UnterkaktungMatl
„Ängsburger Postjeitnug.-
Nr. 44. Samstag, 2. Juni 1633.
Des Jörsters Enkelkind.
Original'Novelle von Mary Dvbson.
(Fortsetzung.)
Ohne irgend ein besonderes Ereigniß verfloß sämmtlichen Hausgenossen unter viel-seitiger Thätigkeit die Zeit. Unmerklich verging der Sommer mit seinen langen sonnigenTagen, mit seinem Blätter- und Blumenschmuck; der Herbst begann die herrlichen Laub-kronen des Waldes zu färben, bis sie, der Vergänglichkeit geweiht, zur Erde sanken, dieBlumen des Förstergartens — Anna's Pfleglinge — vom Reif und dem herben Nordostberührt, starben und bald Wald, Flur und Garten entblättert und verödet dalag.
Dann fiel der erste Schnee und wie sonst ging des Försters Enkelkind hinaus, umihre Pfleglinge, die Eichhörnchen, die Raben, Krähen und Elstern und wer sonst sich alshungernder Gast einsund, zu versorgen. Auf diesen Wegen ward sie stets von ihrerErzieherin begleitet, die ebenfalls Freude hatte am Wald zur Winterszeit und oft auchvon Junker Waldemar, der ihr in der Sorge für die darbenden Thiere eifrig beistand.
So kam das Weihnachtsfest mit seinen stillen Freuden, das jedoch, Dank demEinfluß der beiden neuen Hausgenossen, belebter als sonst im Försterhause zu Vahren-wald begangen ward. Darauf folgte der Jahreswechsel, welcher Januarkälts und nochgrößere Schneemnssrn herbeiführte, nach und nach aber auch längere Tage und höhereSonne und für die Forstleute und Holzarbeiter und auch für Junker Waldemar neueThätigkeit brachte.
Bis zum März machte sich der Winter geltend, dann begann der Schnee endlichzu schmelzen und nach kurzer Zeit sprießte das erste Grün aus der Erde hervor, undbald konnten Sophie Dörner, Anna und der Junker Waldemar Veilchen, Schneeglöckchenund andere Frühlingsblumen suchen, um die Zimmer des Forsthauses damit zu schmücken.
Um die Mitte Mai langte die Gräfin Steinhorst aus Schlesien wieder an, waSsie vorher angezeigt, und schon am Tage nach ihrer Ankunft ward sie im Försterhauseerwartet. Sie kam pünktlich zur festgelegten Stunde an, begrüßte voll Freude und Herz-lichkeit ihren Enkel, mit gleicher Förmlichkeit Frau Albrecht, Anna und den Förster, dersie in's Wohnzimmer führend sagte:
„Willkommen daheim nach langer Abwesenheit, Frau Gräfin —
„Ja, nach langer Abwesenheit", erwiderte sie in zurückhaltendem Ton, „und istmir's fast, als fei ich kaum von hier fortgewesen. Man sieht daraus wie jeder Menschzu entbehren ist l"
„Sie haben keinen frohen Winter verlebt, Frau Gräfin", bemerkte Frau Albrechtmit einem theilnehmenden Blick auf ihr bleiches Gesicht.
„Das habe ich allerdinds nicht! — Wie Sie wohl aus meinen Briefen entnommen,'ist das Leiden meines Schwiegersohnes ein unheilbares geworden, obgleich er in seinerFamilie verbleiben kann, und dann den Blick auf Anna richtend, fügte sie hinzu: „Mit