„Wie?" rief der Förster, sich wiederum hastig aufrichtend. „Sein Sohn Karl und
besten Gattin — die alte gnädige Frau-"
„Sind todt, Onkel, Alle todt!" — Frau von Vodenwald ist zuerst ihrem Nerven-leiden erlegen; einige Jahre darauf sind kurz nach einander ihr Sohn und seine Frauan einer epidemischen Halskrankheit gestorben, die damals in D. sehr heftig aufgetretensein soll. Sie haben nur diese schwachsinnige Tochter hinterlassen — —"
„Da hat den Landkammerrath ein schweres Geschick getroffen!" sagte theilnehmendder Förster. „Denn nun stirbt mit ihm seine Linie der von Bodenwald aus, und dieentfernten Verwandten treten in den Besitz der Güter!"
„Der nächste Erbe ist ein junger Offizier, der in Schlesien in Garnison steht, undauch schon in Bodenwald gewesen ist!" berichtete Frau Albrecht und fügte hinzu: „Nachallen diesen Aufklärungen haben Anna und ich mehrfach überlegt, ob es richtiger sei,DornerS von ihrer nahen Verwandtschaft mit ihrer Pensionairin in Kenntniß zu setzen,
doch wollte ich Dich erst fragen, Onkel-"
Der Förster sann einige Sekunden nach, bevor er erwiderte:
„Lassen wir das einstweilen, Wilhelmine, oder sollte wohl der Landkammerrath nachH. kommen, der dann vielleicht Anna an der Familienähnlichkeit erkennen würde?"
„Nein, Onkel, der Landkammerrath kann keine so weite Reise mehr antreten, dasein Gichtleiden mit den Jahren zugenommen. Er hält sich meistens im Krankenstuhloder Rollwagen aus!"
„Im Krankenstuhl oder Rollwagen", wiederholte traurig der Förster, „und wareinst ein so stattlicher und rüstiger Mann, ein Jäger, den selbst die größten Anstrengungennicht ermüdeten! — Wo mag er wohnen?"
„Er scheint sich stets in Bodenwald aufzuhalten, und ist »ach dem Tode ihrer Eltern
die kleine Thusnelda bei ihm gewesen. Im nächsten Monat wird sie ihn besuchen-"
„Welch' ein schweres Schicksal für ihn, der einst so stolz auf seine Söhne war, einesolchs Enkelin zu haben!" bemerkte Kohring nach längerer Pause.
„Ja es ist ein schweres Schicksal, und tritt besonders hervor, wenn man unsereAnna neben ihr sieht! — der Herr hat seinem Hochmuth ein schreckliches Ende gemachtund ihn für seine Härte gegen seinen Sohn Ludwig gestraft!" —
(Fortsetzung folgt.)
Die Oekonomie irr der Küche.
Von K. Reichn er.
Motto:
„Stimmungen komme!! aus dem Magen."
Nicht nur der Wohlstand, sondern auch der Friede in der Familie hängt zumgroßen Theile von der vernünftigen und ökonomischen Leitung des Hauses ab, und dadiese Leitung vorzugsweise, wenn nicht meist ausschließlich, in den Händen der Frau ruht,so ist es besonders ihre Pflicht, den ruhigen Gang des Haushalts zu fördern, durcheine weise Benutzung jedes Vortheils, um auch mit geringen Mitteln zum Ziele zu ge-langen. Dazu gehört z. B. eine möglichst wohlüberlegte Taktik, zur rechten Zeit Ver-rathe einzukaufen und diese auch wohl zu erhalten: Ordnung hilft Haushalten! Fernerist wohl daraus zu achten, daß bei der Zubereitung der Speisen das richtige Maaß ge-halten werde — nicht zu viel und nicht zu wenig — mit einem Wort: die goldeneMittelstraße — zuviel Sparsamkeit hat schon ebenso viel Unheil angerichtet, als Ver-schwendung. — Im letzteren Fall verdirbt leicht Manches, im ersteren geht nebenbei das,und weit mehr noch, mit darauf, was man ersparen wollte, durch ungenießbare oder un-genügend zubereitete Kost. — Endlich sollte noch ein goldener Grundsatz jede Hausfrauleiten, nämlich der, daß das Theuerste immer das Billigste ist, das scheinbar Billige sehroft das Theuerste, welches nicht nur das gute Gelingen der Speisen hindert, sondernauch durch größeren Bedarf den geglaubten Vortheil brach legt. — Und dabei kommen