„Um wieder hierher, zu denselben Menschen und in dieselben Verhältnisse zurück-zukehren? — Nein, das kann ich nicht, ich muß eine andere, mir ganz fremde Umgebunghaben —"
„Und die kleine Anna — Ihre Nichte hier?"
„Meine Enkelin nehme ich mit, und Du, Wilhelmine", wandte er sich dann andiese, „willst Du mich ebenfalls in die neue Heimath begleiten?"
„Ja, Onkel", antwortete Frau Albrecht bewegt.
„Kannst Du Dich aber auch entschließen, die alte aufzugeben, auf lange Zeit vonihr getrennt zu sein?"
„Ja, Onkel, das kann ich, denn in der alten Heimath habe ich alles begraben, wasmeinem Herzen lieb und theuer gewesen!"
„Kohring", sagte jetzt die Verwalterin, die noch kein Wort gesprochen sondern nur«oll Besorgnis; die leuchtenden Augen und glühenden Wangen ihres langjährigen Freundesbetrachtet hatte, „fast sollte man meinen, Sie hätten bereits einen Aufenthalt, der Ihnen'»sagt, gefunden."
„Das habe ich auch, Frau Bergmann."
„Und wo ist er?" fragte schnell der Verwalter.
„Das ist vorläufig noch mein Geheimniß, und wird es Euch noch lange bleiben,denn Ihr werdet gewiß meinen Wunsch ehren und unseren künftigen Wohnort nicht zuentdecken suchen."
„Das kann aber nicht lange währen, Kohring, bedenke, wir Beide sind VormünderDeiner Enkelin!"
Bis zu ihrer Mündigkeit werde ich Sorge für sie tragen", entgegnete entschiedender Förster. „Sollte ihr oder mir etwas Menschliches begegne«, so wirst Du davon inKenntniß gesetzt!"
„Und ihr Vermögrn?"
„Verwalte es, wie Du angefangen! — Ich habe es zurückgewiesen, vielleicht thutauch sie es einstmals bei ihrer Mündigkeit!"
Eine längere Pause trat em, dann erhoben sich Bergmann's und der Verwalter sagte:
„Kohring, wir nehmen heute noch nicht Alles, was Du uns gesagt, als beschlossenund abgemacht an, und hoffen, Du läßt morgen noch mit Dir reden!"
„Nein, Bergmann, es bleibt bei dem, was ich gesagt habe!"
„Und kannst Du Dich wirklich so leicht von den Gräbern der Deinen trennen?"
„Von ihren Gräbern, nachdem ich mich von ihnen selbst habe trennen müssen? —
Sie würden mich, wollte ich hier bleiben, bald nach sich ziehen, und ich muß der kleinen
Waise wegen leben, wie ich es ihrer Mutter versprochen! — Auch weiß ich die Gräber
hier in guter Hut, und die Geister der Meinigsn sind um mich, wo ich auch bin!"
„Guts Nacht denn, Kohring» — —"
„Gute Nacht, alter Freund", und er reichte ihm und seiner Gattin seine Hände,„gute Nacht Frau Bergmann! — Erhaltet mir, wo ich sein möge, Eure Freundschaft,ich werde Euch das treueste Andenken bewahren!"
Sie drückten sich herzlich und bewegt die Hände, dann gingen Bergmann's ihrerWohnung zu, der Förster aber in sein Zimmer, nachdem er noch vorher seine schlafendeNichte geküßt. —
XIII.
Die Kindheitslage von Förster Kohrings Enkelin verflossen in einem herrlichenWalde, an dessen Eingang seine Dienstwohnung lag. Zur Sommerszeit mit den VögelnLie in den Bäumen nisteten und sangen, mit den Eichhörnchen, die auf deren Zweigeund Aestö umhersprangen; mit den schillernden Schmetterlingen und Insekten, die, wein;sie Blumen pflückte, oder Waldbeeren und Kräuter suchte, sie umflatterten, oder bei ihrim Grase krochen und an ihr vorüberschössen, und dir, wenn sie besonders schön waren,