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Gefolge nach der Archangel-Kathedrale, wo sie der Erzbischof von Twer empfing. Hierküßten der Kaiser und die Kaiserin die heiligen Bilder und Reliquien und verrichteten einGebet an den Gräbern der alten Zaren aus dein Hause Romanow , sodann begaben siesich unter Vorantritt des Metropoliten in die Blagowjeschtschenski-Kathedrale (Kathedraleder Verkündigung Maria), welche sie, nachdem sie auch hier den Heiligen ihre Verehrungbezeugt, unter Vorantritt der Hofgeistlichkeit und Sänger verließen, um sich überdie rothe Freitreppe in das Krcmlpalais zu begeben; an dem Aufgang zur Treppeüberreichte der Präsident der Krönungs-Kommission dem Kaiser Salz und Brot.Beim Eintritt in das Kremlpalais wurden 101 Schüsse gelöst uud begann gleichzeitig vonallen Kirchen Glockengeläute, welches den ganzen Tag fortdauerte. Bei Beginn derDunkelheit erstrahlte die Stadt in einem Lichtermeer, nur der Kreml blieb in Dunkel ge-hüllt. Das kaiserliche Paar hat sich in den Alexandrinenpalast begeben, von wo es zurKrönung nach dem Kreml zurückkehren wird. Das Gefühl hoher Befriedigung über denungestörten glänzenden Verlauf des Einzuges ist allgemein und erhöht die Stimmung,die in den großen Volksmassen sich als eine religiös bewegte und getragene darstellt.Mit Spannung sieht man dem Krönungsmanifsste entgegen. Durch Fasten und Gebetebereitet sich das kaiserliche Paar auf die Krönung vor, während in den Straßen Moskaus ein unermeßliches Leben fluthet und die letzten Vorbereitungen zu zahllosen Festen ge-troffen werden.
M i s s - l l e rr.
(Der erste Journalist.) Wenn man sich bei der Aufsuchung des ersteJournalisten nicht auf Europa beschränken will, so muß man als Vater der Journalistikeinem Chinesen den Vortritt lassen, und zwar keinem geringern als dem ersten Minig-kaiscr Hung-wu, welcher im Jahre 1336 die jetzt auch in Peking erscheinende Staats-zeitung Sin-Pao (Neue Nachrichten) gründete. In Europa war man bisher über denersten Journalisten noch zweifelhaft; einige nahmen als solchen den Franzosen TheophrastNenaudot an, der 1623 in Paris die erste regelmäßig erscheinende französische Zeitschrift„Ikouvolls oräma,i'r68 cko ckivers enckroit»" — von 1631 „Oanotts äo l?ranes" — heraus-gab. Diese Annahme ist jedoch ungerechtfertigt, da bereits im Jahre 1609 der Straß-bürger Johann Carolus die regelmäßig erscheinende Straßburger Zeitung in's Leben rief.Der Titel dieser nachweislich ältesten Zeitung, von welcher noch «in ganzer Jahrgang inder Heidelberger Bibliothek vorhanden ist, lautet: „Relation Allen Fürnemmen vnd ge-denkwürdigen Historien, so sich hin vnd wider im Hoch vnd Nieder Teutschland, auch inFrankreich, Italien, Schott- und Engelland, Hisspanien, Hungarn, Polen, Siebenbürgen ,Wallachey, Moldaw, Türky rc. Jnn diesem 1609 Jahr verlauffen vnd zutragen möchte.Alles auf das trewlichste wie ich solche bekommen vnd zu wegen bringen mag» in Truckververtigen will." Da dieses Blatt, das bis 1679 bestand, nachweislich das ältesteist, so kann man demnach den Deutschen Johann Carolus als den „Vater der Journalistikbezeichnen.
(Ein armer Zeuge.) Obergerichtsfchreiber: „So, da sind die IVr MarkZeugengebühr." — Zeuge: ,,J' bedank' mi schönstens, und wenn's S' halt wieder 'wasbrauchen, i' bin alt und kann net viel verdienen — nacha lassen Sie's mir zukommen."
(Zweideutig.) Metzgermeister (in einer kleinen Universitätsstadt): „Wenn nurdie langen Herbstferien nicht wären, denn wenn die Herren Professoren fort sind, dasmacht für mich ein paar Ochsen weniger."
(Letztes Mittel.) „Jetzt will ich Euch etwas sagen. Auf allen Bällen hab'ich Euch den Carneval herumgeschleppt und nix wars. Die Pfingstfeiertage will ichnoch mit Euch nach Starnberg fahren. Wenn da auch Keiner anbeißt, dann ist's 'rum."
Auslösung des Original'Silbeu'Räthsels in Nr. 42: „Cypresse — Presse — E sse."
Für die Redaktion verantwortlich Alphons Planer in Augsburg . — Druck und Verlag desLiterarischen Instituts von Or. Max Huttler ,