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Flusses fordern sollte. Je nach der Haltung des Hofes zu Huä sollte das Vorgehenzu einem Protectorat oder Gründung einer Colonie führen. Garnier, der das Landbereits gut kannte, erschien am 6. November 1873 mit einer kleinen Macht in Hanoi,kam sofort mit den Mandarinen in Conflict, besetzte die Stadt und nahm die Regierungdes Landes mit bc!vuiid,rnswerther Energie in die Hand. Aber in einem Treffen mitRäubern fiel er frühzeitig und inzwischen war auf Andringen des Hofes von Huä vonSaigun Air. Philaster gesandt, der alles rückgängig zu machen suchte, was Garnier ge-than, Hanoi wurde geräumt und Dupuis gezwungen, sich zurückzuziehen. Der Vertragvom 15. Mai 1874 anerkannte indeß die frühern Annexionen Frankreichs und beseitigtedie Suzerainetät China's, indem die Unabhängigkeit des Königs von jeder fremden Machtin einer besondern Clausel ausgesprochen wurde. Annam versprach, seine auswärtigePolitik nach der Frankreichs zu richten, wofür dieses ihm Schutz gegen fremde Inter-vention und Seeräuber zusicherte und militärische Jnstructoren, Ingenieure und Zoll-beamte zu schicken versprach. Der christlichen Religion wurde volle Duldung zugesagt,drei Häfen in Tonking und der ganze Lauf des Rothen Flusses sollte dem auswärtige»Handel geöffnet sein, und in jenen Häfen französische Consuln eingesetzt werden mitGerichtsbarkeit über alle fremden Ansiedler jeder Nation, die auch nur mit französische»Pässen im Lande reisen dürften. Dieser Vertrag, gegen den China sofort kraft seinersuzsrainen Rechte über Tonking protestirte, zeigte sich in zwei Hauptpunkten als unaus-führbar. Ein Mal konnte kein auswärtiger Staat zugestehen, daß seine Angehörigen,welche in einem als unabhängig anerkannten Lands wohnten, der Gerichtsbarkeit fran-zösischer Beamten unterworfen seien, und bei etwaigen schweren Anlagen zur Aburtheilungnach Frankreich geschickt werden könnten. Sodann ist aber der Rothe Fluß nicht wirklichgeöffnet, weil einerseits Räuberbanden dem entgegentraten, anderseits chinesische Truppe»von Norden in Tonking einrückten, indem der Hof von Peking nicht erlauben will, daßFrankreich in einer von ihm abhängigen Provinz die große Verbindungsader zwischenMinna» und der See beherrscht; Annam aber erklärte sich außer Stande, den Vertraggegen diese doppelten Störungen durchzuführen. Daraus ergaben sich denn fortwährendeConflicte, in deren Verlauf die französische Politik je nach den innern Strömungenwechselte. Der Gesandte der Republik in Peking , Mr. Bourröe, hat in einem Vertragedie suzerainen Rechte China's anerkannt, wie behauptet wird mit Zustimmung des Präsi-denten Grövy, welcher der ganzen Unternehmung abgeneigt ist. Das gegenwärtige Mini-sterium aber hat die Ratifikation des Vertrages verweigert, den Gesandten abberufenund will ostensibel den Vertrag von 1874 zu voller Ausführung bringen, thatsächlichTonking in einer oder der andern Form unter Frankreichs Botmäßigkeit bringe». Esbraucht kaum gesagt zu werden, daß England bei seiner Stellung in China diesem Unter-nehmen eben so ungünstig ist, wie den Ansprüchen, dir Frankreich in Madagascar und. am Congo geltend machen will. (Kreuzzeitung.)
Soldköruer.
0. Es ist Geduld ein rauher StrauchVoll Dornen aller Enden,
Und wer ihm naht, der merkt es auchAn Füßen und au Händen.
Und dennoch sag' ich laß die Müh'
Dich nimmermehr verdrießen,
Sci's auch mit Thränen spät.und frühIhn treulich zu beziehen.
Urplötzlich wird er über NachtDie Mühen Dir belohne»,
Wenn über all den Dornen lachtEin Strauß von Dornenkrone».