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gearbeitet und gespart, um die leichtfertige Verschwendung Deines Großvaters und VaterSin etwas gut zu machen, doch bist Du ungeachtet Deiner drei Güter kein reicher Mann,und thätest wohl, Dich nach einer reichen Gattin umzusehen, damit Dein Haus undName wieder früheren Glanz bekommt I"
„Ich bin seit meiner frühesten Jugend an Genügsamkeit und Fleiß gewöhnt, Annaist es ebenfalls — —"
„Waldemar» ich bitte Dich inständig, gib den Gedanken an diese Verbindung aufl>
„Das kann ich nicht, Großmutter", entgegnete bewegt, doch entschieden ihr Enkel»„denn auch Anna liebt mich, wenngleich ich es noch nicht aus ihrem Munde vernommen.Ich habe vielmehr erst mit ihrem Großvater gesprochen, der mich dann an Dich ver-wiesen -"
„Förster Kohring ist der Ehrenmann, für den ich ihn immer gehalten", sagte lebhaft die Gräfin. „Ich will mit ihm reden, so lange aber bitte ich Dich, seine Enkelinnicht wieder zu sehen l"
„Anna ist schon seit Wochen in H« bei der Mutter ihrer früheren Erzieherin, undwird dort auch noch einstweilen bleiben-"
„Das ist wiederum richtig von dem Förster gehandelt", sagte voll Anerkennung dieGräfin, „und läßt mich fast annehmen, daß auch er nicht mit Deinen Plänen einverstanden ist!-"
„Das muß er dennoch sein, Großmutter, denn wenn Du mir Deine Zustimmungversagst, wird er Dich in dieser Angelegenheit aufsuchen —"
„Sein Besuch ist mir sehr erwünscht", versetzte die Gräfin, „doch laß ihn diesennoch verschieben, da Hohenhausens jeden Tag bei uns eintreffen können!"
Schon am Tage nach dieser Unterredung ritt Graf Waldemar nach Vahrenmald,um dem Förster das Resultat derselben mitzutheilen» und fand ihn mit seiner Nichteund Wolf im Wohnzimmer. Nachdem sie sich gegenseitig begrüßt, auch der Neufund-länder seinen Antheil bekommen, sagte, als sie sich u», den Tisch gesetzt, Kohring:
„Ist die Reise Ihrem Wunsche gemäß ausgefallen, Herr Graf, und haben Sieviel Neues gesehen?"
„Ja, Herr Förster", entgegnete der junge Mann, „doch habe ich mich alles Kausensenthalten-"
„Das muß ich loben", antwortete Kohring beifällig. „Versuchen Sie es auch vor-läufig mit den bereits angeschafften Maschinen, und lassen Sie Andere die ersten Er-fahrungen mit den neuen machen!"
«Sind Sie noch immer allein in Steinhorst?" fragte Frau Albrecht, welche denAusdruck einer merklichen Verstimmung im Gesicht ihres Gastes wahrzunehmen glaubte."
„Nein, meine Großmutter, Tante und Cousiine sind zurückgekehrt. Aber auch Siesind, seit ich Sie nicht gesehen, verreist gewesen. Wie befindet sich Fräulein Anna in H»?"
„Sehr gut, Herr Graf", entgegnete Frau Albrecht.
„Sie wird nächstens noch eine weitere Reise unternehmen", setzte der Förster hinzu,„und wir werden sie hier vorerst nicht wiedersehen!"
Graf Waldemar blickte ihn mit unverkennbarer Enttäuschung an, er aber fuhr fort:
„Sie und Fräulein Dörner werden deren Pensionärin begleiten, wozu sie von demGroßvater der Letzteren, einem Herrn von Bodenwald im Fürstenthum -- — — auf-gefordert sind!"
„Und Sie haben Ihre Zustimmung zu dieser Reise ertheilt?" fragte fast verstimmtder junge Mann.
„Ja, denn es war meiner Enkelin höchster Wunsch, Bodemvald, so heißt die Be-sitzung, zu sehen", antwortete lebhaft der Förster.
Frau Albrecht entfernte sich, um der Gastlichkeit Genüge zu thun, der Gras aberfragte schnell:
«Herr Förster, haben Sie Ihrer Nichte unser letztes Gespräch mitgetheilt?"