Ausgabe 
(26.5.1883) 42
 
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ungen und Verbesserungen, und das Tragen von Strümpfen ist so allgemein Brauch undSitte, daß man fast meint, es müsse gar immer so gewesen sein, und doch hat es einsteine Zeit gegeben, in der noch nicht der Strickstrumpf der beachtenswerthe Concurrentdes Strumpfwirlstuhles das rechte, echte Attribut der deutschen Hausfrau, ihr Zufluchtsort,ihr zweites Ich und schönes Vorrecht war!

Andere Zeiten, andere Sitten! Würde man doch jetzt aucy recht erstaunt dreinblicken, wenn ein Paar Strumpfbänder noch ein ebenso kostbarer Gegenstand wären,wie damals, zur Zeit der Königin Elisabeth, wo das Paar oft fünf Pfund» also etwa100 Mark, kostete!

Nein, auch das besorgt der deutsche Strickstrumpf heut' zu Tage billiger!

Klara Reichner.

N h e i n f a h r t.

Nun rinnen alle QuellenGebt Ränzlein mir und Stab:Mit fröhlichen GesellenZieh' ich den Rhein hinab!

Weiß keiner um den andern,

Sind doch sich herzlich gut:

Im Frühling muß man wandern,Da blüht so reich der Muth.

Seht ihr das Land sich spiegelnIm Strom, der fluchend kreist?Laßt feiernd uns entsiegelnDer Rebe kühnen Geist!

Stoßt an, die Jugend lebe,

Die Liebe und der Wein,

Durch's Blau ein Engel schwebe,Und Frühling soll es sein!

Der schroffe Fels mit Schweige»Blickt nieder, burggekrünt,

Doch bald mit sanftem ReigenEr sich dem Thal versöhnt.

Mit bräutlichem ErschwellenSein User küßt der Strom,

Es schaut sich in die WellenDie Stadt mit ihrem Dom.

Wohl mag auf weiter ErdeManch trautes Plätzchen sein,Doch stets ich rasen iverde:

Am schönsten ist's am Rhein !Mögt ihr den Borzug gebenNeapel und Byzanz :

- Es ist nur halbes Leben,

Am Rhein nur lebt sich's ganz!

Du Fei mit blonde» Haaren,Geliebtes Schifferkind,

Du möchtest wohl erfahren,Wer die Geselle» sind?

Die Herzen sich erweitern,

Du knüpfst die Locke los;

Wie freudig wollt' ich icheiterBor deinem Zauberschloß l

Wie lieblich hat die SageSeit Alters ihn verklärt lBis in die jüngsten TagsHat sich fein Ruhm bewährt lWo echtes Lied erklungenIm weiten, deutschen Land,Bon ihm hat es gesungen,Und er gibt ihm Bestand.

O Lust, sich hinznwiegenAuf feuchter Wasserbahn,Wenn gold'ne Wolken fliegenUnd milde Lüfte nah'n!

An grünen Rebenhänge»Vorüber geht die Fahrt,Vergang'ne Zeiten dränge»Sich j» die Gegenwart.

Wie Griechenlands Camöne*)An Delphi's Quell geruht,

So schöpfen deutsche SöhneAus feiner grünen Fluth:Da singt so säusle WeiseDer Nixe Zaubermund,

Und jeder Schmerz wird leiseUnd sinkt hinab zum Grund.

Wie einst der kluge Hagen- Das blinkende Geichmeid',Hab' ich in schlimmen TagenDarin versenkt mein Leid;Des Herzens Wünsche strebenZurück mir an den Rhein :Am Rheins möcht' ich lebenUnd auch begraben sein!

Geschrieben in der Türkei im Frühlinge des Jahres 1876.

Franz Wisbacher.

*) Muse.