zur
„Äugslmrger postzeitimg."
Nr. 43.
Mittwoch, 30. Mai
1883.
Des Försters Enkelkind.
Original'Novelle von Mary Dobson.
(Fortsetzung.)
Frau Albrecht empfand bereits die aufrichtigste Theilnahme mit der Gräfin Stein-horst und war geneigt auf ihren Wunsch einzugehen, während auch ihr Onkel für die Frau,die er ihres rastlosen Wirkens willen hochachtete, eine Art Mitleid fühlte. Seine Nichtebedeutungsvoll ansehend, erwiderte sie dies durch einen bejahenden Blick, worauf er zuder Gräfin sagte:
„Wir können es ja einmal mit dem Junker versuchen, Frau Gräfin , und sehen,wie wir uns gegenseitig gefallen!"
„Das freut mich, Herr Förster", erwiderte diese sichtlich erleichtert, und fügte, sichan seine Nichte wendend, hinzu: „Sind Sie auch der Ansicht, Frau Albrecht?"
„Gewiß, Frau Gräfin , ich stimme mit meinem Onkel überein!"
„Nun gut, so versuchen wir es, obgleich ich glaube, mein Enkel wird sich IhreZuneigung bald erwerben. Ünd nun noch eine Frage — eine Geschäftsfrage — wieviel Kostgeld beanspruchen Sie?"
„Wie viel Kostgeld?" fragte einigermaßen überrascht der Förster, der an ein solchesnoch nicht gedacht. „Lassen wir das einstweilen, Frau Gräfin -"
„Nein, nein", erwiderte diese schnell und ihre Wange röthete sich leicht, „habe iches doch auch dem Professor bezahlt! — Ich werde Sie doch den Grafen Steinhorstnicht umsonst unterhalten lassen, wenn es auch kein Geheimniß geblieben, daß er derärmste seines Namens ist."
Frau Albrechts Züge verriethen eine plötzliche Besorgniß, denn auch das Gesichtdes Försters röthete sich, der eben noch so wohlwollende Ausdruck desselben schwand undmit scharfer Betonung erwiderte er:
„Nein, Frau Gräfin , das können Sie allerdings nicht! — Für den Grafen Stein-horst muß natürlich ein Kostgeld bezahlt werden und so sagen Sie mir, wie viel Sie demProfessorgegeben?"
„Jährlich vierhundert Thaler, außer einigen Nebenausgaben", erwiderte ruhig dieGräfin, während Frau Albrecht ihren Onkel noch immer besorgt betrachtete.
„Dann wollen wir die Hälfte sagen, ohne alle Nebenausgaben", fuhr nach kurzemBedenken der Förster fort. Das Leben hier draußen im Walde ist billiger als in derStadt, und auf einige Hülfe kann ich bei dem Junker auch wohl rechnen, indeß derProfessor noch Arbeit und Mühe von ihm gehabt!"
„Damit bin ich einverstanden", antwortete die Gräfin, „vorausgesetzt, daß SieIhre Rechnung dabei finden!"