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„Onkel — mein lieber Onkel» ich wollte nur aus Deinem Munde hören, ob Duversöhnlich sein könntest, und ihm das schwere Leid vergeben, das er Dir zugefügt!"
„Ich habe ihm vergeben", erwiderte mit tieferer Stimme der Förster, „und meinWeib und meine Kinder werden mir dort, wo Alles Frieden und Seligkeit ist, nichtzürnen, daß ich es gethan!"
„Amen!" sprach Frau Albrecht, die Hand ihres Onkels in der ihren drückend, dennsie wußte, was die Vergebung bedeutete, die er dem Landkammerrath hatte zu Theilwerden lassen.
XIX.
Graf Walbemar war von seiner kurzen Reise, die mehreren Ausstellungen gegolten,heimgekehrt, vor ihm aber waren die Damen in Steinhorst eingetroffen, und schon amfolgenden Morgen ersuchte er seine Großmutter um eine Unterredung. Wohl wissend,was diese betreffen werde, erklärte sich sich dazu bereit, ließ ihn in ihr kleines Wohn-zimmer treten, dessen Thür sie schloß, und in einem Sessel Platz nehmend, deutete sieauf einen in ihrer Nähe befindlichen Stuhl. Sich jedoch nur auf dessen Lehne stützend,begann er mit zwar erregter doch fester Stimme:
„Großmutter, ich habe mit Dir über eine Sache zu sprechen, die mir sehr amHerzen liegt —"
„So ist es auch wohl nur eine Herzensangelegenheit", unterbrach die Gräfin mitleichte»: Spott, „die schließlich in Deinem Alter nur natürlich wäre!"
„Du hast Recht", entgegnete Graf Waldemar mit einem ruhigen entschlossenenBlick, „und ich will sogleich zur Sache kommen. Ich liebe Anna Herfeld —"
„Sie ist ein schönes Mädchen geworden", erwiderte die Gräfin in unverändertemTon. —
„Das weiß ich kaum", antwortete schnell gereizt durch ihren Spott ihr Enkel. „Ichliebe sie anderer Vorzüge wegen, die sie mir schon als kleines Mädchen theuer gemacht,und habe seit Jahren die Ueberzeugung gehabt, nur an ihrer Seite »rein Lebensglückfinden zu können!"
„Walbemar, Du wolltest doch nicht —" fragte wie erstaunt die Gräfin.
„Ich will Anna Herfelv meine Liebe erklären, und sie um ihre Hand bitten, undbin hier, mir dazu Deine Zustimmung zu holen!"
Die Gräfin athmete erleichtert auf, denn sie hatte gefürchtet, daß ihr Enkel schoneine Unbesonnenheit gethan. Dennoch sagte sie in strengem Ton:
„Und Du hast wirklich geglaubt, daß ich zu einer solchen Verbindung meine Zu-stimmung geben würde?"
„Ja, Großmutter, ich habe geglaubt, Du würdest mein Lebensglück in Betrachtstehen! —"
„Dein Lebensglück wird nicht durch das bürgerliche Mädchen begründet, denn ist^er erste Liebesrausch dahin, so wird es Dich gereuen, keine ebenbürtige Gattin gewähltu haben."
„Nein, Großmutter, sicherlich nicht, denn Anna besitzt alle Gaben des Herzens undGeistes, die einen Mann dauernd zu fesseln vermögen!"
„So denkst Du jetzt, wenn Du aber ihretwegen Dich von uns trennen müßtest,denn Du kannst uns doch nicht zumuthen, sie als Deine Gattin anzuerkennen —"
„Ist sie mir vom Priester vor Gott angetraut, so muß ein Jeder sie als meineGattin anerkennen", erwiderte in festem Ton der junge Mann.
„Leider sehe ich, Waldemar", fuhr nach einer Pause die Gräfin fort, „daß DuDich nicht überzeugen lassen willst, und ich muß Dir daher die Sache von einer andernSeile vorstellen. Ich habe Jahre lang daran gearbeitet, Deine Finanzen zu bessern "
„Ich werde Dir mein ganzes Leben dafür dankbar sein, Großmutter!" rief mittiefem Gefühl Graf Waldemar.
„Davon ist nicht die Rede, sondern höre mich ruhig an. Ich habe also für Dich