Ausgabe 
(9.6.1883) 46
 
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Dessen bedarfst Du nicht", entgeznete entschieden die Gräfin.Es hat noch nieein Forstmann nach unsern Waldungen gesehen, die darum nicht schlechter als anderegewesen sind, und einen guten Ertrag geliefert haben!"

Dennoch ist es in Steinhagen und Schönau durchaus erforderlich", erwiderte ihrEnkel in bestimmtem Ton.Ich will dort überhaupt die Holzungen erweitern, undFörster Kohring soll nächstens mit mir hinüberfahren um Grund und Boden zu unter-suchen!"

Die Meldung des Abendessens unterbrach rechtzeitig die Unterhaltung und diekleine Gesellschaft begab sich in den Spsisesaal. Nach demselben nahmen die beidenälteren Damen die Karten zu einem Patiencespiel zur Hand, Graf Waldemar und seineCousine aber begannen sich durch die Musik zu unterhalten, für welche Beide gleicheBegabung und Verständniß hatten.

(Fortsetzung folgt.)

Goldkörner.

Ja wohl! das ewig Wirkende bewegtUns unbegreiflich, dieses oder jenes,

Als wie von ungeiähr, zu unserm Wohl,

Zum Rathe, znr Entscheidung, zum Vollbringen,

Und wie getragen werden wir an's Ziel.

Das Hu cmpflnden, ist das höchste Gluck,

Es nicht zu sondern, ist bescheidne Pflicht,

Es zu erwarten, schöner Trost im Leiden. Goethe.

Man sieht nur dann, wenn man mit ruhiger Besonnenheit sieht. Die Leidenschaftslosestenwaren immer die größten Menschenkenner. F. Ehrender g.

Wer sich selber kennt, ist strenge gegen sich selber,

Jedem Schwachen gelind und richtet ungern den Bösen.

L a v a t e r.

Halts Dich an's Schöne! Vom Schönen lebt das Gute im Menschen und auch seine Gesundheit.

v. Fenchtersleben.

Sein eig'ner Leitstern ist des Menschen Geist,

Und wenn ihn dieser sührt zu hohem Ziele,

So wird er mächtig mit sich reihen Viele,

Gleichviel, ob man ihn tadelt oder preist.

Fr. Bodenstedt.

TriMsrrit; im Thale .

Von K. A. Reisner Freiherrn von Lichtenstern.

Im Sommer des Jahres 1879 besuchte ich von Schloß Neusath aus das nichtweit davon gelegene Trausnitz im Thale . Nie hatte ich von den landschaftlichen Nerzendieses historisch-berühmten Ortes sprechen gehört, wie ja überhaupt der Oberpfalz in dieserBeziehung fälschlicher Weise wenig Gutes nachgerühmt wird. Um so freudiger war ichüberrascht, die alte, hochinteressante Burg in so schöner, romantischer Umgebung anzutreffen.

Das noch wchlerhaltene, altersgraue, massive und prächtige Castell erhebt sich kühn,dicht am Rande des hohen rechten Ufers der lebhaft vom Böhmerwalde her eilendenPfreimbt, nicht unbedeutende Höhenzüge und große Wälder bilven seinen dunklen Hinter-grund und begrenzen unweit den Blick.

Trausnitz ist heute noch ein so abgelegener, nur durch schlechte Wege mit denbenachbarten kleinen Dörfern verbundener Ort, daß sich bei seinem Betreten die Phantasieunwillkürlich in jene graue Vorzeit verliert, in der der Urwald bis dicht an die Burgsich erstreckte, und außer ihr vielleicht keine menschliche Behausung, ja außer den sie be-wohnenden Rittern und Knechten auf weit und breit kein menschliches Wesen existirte.

Vielleicht ist es aber nur treue Ueberlieferung von Mund zu Mund, wen» dieheutigen Bewohner des übrigens wohl uralten Dorfes sich in solch' wildromantischer