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es wurde in Wien aufgeführt, doch lange nicht mit dem Erfolg und der Wirkung, wiezu Rom . Deshalb glaubte man, der römische Kapellmeister habe ein unechtes gesandt,und er wurde abgesetzt. Nachdem er sich gerechtfertigt, wurde er wieder aufgenommen;das echte Miserere hatte er wohl nach Wien geschickt, aber den Geist, welcher demselbeninnewohnt, konnte er eben nicht absenden. Der Heroe der Musik, Mozart , hörte es zwei-mal und schrieb es dann auswendig nieder. Im Jahre 1860 wurde es in Wien wieder-holt aufgeführt und ist jetzt eine Abschrift von demseben vorhanden in der Nusisa saorabei Kühne!. Auch vom König Friedrich Wilhelm IH. von Preußen ist bekannt, daß erim Jahre 1822 in Rom die sixtinische Kapelle hörte und die Aufführungen derselbenungemein lobte. Von dem bedeutenden Musikkenner und Musiker Mendelssohn dagegenwissen wir, daß er, nachdem er die Kapelle gehört, in einem Brief an seinen Lehrer Zelterin Berlin schrieb, daß die Leistungen nicht gar so großartig seien, wie man ihm erzählt,und wie er gelesen. Betreffs dieses Urtheils dürften vielleicht die Worte hierher gesetztwerden: „äs ^ustibus non s^t ämputunäum."
Hoffen wir, daß das weltberühmte Institut nicht seinen Ruhm verliert oder gar aufden Aussterbeetat gesetzt wird! Wer des Weitem sich mit der Kapelle beschäftigen will,findet hinreichenden Stoff in der „Geschichte der sixtinischen Kapelle" von Adrien de laZage und in der „päpstlichen Süngerschule in Rom " von Eduard Schelle.
Was uns -er Strumpf erzählt.
Der Gebrauch der Strümpfe, wie wir sie heut' zu Tage tragen und jetzt täglichunter den fleißigen, deutschen Frauenhänden entstehen sehen, ist noch nicht so gar uraltenDatums und Ursprunges.
Die Alten trugen bekanntlich überhaupt keine Strümpfe; die Römer umwickeltenihre Beine mit Binden, und auch später bedienten sich ihrer vorerst nur Weiber, Krankeoder für weichlich geltende Personen. Erst im 5. und 6. Jahrhundert wurde der Gebrauchdurch die Germanen ein allgemeiner, und zwar bestanden jene Strümpfe aus Leder, Tuchoder Wollenzeug, und waren mit den Hosen gleich verbunden, bis dann — erst im Jahre1560 — durch die Schweizer gestrickte Strümpfe aufkamen.
Die Königin Elisabeth von England (1556—1603), welche nicht nur, wo sich irgendeine Gelegenheit bot, die brittische Mannfactur zu fördern suchte, sondern auch außerdemeine große Vorliebe für fremde, schöne Kleidung und Moden besaß, mochte fortan garkeine Tuchstrümpfe mehr tragen, nachdem man in ihrem dritten Negierungsjahr, so baldgestrickte Strümpfe aufgekommen waren, ein Paar davon ihr überreicht hatte, so wohlwar sie zufrieden mit der neuen Errungenschaft. Diese Strümpfe der Königin bestandenaus Seide, und waren in England selbst verfaßt, d. h. gestrickt worden, was als einensehr großer Triumph der Kunst und Wissenschaft galt; die Strümpfe damaliger Zeit be-standen sämmtlich und allgemein aus Seide, Leinwand, Wolle, gezwirnter Gaze, feineremGarn oder Tuch von allen Farben, mit Zwickeln, offenen Säumen u. s. w. MariaEtuart z. B., Elisabeth's besiegte Feindin, trug bei ihrer Hinrichtung Strümpfe vonblauer Wolle mit Silber durchwebt, und darunter ein Paar weiße.
Aber auch die Zeit war nicht mehr fern, wo alle mit der Hand gearbeiteten Strümpfein den Hintergrund treten sollten, während das Tragen von Strümpfen nun allgemeingebräuchlich wurde, denn es nahete, als wichtiger Moment in der Lebensgeschichte derStrümpfe der „Strumpfwirkerstuhl" in eigener Gestalt, erfunden 1589 durch William Leein Cambrigde , welchem dafür die Ehre zu Theil ward, nebst seinen Brüdern zu „Hof-lieferanten" ernannt zu werden, d. h. sie durften die Strümpfe ihrer Majestät arbeiten.
Concurrenzneid trieb sie später dann nach Frankreich ; so gelangte die Strumpf-wirkerei auch nach dorthin zu Anfang des 17. Jahrhunderts, während sie in Deutsch-land erst anno 1700 erschien, um sich dort in Erlangen , und später namentlich im sächsischenErzgebirge heimisch zu machen. —
Der Strumpfwirkerstuhl erfuhr freilich im Laufe der Zeiten mancherlei Lerände»