Ausgabe 
(20.6.1883) 49
 
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das entschied auch für ihn. Jetzt erhob sie die reizenden Händchen zum Klatschen: un-verzüglich, als sei ihre Bewunderung die seine, klatschte er mit. Nun kömmt irgendeine größere Produktion, sagen wir eine Quadrille, denn auch Massenaufzüge fandenim Circus statt; der Staub wirbelt hoch über die Sitzreihen und fällt der jungen Dameaus's Kleid.Erlauben Sie» gnädiges Fräulein" .,äomina", auf lateinisch, alsoHerrin, Herrscherin; die Gemahlin des Kaisers war die äornina im prägnanten Sinne!)erlauben Sie", flüstert der Lieutenant und gestattet sich, mit schüchternem Fingerden Staub zu beseitigen. Ja, Ovid ertheilt den erfolgbeaierigen Jünglingen sogarden Rath, selbst dannden Staub zu beseitigen", wenn gar keiner vorhanden ist:

Jeglichen Verwand nimm eifrig zur Galanterie!" Als weitere Ritterdienste werdenerwähnt die hier folgenden hochinteressanten Punkte:

Er hat sorgfältig Acht darauf, daß der hinter ihr Sitzende sie nicht mit den Knieenbelästigt. Der Hintermann saß nämlich, wie aus der architektonischen Anlage des Circushervorgeht, um eine Stufe höher.

Er rückt ihr die Polster zurecht.

Er fächelt ihr Kühlung mit dem kostbaren Circusfächer. (Wer sieht nicht im Geisteden deutschen Lieutenant während der Tanzpause?)

Er schiebt ihr die Fußbank unter den niedlichen Fuß, dessen Kleinheit und Anmuthim alten Rom nicht minder geschätzt und gepriesen wurde, wie heutzutage.

Er lächelt, sobald sie lächelt. Er wird ernst wenn sie ernst scheint.

Mit einem Worte: er macht ihr, nach allen Regeln der Ritterlichkeit, die manirrtümlicher Weise für eine Spezialität des Mittelalters auszugeben bestrebt ist, den Hof.

Das wiederholt sich so einige Male während der Circussaison.

Man ist sich näher gekommen aber noch ist das entscheidende Wort nicht gefallen.Verschiedene Male hat de.r altklassische Lieutenant (tr'isiunus inilitum supornumorarills)die Geliebte in ihrer Equipage, d. h. Sänfte begrüßt, war so frei, eine Strecke weitneben dem Tragbett einherzuwaudeln, obgleich ihn die Sänftenträger mit ihrem Lauf-Tempo ab und zu außer Athem brachten. Er hat ihr sogar ein Gedicht übersandtdenn, sagt Ovid , es gibt jetzt auch hochgebildete junge Dame», die dergleichen zu schätzenwissen . . . Aber die Sache ist doch immer noch in der Schwebe.

Da kommt der Sommer heran und mit ihm die Badesaison. Wohin gehtman in diesem Jahre? Nach Alsium? Nach Tibur? Nach Vajä? Ja! Am liebsten nachBajä, dem altrömischen Ostende, Scheveningen, Dieppe und Trouville . Kaum hat derliebende Jüngling in Erfahrung gebracht, wo er scine Septimia oder Lydia zu suchenhat, so ertheilt er alsbald seinem Burschen dem ersten der Lsibsklaven den Befehl,

das Erforderliche für die Reise vorzubereiten. Sie fährt über Ostia zu Schisse.

Vortrefflich. Da wählt er den Landweg über die Via Appia, und trifft, vermöge derausgezeichneten Leistungen seiner gallischen Füchse, noch einen Tag früher ein als dieGeliebte.

Nein, das ist reizend!" klingt die Begrüßung beim Wiedersehen und nun

beginnt eine ungezwungenere Art des Verkehrs, die schneller zum Ziele führt. Er trägtjetzt rückhaltsloser seine Bewunderung zur Schau.Geht sie in Purpurgewand, so preister die Purpurgewänder."Geht sie im kölschen Kleid, rühmt er das kölsche Zeug."(Die kölschen Gewebe kennen auch wir, obgleich sie heutzutage nicht mehr auf der InselKos fabrizirt werden: wir sagen etwa Mull ober Barege.) Trügt sie das Haar auf-genestelt in einem Knoten über dem Köpfchen, so erklärt er, das allein sei oommu il kautunter allen Frisuren. Brennt sie sich Locken, so verachtet er die Coiffüren ü, la Dianavon Grund aus. Wenn sie ein Lied zur Guitarra (die Römer und Griechen sagtenLitstara") vorträgt, so erklärt er die glänzendste Diva der Siebenhügelstadt für eineStümperin im Vergleich mit der Angebeteten. . . .

So ereignet sich endlich, was er begehrt hat. Sie lispelt unter den Ahorn-

bäumen des blühcnddustigen Parks ein beglückendes Ja und ob die wonneselise