Ausgabe 
(19.5.1883) 40
 
Einzelbild herunterladen

319

Die geborgte Ananas.

Eine sehr drollige Reminiscenz an die berühmte Tragödin Nachel wird in fran-zösischen Blättern wieder aufgefrischt. Die Künstlerin stand, nicht mit Unrecht, in demRufe, zuweilen etwas knauserig zu sein. Eines Tages gab die Phädra des Theatrefranqais eines ihrer berühmten Diners, wo sich an ihrer Tafel die Elite der Kunst, derLiteratur und der Aristokratie vereinten. Unter den Geladenen befanden sich der HerzogSän Teodoro von Neapel , Prinz von Walderer, mehrere Marquis, Künstler, Scribe,Auber, Herzog von Noailles, Augier, Ponsard und andere Geistesnotabilitäten. Am Tagedes Diners erschien sie in der Wohnung eines Kritikers, der ebenfalls zu den Gästenzählte, und sagte:

Lieber Freund, Sie müssen mir bei der Wahl des Dessert hilfreiche Hand leisten,mein Wagen steht vor der Thür, ich entführe Sie."

Der Mann des kritischen Nichtschwertes mußte sich bequemen und der ungestümenFreundin folgen. Man fuhr in das Palais Noyal zu dem weltberühmten Delikatessen-waarenhündler Chevet. Mademoiselle Nachel wählte die schmackhaftesten Früchte, kostbarexrirnouis rc. aus. Plötzlich präsentirt ihr Chevet eine herrlich duftende Ananas.

Wünschen Madame vielleicht eine Ananas als Mittelstück einer Fruchtpyramide?"

n'Irös dien! Was kostet sie?"

Siebzig Francs, Madame."

Man befand sich damals im Jahre 1819, einer Epoche, wo wenig große Dinersstattfanden, und die von den Antillen kommenden Ananasse waren selten. Das vermochtejedoch in den Augen der Rache! diesen exorbitanten Preis nicht zu rechtfertigen.

Siebzig Francs!" rief sie in einer tragischen Poseaber das ist ja un-geheuerlich. Ich kaufe sie nicht, doch halt wie wäre es, wenn Sie mir die Ananasborgten? Es ist immerhin ein hübscher Tafelschmuck, und nach dem Diner sende ichIhnen die Frucht unversehrt wieder zurück."

Lächelnd ging Chevet auf den originellen Vorschlag seiner berühmten Kundin ein»Der Abend kam und mit ihm das Diner, welches, wie immer, süperb war. Man trägtdas Dessert auf und inmitten der Fruchtabundantia thront mit königlicher Würde dieChevetsche Ananas. Da die Gastgeberin sich wohlweislich hütete, von dieser kostbarenFrucht anzubieten, keiner der Geladenen aber so naschhaft erscheinen wollte, als Ersterdie Ananas anzuschneiden, so ging Alles vortrefflich und die Nachel war bei rosigsterLaune. Doch die Künstlerin hatte ohne den boshaften Kritikus gerechnet. Sich zu seinemNachbar, dem Herzog von Noailles wendend, sagte derselbe plötzlich mit halblauterStimme:

Und die Ananas? Wäre es nicht Zeit, ihr ernstlich auf den Leib zu rücken?"

IHiIcui, Sie haben recht, mein Freund," ruft der Herzog, welchem schon langeder Mund wässerte, erhebt sich und reicht die Ananas seinem kritischen Tischnachbar,welcher alsbald unter dem beifälligem Gemurmel der gesammten Tafelrunde die herrlicheFrucht kunstgerecht zu zerlegen begann. Die Nachel erbleichte» sie warf dem hämische»Kritikus einen vernichtenden Blick zu und hatte Mühe, ihre Wuth unter einem gezwungene»Lächeln zu verbergen. Die Künstlerin hat seit jenem Tage noch manches Diner gegeben,der ananasliebende Kritiker befand sich niemals mehr unter den Gästen.

(Aus der griechischen Geschichtsstunde.) Hm! Ruhe! Wir waren dasletzte Mal stehen gebliebenHaberkorn, machen Sie 'mal das Fenster zu!" beidem Beispiele heldenmüthiger Vaterlandsvertheidigungganz zu, Habsrkorn!"der Thermopylen durch den SpartanerfürstenRiimplsr, ich höre Sie schon wiederbrummen!" durch Leonidas . Das Wort Thermopylen heißt, wie Sie eigentlich schonwissen sollten, auf deutsch :Flegeleien lieber Bretterschneider, dulde ich in meiner