Ausgabe 
(13.6.1883) 47
 
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wir auf das Gebiet der Fälschungen der Lebeusmittel. Fürwahr eine unerquicklichePerspektive, die da sich uns öffnet.

Wir glauben Mehl zu kaufen, und bei angestellter Untersuchung ergibt sich, das;die Probe einen recht erheblichen Prozentsatz von Schwerspats) als Beigabe enthält, oderwir finden, daß unser so wohlfeil geglaubtes Mehl freilich nicht gefälscht, jedoch um geradeso viel Geld zu theuer gezahlt ist, als es gekostet hat, denn es wimmelt von Maden,und ist somit völlig ungenießbar. Als Mehlprobe ist übrigens zu 'empfehlen, von jederSorte 20 Gramm genau abzuwiegen, jede dieser Sorten extra in eine Tasse vonPorzellan zu thun und mit je 10 Gramm Wasser zu einem Teige zu vermischen. Derfesteste Teig deutet auf das beste, der weichste auf das schlechteste Mehl, der Qualitätnach.An seinen Früchten sollt Ihr es erkennen", und jedenfalls ist es besser, dieFrüchte dieser Proben zu erkennen, bevor man ein Gebäck verdorben hat, als wann eszu spät zum Nepariren ist.

Und nun ein ander Bild!

Wir kaufen Gewürze, d. h. wir glauben Zimmet, Nelken, Pfeffer, Kümmel,Muskat, Safran, Mandeln, Vanille rc. rc. zu haben, und erhalten häufig unsern Zimmetgemischt mit zu Pulver gemahlenem Cigarrenkistchenholz oder als ein Präparat vonparfümirtem Sandelholz, oder er ist echt und unverfälscht, dafür aber seines eigentlichenGewürzgehaltes schon beraubt, indem man zuvor aus seiner Rinde theilweise das ätherischeOel gezogen hat und dann den Nest verkauft, von Dem, was einstmals Zimmet hieß. Unwillkürlich erinnert dies an jene Anekdote, von der sparsamen Wirthin, welcheZimmetstangen und Zitronenschale aus des Gastes Suppe nahm, sie sauber ableckte, unddann zu anderweitiger Benutzung aufbewahrt und das vor seinen Augen! Wasmag nun Alles erst hinter dein Rücken der Interessenten geschehen, Dinge,von denenNiemand nichts weiß!"

Weiter also im Text!

Unsere Nelken ergeben häufig bei der Probe ein nicht minder trübes Resultat.80 Prozent Baumrinde, 18 Prozent Nelken und 2 Prozent Nelkenöl ist kein glänzenderEinkauf zu nennen kein Wunder freilich hat man doch auch dafür gesorgt, daßerst auf dem Wege der Destillation die Nelken des größten Theiles ihres Gewürz-Oelesberaubt wurden, bevor sie in den Handel kamen und wir sie in diesem wenig aromatischenZustande, d. h. also: runzelig, schwärzlich-dunkelbraun, oft auch ohne die runden Vlüthen-kronen, zum Verbraucherhalten, während ein Druck des Fingers schon genügen sollte,der Nelkewie sie sein soll" das ätherische Oel herauszupressen.

Mit dem Pfeffer sieht's nicht viel besser aus kaufen wir ihn in ganzer Figur,so ist er oft so schlecht, daß er im Wasser nicht untergeht, sondern lustig obenauf schwimmt,und daß man den Mörser und das Stampfen spart, weil man ihn schon ohne Kraft»anstrengung in den bloßen Händen zu Pulver verreiben kann.

Der Kümmel ist meist schon seines besten Kümmelgchaltes beraubt, und bildetevielleicht längst schon Extract für irgend einen Liqueur, oder man hat den bereits aus-gezogenen mit noch gutem vermischt, wodurch die Fälschung schwer zu erkennen ist.

Nicht besser ergeht es uns bei dem Muskat. In Form von Nüssen müssen wirgar manches wurmstichige, mißrathene Produkt mit in den Kanf nehmen, dessen Kümmer»lichkeit und Verdorbenheit durch einen äußern, erdigen Firniß, um die Oeffnungen kunst-voll zu verdecken, maskirt wird. Mit der Muskatblüths ist's auch nicht besser bestellt,denn ihrer bemächtigt sich wiederum die habgierige Destillation, bevor man sie in denHandel kommen läßt, nachdem der Sprit sie ausgesogen.

Sehr leicht zu fälschen ist der Safran, denn seinen orangenrothen Narben (?) täuschendähnlich sehen die Fasern von geräuchertem Rindfleisch, zerschnittene Grumet- oder Ringel»Blumen u. s. w. Zuweilen auch kommt der Safran sogar mit einem gar angenehmenExterieur in den Handel hinein.Schöne Safranfarbe und kräftiger Geruch" aberdas Innere o weh das,Interieur! Welch' ein Unterschied!^Er istbeschwert",