Ausgabe 
(9.6.1883) 46
 
Einzelbild herunterladen

366

Lage jenes Trausnit vorstellen, das Friedrich dem Schönen in für Bayern ruhmvoller,gewaltiger Zeit zu ritterlicher Haft angewiesen worden war.

Die Erinnerung an diese Gefangenschaft des unglücklichen österreichischen Fürsten lebt in volksthümlichen Sagen fort. So erzählte uns der Besitzer des neben der Ritter-Burg befindlichen Gasthauses mit ernster Miene und im Tone vollster UeberzeugungFolgendes:

Sieben Jahre schon schmachtete Friedrich im engen Thurmgelasse, sich die Zeitmit Pfeilschnitzen vertreibend. Da kam eines Tages ein Bürger von Luhe, der nachPfreimbt gehen wollte und sich in den großen Wäldern verirrt hatte, auf die Waldblöße;er erstaunte, hier eine Burg und bayerisches Kriegsvolk anzutreffen. Von dein Letzterenerfuhr er den Namen dessen, den sie zu bewachen hatten.

Man zeigte ihm den Weg längs des Wassers, der nach Pfreimbt führt, und erberichtete, dort glücklich angekommen, was ihm widerfahren war.

Das traurige Loos des gefangenen Fürsten ergriff besonders den Geistlichen desOrtes mächtig, er schlug sofort den Weg zu jener Burg ein, kletterte in der Nähe der-selben auf einen hohen Baum und stimmte einen Gesang an.

So wurde der unglückliche Fürst auf ihn aufmerksam, ließ sich mit ihm in einGespräch ein und erzählte ihm die traurige Mähre: SeinBruder" Kaiser Ludwig derBayer halte ihn hier seit sieben Jahren in strenger Haft.

Der Priester eilt zurück nach Pfreimbt, es gelingt ihm die Bürger für die Sachedes Gefangenen zu gewinnen und mit vereinten Kräften rücken sie vor die Beste.

Vergebens kämpfen sie mit den Bayern , es glückt ihnen nicht, sie zu überwindenund damit den Herzog zu befreien. Endlich kommen sie auf den Einfall, die Burg zuuntergraben. Nun sehen die Vertheidiger ein, daß sie selbe nicht mehr länger haltenkönnen und übergeben sie ihren edelgesinnten Feinden. Aber Friedrich, der ritterlicheMann, will die Haft nicht breche». Nur von seinemBruder", der ihn gefangen hält,nähme er die Befreiung an. Erst auf langes Bitten und Drängen der Eroberer ver-läße er die Burg und zieht mit ihnen fort.

Sie überschreiten die Pfreimbt und ersteigen die jenseitige Höhe. Dort wendet sichFriedrich um, deutet auf das Thal, das sie soeben verließen, und spricht zu seinenBegleitern die Worte:Kinder, trauet dem Thale nit."

In seiner Heimath angekommen, findet Friedrich seine treue Gattin erblindet vonunablässigem Weinen um den so lange entfernt gewesenen Gemahl.

Die muthigen Bürger wurden fürstlich belohnt. Sie erhielten die Wälder, die dasCastell umgaben und die Friedrich von seinemBruder" Ludwig, mit dem er sich baldausgesöhnt, käuflich erworben hatte, zum Geschenk.

So entstand um die Burg eine Ansiedelung, die ihre Bewohner in getreuem An-denken an die Warnung des HerzogsTrausnit im Thale" nannten, während sie dasspäter entstandene Dorf auf der Höhe, wo der Fürst sich noch einmal nach seinem ebenverlassenen Kerker umgesehen hatte,Hohen-Trausnit" hießen. So sagt das Volk nochheute, wahrend diese Namen schon längstvon den Herren" inTrausnitz im Thale "undHohen-Treswitz" umgetauft worden sind." Soweit mein Gewährsmann.

Viele Adelsgeschlechter saßen von Altersher auf der Burg. Zu Anfang unseresJahrhunderts gehörte das Rittergut TrauSnitz im Thal dem Freiherrn Joseph von Karg-Bebenburg» k. b. Kämmerer, der mit seiner Ehegattin Maria Elisabetha, einer geborne»Neisner Freiin von Lichtenstern, das heutige Wirthshaus zum adelige» Ansitze hatte.Er baute indeß ein neues Schloß (die alte Burg war bayerisches Staatseigenthum ge-worden) neben der Kirche, in der das vereinigte Wappen der beiden Gatten über demAltar an sie erinnert.

Aber auch das neue Herrenhaus ist jetzt zum Schulhaus umgewandelt worden, undkein Edelgeschlecht haust mehr an dieser Stelle des sagenumwobenen Ufers der Pfreimbt.

(Deutsches Adelsblatt.)