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„So wäre denn der Vertrag auf unbestimmte Zeit abgeschlossen, und ich werdedie erforderliche Ausstattung meines Eekels schicken; wann können Sie ihn aufnehmen?",
„Wann Sie wollen, Frau Gräfin !"
„Schon morgen!"
„Ich werde Ihnen ihn selbst zuführen!"
„Weiß der Junker, daß er Steinhorst schon wieder verlassen soll?"
„Ich habe es ihm diesen Morgen mitgetheilt und ihm zugleich vorgestellt, daß ersich die zur Verwaltung seiner Güter erforderlichen Kenntnisse erwerben müsse. SeinGroßvater und Vater hatten das nicht gethan, und ich habe mit den Folgen schwer zukämpfen gehabt!"
Sie setzten dies Gespräch fort, indeß Frau Albrecht sich rn's Haus begab, umeinige Erfrischungen zu holen. Die Gräfin nahm von dem ihr dargebotenen Wein undKuchen und fragte nach Anna, die sie ebenfalls kannte.
„Sie ist mit dem Mädchen in's Dorf gegangen", antwortete der Förster, „dochglaube ich, sie kommen zu sehen!"
Wirklich kamen Beide, begleitet von dem Neufundländer, die Straße gegangen,und zwar wie sich erkennen ließ, in lebhaftem Gespräch.
Der Weg über den Forsthof war bald zurückgelegt und während Christine, dieGräfin begrüßend, in's Haus ging, schritt Anna dem Platz vor der Thüre zu und begrüßteebenfalls den ungewohnten Gast, ihren Großvater und ihre Tante.
Diese erwiderten freundlich ihren Gruß, und ihr die Hand reichend, sagte die Gräfinin der ihr gewohnten schnellen und schroffen Sprachweise:
„Guten Tag, mein Kind. Kennst Du mich noch?"
„Gewiß", entgegnete Anna mit der ihr eigenen Unbefangenheit, ich habe Sie nochkürzlich in der Kirche gesehen!"
„Da hätte ich Dich doch auch bemerken müssen!"
„Ich war den Tag mit Christine gegangen, und weil wir uns verspätet, bekamenwir nur noch einen Seitenplatzl"
„Auf dem Kirchenweg sollte man sich nie verspäten, mein Kind", antwortete strengdie Gräfin, des Försters Enkelkind zugleich aufmerksam betrachtend.
„Es kam auch nur, weil wir einer kranken Frau Wein gebracht, den ich doch nichtmit in die Kirche nehmen konnte."
„Das ist allerdings wahr!" — Gewiß aber bist Du heute wieder bei Krankengewesen, denn Du, wie Deine Begleiterin hatten Körbe-"
Anna sah auf den Großvater, der sie liebevoll anblickend, sagte:
„Erzähle der Frau Gräfin nur, was Du und Christine in Vahrenwald gethan-"
Anna berichtete umständlich von ihrer Mission und Frau Steffens Dank und Freudeüber den Inhalt der Körbe und fügte schließlich hinzu:
„Die armen Kinder müssen sehr krank gewesen sein, denn sie sind schrecklich bleich,und können nicht gehen noch stehen."
Die Gräfin zog ihre Geldtasche hervor, nahm fünf Thaler aus derselben und sagte'sie Anna reichend:
„Du gehst gewiß bald wieder zu Frau Steffen, mein Kind, dann bringe ihr auchdies Geld für ihre kranken Kinder —"
„Das will ich thun, Frau Gräfin ", entgegnete lebhaft des Försters Enkelkind.„Darüber wird sie sich gewiß sehr freuen, denn sie hat Christine erzählt, daß ihr Mannfür die theure Medizin fast sein ganzes Geld ausgegeben."
Frau Albrecht reichte ihrer Nichte jetzt ebenfalls Kuchen und Wein, die Gräfin abersagte nach kurzer Pause:
„Du wirst einen Hausgenossen bekommen, mein Kind, Morgen bringe ich meinen
Enkel