M i s - s l l e,r.
(I'iillö i8 mone^.) Eine humoristische Geschichte, die sich auf der tragischenBrandstätte des Berliner National-Theaters abspielte, wird in den Theaterkreisen Berlins erzählt. Als Herr Hofbuchdrucker Möser vor dem Gebäude angelangt war und in höchsterAufregung mit den Feuerwehrleuten conferirte, benutzte ein Herr die ungemein passendeGelegenheit, um sich dem Besitzer des Theaters — vorzustellen. Es war dies HerrBenno von Donat, der Direkter des National-Theaters, welcher die Bekanntschaft desBesitzers noch nicht gemacht hatte. Herr Möser, der in diesem Augenblicke wohl Andereszu thun hatte als gesellschaftliche Artigkeiten auszutauschen» lehnte in seiner begreiflichenIrritation mit den Worten: „Ich habe keine Zeit, übrigens hätten Sie sich mir schonlängst vorstellen sollen" ab." Herr v. Donat ist wirklich Stoiker eoinm il kaut, dasWort des Horaz „auixe Iioras" scheint einen „unauslöschlichen" Eindruck auf ihn ge-macht zu haben.
(Ein geriebener Junge.) Die „Düsseld. Volksztg." erzählt: Ein frühererProfessor am Düsseldorfer Gymnasium erzählte, daß er am zweiten oder dritten Tageseines Hierseins sich im Nebel verlaufen und seine Wohnung nicht habe finden können.Er fragte deshalb einen Jungen von hier: „Kleiner, wenn Du mir zeigst, wo dieSchadowstraße ist, so erhälst Du zwei und einen halben Silbergroschen." „Dann müßtehr se mir evver vorher gebe," habe der Junge geantwortet. Seinem Wunsche sei will-fahrt worden, worauf der Junge seine Kührerdienste dadurch kurz erledigte, daß er sagtet„Här, ehr steht drop!" Der Junge, der die Wahrheit gesagt hatte, sei darauf im Nebe!verschwunden.
(Ein Haar im Zopf gefunden.) Der Pariser „Figaro" weiß genau Bescheid,wie die österreichische Kaiserin frisirt wird. Er erzählt, daß die Friseurin Ihrer Majestät-erst dann, wenn andere Dienerinnen bereits alle Vorarbeiten gemacht, hinzu tritt, umdie Coiffure zu vollenden. Die Kaiserin hat bekanntlich sehr schönes langes Haar undda habe nun — so will das genannte Blatt erfahren haben — eine Steirerin die Haare,welche beim Auskämmen am Kamme verblieben gesammelt, zu einem Zopfe gebundenund denselben zum Preise von mehreren tausend Gulden einem reichen Engländer ver-kauft. Am österreichischen Hofe jedoch sei man sehr empört gewesen über diesen Miß-brauch und habe die Betreffende sofort ihres Dienstes entlassen.
(Das Eldorado der Avokaten) scheint der Staat Newyork zu sein. Dortfinden unter einer Bevölkerung von etwa 5 Millionen Menschen nicht iveniger als 8000bis 10,000 Advokaten ihr tägliches Brod. In ganz England gibt eS nur 11—12,000Advokaten. _^
(Auch ein Scheidungsgrund.) Advokat: -Sie wollen von Ihrem Mannegeschieden werden — welchen Scheidungsgrund haben Sie?" — Dame: „Wissen Sie,ich kann so 'ne gute andere Partie machen."
Original-Lilben-Näthsel.
* Drei Silben breiten über MausoleenDie schlanken Arme leidverkündend aus.
Sie sind des Todes prunkende TrophäenUnd mahnen an des Menschen letztes Hans.Du hörst in ihnen Geisterstimmen wehen.
Und es ergreift dich Wehmuth, Furcht und Graus;Wo sie ihr traurig stolzes Haupt erheben,Verstummt die Lust, ersterben Krast und Leben.Drum tilg' die erste Silb' und epikurischLachet dir das Leben, denn ein Kunstgebild,Dem Weingott werth, erscheint, worauspurpurischEin Freudenborn aus tausend Ritzen quillt:
Ergreif ein Trinkgesäß, sei es etrurisch,
Seis vom gemeinsten Thon, und ist's gefüllt,Entleer' es, schlag die Grabgedauken niederUnd still' es aus dem Kunstgebild Dir wieder.Doch dies versiegt mit seiner FreudenqucllcRaubst Du ihm vorne nur ein Zcichcnpaar,
Es wandelt sich eine in wahre HölleMit einem Funkensprühenden Altar.
Trübscl'ge Gnomen steh'n an seiner Schwell«Und bringen Opfer dem Vulkane dar.
Allein besäng ich ihre schwarze Thaten,
Dieß Räthsel würd' ein Kind sogar errathen.