Ausgabe 
(30.5.1883) 43
 
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fräuleiii und Hofmeisterinnen der Kaiserin und der Großfürstinnen, sowie die Hofdamender ausländischen Prinzessinnen. Den Beschluß des Zuges bilden die Leibschwadronendes Garde-Husaren- und Garde-Ulauen-Negiments. Mit der Ordnung des Zuges warensechs Zeremonienmeister betraut, welche zur Seite desselben ritten.

Um 3 Uhr erreichte die Spitze des Zuges die Stadt bei der Triumphpforte; aufkurz aufeinander gegebene Glockenzeichen vom Twerskoithurm und dem Iwan Welikiwurden 71 Salutschüsse gelöst. Hier erwartete den Kaiser Fürst Dolgoruki, der General-gouverneur von Moskau und Oberstkrönungsmarschall, umgeben von den kaiserlichenAdjutanten. Bei der alten Triumphpsorte und beim Eingang zum Semljanoigorod(Moskau , das in konzentrischen Kreisen um seinen Mittelpunct, dem Kreml, herangewachsenist, zerfällt in fünf Haupttheile, welche durch Mauern oder Boulevards von einander ge-trennt sind, einer dieser Theile heißt Semljanoigorod, so benannt nach den Erdwällen,welche Zar Michael Feodorowitsch aufführen ließ und an deren Stelle jetzt die boulevard-artige Gartenstraße dieErdstadt" einschließt) ward der Kaiser und die Kaiserin empfangenvon dem Moskauer Stadthaupte und den Stadtverordneten, sowie den Moskauer Klein-bürger- und Handwerkerämtern und Innungen. Ani Twerschen Platz stand der Adeldes Gouvernements Moskau , am Wosskressenki Thor (auch Iberisches genannt, bildet vonWesten her den Haupteingang zur inneren Stadt Kitaigorod) hatten die Behörden Moskaus Aufstellung genommen.

Das Wosskressenski hat zwei Thorwege dicht bei einander, zwischen beiden am Fußedes Hügels der zum Krassnajaa-Platze ansteigt, steht die 1669 erbaute Kapelle der Ibe-rischen Mutter Gottes, welche das berühmteste Heiligenbild Moskaus , das der wunder-thätigen Muttergottes enthält; es ist dies eine genaue 1648 feierlich unter Fasten undBeten angefertigte Copie des wunderthätigen Marienbildes des Iberischen Klosters aufdein Berge Athos, welche von dem Archimandriten und der Bruderschaft dem Zaren AlexisMichailowitsch verehrt wurde. (Das Bild wird fast täglich mit sechs Pferden und Livree-bedienten in den Straßen Moskaus herumgefahren, um am Bette von Kranken Wunderzu verrichten oder Familienfesten durch seine Gegenwart die höchste Weihs zu geben, wofüreine Geldvergütung oft bis zu 100 Rubel erlegt wird.) An dieser Kapelle saßen derKaiser und die Großfürsten ab, verließen die Kaiserin und die Großfürstinnen ihre Wagen,um dem wunderthätigen Bilde ihre Verehrung darzubringen. Mittlerweile machte derZug Halt und setzte sich derselbe erst wieder in Bewegung, nachdem der Kaiser und dieGroßfürsten die Pferde, die Kaiserin und die Großfürstinnen die Wagen bestiegen hatten.

Der feine Sprühregen, welcher während des Zuges eintrat» schlug den mächtigaufwirbelnden Staub nieder, wirkte somit wohlthätig und vermochte nicht den Eindruckdes farbenprächtigen, überaus imponirend wirkenden Gesammtbildes zn beeinträchtigen.An den Hauptpunkten der fast 6 Kilometer langen, mit gelbem Kies bedeckten Triumph-straße sind Tribünen und Pavillons im allrussischen Styl errichtet, reich bemalt, mitReichsadlern und Bannern in allen Farben geschmückt; für die Illumination und allearchitektonischen Linien mit buntfarbigen Lampions ausgezeichnet. Der Zug ward vonunausgesetzten brausenden Hurrahs und Hüteschwenken der loyalen Menge begleitet; so-bald der Kaiser und die Kaiserin sichtbar wurden, verneigte sich das Volk bis zur Erde.

3'/^ Uhr traf der Zug am Kreml ein; am Eingang zu demselben, an dem merk-würdigsten aller Thore Moskaus, dein Spyassky oder Erlöser-Thor, war der Kaiser vondem Kommandanten von Moskau und einer glänzenden Generals- und Offizierssuiteempfangen. Ueber den Zarenplatz erreichte der kaiserliche Zug die Pforte zwischen dem^wan Welikij und der Archangelskirche. Die ersten Abtheilungen des Zuges waren ohneAufenthalt über den Palaisplatz hin und am großen Kremlpalais vorbei gezogen undhatten den Kreml durch das Borowizki-Thor wieder verlassen. Nachdem der Kaiser unddre Kaiserin, sowie die Großfürsten und Großfürstinnen bei jener Pforte abgestiegen, be-traten sie von dem heiligen Synod und der Geistlichkeit mit Kreuz und Weihwasserempfangen, die Uspenski-Kathedrale, von hier aus begaben sich die Majestäten unter grokem