Ausgabe 
(23.5.1883) 41
 
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,re zu hasche» strebte, doch nur, um sie sich genauer anzusehen und ihnen die Freiheitwieder zu geben.

Aber auch zur Winterszeit hatte der Wald große Anziehungskraft für des FörstersEnkelkind. Wenn da, so weit ihr Auge reichte, der Schnee den Erdboden, die Zweigeder Bäume, die grünen Tannen und Gebüsche deckte, so daß sie in der hellen Dezember-oder Januarsonne glänzten und glitzerten, dann jubelte sie laut und eilte, unbekümmertum Kälte und Einsamkeit, bewundernd von Baum zu Strauch , schüttelte diese auch wohl,daß sie einen Theil ihrer Last auf sie herabfallen ließen, und lief dann lachend weiter,gefolgt von einem großen Neufundländer, den ihr der Großvater als Hüter und Gefährtegegeben. Die Waldvogel schrieen dann wohl über ihrem Kopfe, und wären mit denEichhörnchen näher gekommen, denn sie kannten des Försters Enkelkind, das zur Winters-zeit ihnen Futter brachte, allein sie fürchteten seinen Begleiter, dessen tiefes, munteresBellen weithin hörbar war.

Gefahr gab es für sie im Walde nicht, da ihr Großvater, die Forstgehülfen undJägerburschen stets darin beschäftigt waren, und auch die Axthiebe der Holzhauer, dieringsum herrschende Stille unterbrachen. Ebensowenig kannte sie aber Furcht, denn dieBäume und Sträucher, die Rehe und Hirsche, welche sich blicken ließen, waren ihr gleichlieben alten Freunden vertraut, und von ihrem Wolf begleitet, wäre sie zu jeder Tages-zeit in den Wald gegangen, um ihren Großvater aufzusuchen, oder Bestellungen für ihnauszurichten.

Fast sieben Jahre hatte bereits Förster Kohring mit seiner Nichte und Enkelin imnördlichen Deutschland gelebt. Sie waren nicht spurlos an ihm vorübergegangen, seinHaar merklich ergraut, seine Züge tief gefurcht, doch war ihm die stattliche, aufrechteGestalt und auch die kräftige Gesundheit früherer Jahre geblieben. Die Zeit hatte denSchmerz um den so frühen Verlust seiner Kinder und Gattin gemildert, doch war seinerHerzensivuude der Stachel geblieben, der sich bald mehr, bald weniger geltend machte.

Aus der alten Heimath und von den alten Freunden und Bekannten hatte erwahrend all' der Jahre nichts erfahren; sein Freund, der Nschtsanwalt schrieb ihm zwarbei jedem Jahreswechsel, doch wurden, wie verabredet, nur Geschäftsangelegenheiten er-wähnt. Sein jetziger Aufenthalt sagte ihm zu; er hatte einen bedeutend größerenWirkungskreis als er in Vodenwald gehabt, und war ihm dieser die beste Zerstrennng»

Frau Albrecht, die sich während der verflossenen sieben Jahre kaum verändert,fühlte sich ebenfalls in der neuen Heimath wohl, in der sie gleich ihrem Onkel sich jederVerbindung mit der alten enthalten. Sie war ihm eine treue Tochter, seiner Enkelin eineliebevolle Mutter geworden und stand mit Eifer und Umsicht seiner großen Haushaltungvor.

(Fortsetzung folgt.)

T o n k i »r g.

Während de Vrazza sich aufgemacht hat, um das Congo Gebiet für Frankreich zuannectiren, ist die französische Republik im Begriff, in Hinter-Asien einen Conflict auf-zunehmen, dessen Tragweite noch nicht zu übersehen ist- Die allgemeine Lage scheintfreilich keineswegs dafür einladend. Jules Simon bezeichnet sie in seinem neuesten Buchmit dem Worte:keine Regierung im Innern und i>» Ausland kein Frankreich ." Abervielleicht eben weil die Republik in Europa isolirt und ohne Einfluß ist, fühlen die gegen-wärtigen Machthaber das Bedürfniß, ihre Macht im fernen Osten zu heben und sich selbstim Sattel zu halten. So tragen sis denn trotz der immer bedenklicher werdenden finan-ziellen Lage, welche in sinkenden Einnahmen und steigenden Deficits sich kundgibt, keinBedenken, fünf Millionen zu fordern, um Frankreichs Ansprüche i» Tonking sicher zustellen. Daß dieser Credit bewilligt wird, ist kaum zu bezweifeln, obwohl die Masse dessranzösiichen Volkes gar nicht kriegerisch gesinnt ist und genug an der tunesischen Inter-vention hat, welche ihm so schwere Summen gekostet hat. Wie das Unternehmen ab-