Ausgabe 
(2.6.1883) 44
 
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endlose, vonckSonnenbrand durchglühte Häusrrwüste der zu unseren Füßen sich ausbreitendenRiesenstädte hinweg, die nur vereinzelt durch grüne Parks gleich Oasen unterbrochen wirb»so sehen wir im Hintergründe die blauen Berge des Hudsonhochlandes gleichsam aus denFmthen des majestätischenamerikanischen Rheins" emportauchen, gewahre» jenseits desRorthrivers (Hudsons) auf dem New-Jerseyer Ufer die weißen, steilaüfsteigenden Palli-sadenselsen, auf deren schwindelnder Höhe, eine luftige Sommer-Villegiatur mit Aussichts-thurm thront. Das Panorama, das sich von hier aus unserem Auge darbietet, ist inder That entzückend schön, und die armen Großstätter, die durch ihren Beruf jahrausjahrein in dem monotonen Häusermeere Gothams gefangen gehalten worden, werden jetzterstaunen über die wunderbare und eigenartige Schönheit der sie umgebenden Natur, die

sie bisher kaum geahnt, geschweige denn in vollen Zügen genossen haben.Doch

der Strom der geschäftig dahineilenden Fußgänger drängt uns vorwärts, wir steigen zudem Brooklyner Pfeiler nieder, passiven durch denselben und erreichen nach einem weiterenAbstieg von 971 Fuß das Ziel unsererReise" (denn ein Gang über die Brücke ist einekleine Reise): das Erde der Brücke an der Ecke der Washington- und Sandsstreet inVrooklpn. Die Brücke erhält jedoch dann erst ihren vollen Werth, wenn nran sie mitdem Hochbahnsrfflem, wie es bereits in New-Z)ork besteht, und wie es in Kurzem auch inder frommen Schwesterstadt erstehen wird, in Verbindung^ bringt. Die Brücke bildetdann eine thatsächliche und natürliche Fortsetzung resp. Verbindung der New-Iorker Hoch-bahnen mit den in Brooklpn im Bau begriffenen und gestattet den Bewohnern der äußerstenNordspitze von Manhattan-Jsland, d. i. der Stadt New-Iork, in denkbar kürzester Zeitnach den kühlen Gestaden des Meeres zu gelangen, wie auch auf demselben Wege inumgekehrter Richtung die Gartenprodukte des fruchtbaren Long-Jsland in loss tliunno timo auf die New-Uorker Mürkts gebracht werden können.

Es erübrigt uns nur noch, einige im Vorstehenden noch nicht enthaltene Ziffernzu geben. Das Gewicht der Centralspannung ist 6,710 To. und das praktisch nochnicht erprobte Gewicht einer von Fußgängern bevölkerten und von Wagen befahrenenBrücke wird auf 1380 To. geschützt. Die vier Kabel müßten also im Stande sein,8120 To. zu halten. Man berechnet ihre Stärke indeß auf 43,000 To. Die Bogen-weite der Hängebrücke beträgt 1595'/., Fuß. Die ganze Brücke hat indeß drei Bogen,nämlich vorn Ankerplatz in Brooklpn bis zum Pfeiler am Ufer, dann über den Eastrivsrbis zum andern Pfeiler und von da bis zum Ankerplatz auf der New-Iorker Seite.Diese Entfernung, von Ankerplatz zu Ankerplatz, beträgt 3460 Fuß, und die ganze Brückemit den beiden steinernen Aufgängen hat eine Länge von 5989 Fuß. Die Höh; derHängebrücke an den Thurmeinschnitten ist 118 Fuß und steigt bis zu 135 Fuß überHochwasserniveau in der Mitte des Flusses, so daß also die größten Oceanschiffe bequemdarunter durchführen können. In den vier Kabeln sind 6,928,346 Pfd. Draht enthalten.Die Stärke eines Kabels, auf 170,000 Pfd. per Quadratzoll geschützt, beträgt 24,621,780Pfund, die der vier Kabel also 98,487,120 Pfd. Die sämmtlichen Drähte der vierKabel schließlich haben eine Länge von 14,060 Meilen, oder mehr als die halbe Langerund um die Erde herum!

G o l d k ö r n e r.

6. O Muth, nur Muth in jeder Lage,

Wo uns ein Dornenwald mnstarrt!

Die Morgenröthe besserer Tage

Glüht hinter'»! Berg der Gegenwart. Langbein.

0. Wer sich ganz dem Dank entzieht,

Der erniedrigt den beschenkten

Freund, indem er sich erhebt. Grillparzer.

Wenn man einen Einfältigen betrügtund man auf einen Frommen lügtund Feindschaft zwischen Ehlenten macht:der Dreier Arbeit der Tenjel lacht. Altes deutsches Sprichwort.