»- 342
Pferde oder in Prachtkarrossen folgen die Krönungsoberzeremonienmeister, Zeremonien-ineisler, Kammerjunker, Kainmerherren, Hofmarschälle, die Kavaliere der fremden Prinzen,die Mitglieder des Neichsrathes und endlich der Oberhofmarschall. Die Leibschwadrondes Chevaliergarderegiments der Kaiserin und die Leibschmadron des Leibgarderegimentszu Pferde ritten unmittelbar vor dem Kaiser, dem in angemessener Entfernung folgtenGraf Woronzow-Daschkow, der Hausminister, der Kriegsminister und der Befehlshaberdes kaiserlichen Hauptquartiers, sowie die Adjutanten vom Dienst.
Das Gebrause des wildesten Hurrahschreiens kündigt das Herannahen des Kaisersan und verhallt, wie er im Zug langsam weiter reitend sich entfernt. Als Nebensonnenan diesem Himmel folgen jetzt die Großfürsten und die mit der kaiserlichen Familie ver-wandten, im russischen Dienst stehenden Fürsten fremder Häuser. Die GroßfürstenWladimir und Sergei sowie der Prinz Alexander Petrowitsch von Oldenburg standen inder Fronte. Unmittelbar vor dem Wagen der Kaiserin ritten die Generaladjutanten,Generale ä 1a suitö und Flügeladjutanten sowie das militärische Gefolge der fremdenPrinzen. Hatte sich der Zug bis jetzt durch Würde und Pracht ausgezeichnet, so brachtedie jetzt sich anschließende Abtheilung ein neues Element hinein. Der Wagen der Kaisernkommt herbei. Auf den lieblichen Zügen liegt eine gewisse Müdigkeit angedeutet, nichtdesto weniger beantwortet die Monarchin mit freundlichem Verneigen die huldigendenVernetzungen und die stürmischen Zurufe der Menge, durch welche sie passirt. DieKaiserin sah mit ihrer Tochter, der Großfürstin Tenia, in einem vergoldeten, reichgeziertenParadewagen, dessen beide Beschläge mit großen kaiserlichen Adlern in Diamanten aus-geführt, geziert sind. Die Decke des Wagens stellt eine zusammenlaufende Guirlande dar,die mit einer reich in Rubinen und Smaragden gefaßten Krone abgeschlossen wird. DieVorderwand und die Seiten des Wagens bestehen fast ganz aus Glas. In den Hang-riemen halten sich zwei Pagen in rothen goldgestickten Kostümen. Gezogen wardder Wagen von einem wundervollen Achtgespann von Schimmeln, neben jedem Thier einReitknecht; Stallmeister und Pagen, Kammerkosaken, Reitknechte beschlossen diese Ab-theilung. Die Toilette der Zarin und aller Festtheilnehmerinnen ist die national-russischeHostoilette, bestehend aus dem Sarafan (Unterkleid) aus weißem Seidenstoffe mit reichenGoldstickereien im byzantinischen Styl, einem Oberkleid mit langer Schleppe aus strohgelb-farbigen Sammt mit reicher Handstickerei, Arabesken und Blumen kunstvoll in Gold aus-geführt. Das Oberkleid ist dekolletirt, der Brusteinsatz reich in Gold gestickt und mitEdelsteinen besetzt. Die weit aufgeschlitzten sog. polnischen Aermel fallen in malerischenFarben nach rückwärts. Das seingeformte Haupt der Zarin ziert ein Kakoschnik, eineArt von Diadem aus demselben Stoffe bestehend wie die Schleppe, mit Arabesken ausEdelsteinen und Perlen benäht. Diese Kopfzier wird noch durch einen langen, weiten,reich drapirten Tüllschleier gehoben. Der schlanke Hals ist durch eine reiche Niviöre inBrillanten gehoben. Die rechte Hand ist wegen der mehrfachen religiösen Zeremonienvom Handschuh entblößt.
Der Kaiserin zunächst folgen in einer sechsspännigen reichvergoldeten Paradekassoredie liebreizende Großfürstin Maria Pawlowna (geborene Prinzessin von Mecklenburg-Schwerin ), Gemahlin des Großfürsten Wladimir, mit der geistvollen Alexandra Jossifowna,Gemahlin des Großfürsten Konstantin. Diese Galakarosse ist auf Befehl Friedrichsdes Großen für die Kaiserin Katharina II. erbaut worden, ist reich vergoldet, auf denWagenschlägen befindet sich inmitten einer Gruppe von reizvollen Amoretten der Namens-zug Katharina's II. Im Innern ist der Wagen mit zarten Malereien vom Pinsel derMaler Wattau und Boucher geziert. Die nächstfolgenden Abtheilungen bildeten dieGroßfürstin Olga Fedorowna und die Herzogin von Edinburgh ; die Herzogin Wera vonWürttemberg und Katharina von Oldenburg; die Prinzessin Maria von Baden und diePrinzessin Eugenia von Oldenburg, sowie die Herzogin Helene von Mecklenburg-Strelitz .Hierauf folgte die Leibschwadron des Leibgarde-Kürassier-Regiments des Kaisers und dieLeibschwadron des Kürassier-Regiments der Kaiserin. Sodann kamen Staatsdamen, Kammer-