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„Äugsburger post^eilnng."
49. Mittwoch, 20. Juni !883»
Des Försters Enkelkind.
Original »Novelle von Mary Dobson.
(Fortsetzung.)
Einige Wochen nach diesem Gespräch, während welcher Graf Waldemar, der einekleine Reise unternommen, nicht in Vahrenwald gewesen, traf ein Brief von Anna ein,den ihr Großvater zuerst las, und darauf seine Nichte in sein Zimmer rief. Als sie esbetreten, sagte er auf das Schreiben deutend mit erregter Stimme:
„Wilhelmine, ich fürchte der Knoten schürzt sich immer fester und wir müssen denDingen freien Lauf lasten!"
«Was meinst Du, Onkel?" fragte Frau Albrecht ihn überraschend anblickend.
«Anna hat von dem Landkammerrath die Einladung bekommen, seine Enkelin, fallssie die Erlaubniß ihrer Familie dazu erhalten würde, nach Bodenwald zu begleiten!"
„Das ist wahrlich wunderbar genug, Onkel", erwiderte lebhaft seine Nichte.
«Wie aber wird Deine Antwort sein?"
«Ich will mich dem Höchsten nicht widersetzen, Wilhelmine, dessen Werk und Fügungdies Alles so sichtlich ist, obgleich ich mir früher das Versprechen gegeben, den Land-kammerrath seine Enkelin nie sehen zu lassen."
„Das wirst Du streng genommen auch nicht thun, Onkel, und somit Dein Ver-sprechen nicht brechen —"
«Nein, er begehrt nur Anna Herfeld von mir, und wir wollen ihr schreiben, derEinladung Folge zu leisten!"
„Hältst Du es noch nicht für richtig, daß Anna sich Sophie und ihrer Mutter zuerkennen gibt?"
Der Förster sann nach, wie er schon vor Wochen bei dieser Frage gethan, und wiedamals antwortete er:
„Nein, Kind, laß uns ihr vielmehr anempfehlen, ihr Geheimniß zu bewahren, wassie um so eher kann, da in Bodenwald Niemand ihren jetzigen Namen kennt. Laß unsihr auch keinerlei Rathschläge in Bezug auf ihr Verhalten daselbst geben, sondern es ihrüberlassen, den Kampf mit ihrem Großvater auszukämpfen und entweder den Weg zuseinem Herzen zu finden, oder —"
„Möchtest Du das, Onkel?" fragte Frau Albrecht mit einem schnellen Blick aufseine erregten Züge.
«Es möchte jetzt am Besten so sein", entgegnete der Förster mit einem tiefen Seufzer.«Er hat zwar damals meinem Herzen sehr, sehr wehe gethan, der Herr aber hat ihnim Laufe der Zeit getroffen! — Ich habe ein blühend schönes Enkelkind, das die Freudeund der Stolz jeder Familie sein würde, er dagegen besitzt nur eine schwachsinnige Enkelin— sage, Wilhelmine» wessen Loos jetzt das schwerste ist?"
Frau Albrecht blickte auf den stattlichen Greis, aus dessen Augen seine tiefeBewegung sprach, und unter Thränen erwiderte sie: