch richten?"

Vergmann's ruhige Vorstellungen, denen sich die Frauen anschlössen, fanden endlichbei dem Förster so weit Gehör, daß er bis zum nächsten Morgen Bedenkzeit forderte,und der Verwalter sich erbot, seine Antwort holen zu wollen.

Vergmann's kehrten bald, begleitet von Frau Albrecht, die einstweilen dem Haus-stand in der Försterei vorstand, nach Vodenwald zurück, und als am nächsten Morgender Verwalter wieder bei den Freunden erschien, die er bei der Leiche ihrer Tochter auf-suchen mußte, sagte der Förster ihm die Hand reichend, während er mit der andern aufdir regungslose Hülle seines geliebten Kindes deutete:

Bergmann, sie soll neben dem ruhen, dem seit ihrer Kindheit ihr Herz zugehört,ich bin damit einverstanden. Sage das dem Landkammerrath, und sorge in meinemNamen für das klebrige, bannt Alles rechtzeitig besorgt ist!"

So ward denn Anna von Bodenwald neben ihrem Gatten beigesetzt.

Ei» vierspänniger Leichenwagen hatte den kostbaren Sarg vom Buchenhof nach deralten Familiengruft, und viele Bewohner der Nachbarschaft, wie alle vom Buchenhof,gaben ihr das Geleit.

An der Grenze von Bodenwald ward sie von dessen Gutsangehörigen in Empfanggenommen, an deren Spitze sich der Geistliche, der sie vor wenigen Jahren getraut,befand.

Ihr Vater und Bergmann fuhren zunächst dem Sarge, ihnen schloffen sich naheVerwandte und Bekannte und der Nechtsanwalt des Landkammerraths an, der von diese»dazu beauftragt worden.

Die Frauen folgten, so lange sie vermochten, mit ihren Blicken dem stillen düsternZug, der sich nur allzu deuilich auf dein weißen Schnee abzeichnete.

Die kleine Anna, welche nichts von der traurigen Feier wußte, und nicht ahnte,daß man die irdische Hülle ihrer Mutter zur letzten Ruhestätte brachte, spielte sorglosmit ihren Schätzen, die sie auf und um ihren Tisch herum aufgehäuft hatte.

Als die Wagen und auch die letzten Fußgänger ihren Augen entschwunden, sankweinend die Försterin in die Arme der treuen Freundin und ihren jungen Verwandten,und sagte mit kaum vernehmbarer Stimme:

Den Schlag werde ich nicht überwinden, ich fühle es hier" und sie legte ihreHand auf das Herzer wird der letzte Nagel zu meinem Sarge sein. Sagt aberKohring nichts davon, ich will es ihm ebenfalls zu verheimlichen suchen. Er muß erstwieder zur Ruhe kommen, es könnte sonst zwischen ihm und dem Landkammerrath ei»Unglück geben!"

Die nächste Pflicht der Hinterbliebenen von Ludwig von Bodenwald und seinerGattin war die Sorge für deren verwaiste Tochter, und hier trat Bergmann wiederumals Vermittler auf. Die beiden Großväter derselben hatten sich noch nicht wiedergesehen,